Architektur & Design

Westbahnpark: Es muss wieder geträumt werden

Nur wer den Planungspragmatismus überwindet, kann neue Chancen sehen. Westbahntrasse, Wien.
Nur wer den Planungspragmatismus überwindet, kann neue Chancen sehen. Westbahntrasse, Wien.(C) Drlik

Park statt Immobilienverwertung? Eine Vision, die im wachsenden Wien immer schwerer vorstellbar wird. Dabei wäre ein Grünraum entlang des Westbahngeländes nicht nur Gebot der hitzigen Sommerstunde. Westbahnpark: ein Gedankenspiel mit Zukunft?

In Wien beschäftigen uns derzeit zwei große Trends. Erstens: Die Stadt platzt aus allen Nähten. Bereits seit vielen Jahren schießen querfeldein mehrgeschoßige Wohnanlagen aus dem Boden, und innerstädtisch herrscht intensivster Nachverdichtungsdrang, leider auch auf Kosten von Grün- und Freiflächen. Letzteres trägt dazu bei – und damit kommen wir zum zweiten Trend –, dass es immer wärmer wird. In einer Stadt, die durch die gegenwärtigen klimatischen Gegebenheiten ohnehin unter steigenden Temperaturen leidet, schlägt sich eine Grün- und Freiflächen verschlingende Bauweise äußerst negativ nieder.

Der aus Oberflächenversiegelung und flächendeckender Bebauung entstehende urbane Hitze-Insel-Effekt verursacht extreme Bedingungen mit tropischen Tages- und Nachttemperaturen. Abkühlung für Städterinnen und Städter verschafft oftmals nur die Flucht ins klimatisierte Innere, denn unsere Stadträume sind einfach noch nicht ausreichend hitzetauglich gestaltet. Seit Jahren wird daher mehr Grün in der Stadt gepriesen: grüne Infrastruktur zwischen und an beziehungsweise auf Gebäuden, möglichst viele Bäume und natürlich innerstädtische Parks. Den klimawirksamsten Effekt auf den Stadtraum haben aber Großgrünanlagen, da diese wie natürliche Klimaanlagen auf die Stadt wirken.

Doch, und jetzt kommen wir wieder zum eingangs erwähnten rasanten Wachstum der Stadt Wien, wo sollen mehrere Hektar oder noch größere Flächen im sich verdichtenden Wiener Stadtgebiet für Grünanlagen freigehalten werden? Und wie sollen diese finanziert werden, wo doch die wohnbauliche Verwertung des freien Raumes wesentlich lukrativer ist?