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Die Lady auf ihrem Scooter

(c) Getty Images

Morgens die Anzugträger, am Abend das Party-Volk: Der E-Scooter ist immer dabei. Spielzeug oder Verkehrswende? Jedenfalls nichts Neues. Rollerland existierte schon vor hundert Jahren, trotz Kopfsteinpflaster. Eine Trittbrettreise in die Vergangenheit.

Nicht alle sind begeistert von den flotten E-Scootern, die sich nun auch noch in das allgemeine Mobilitätsgewusel unserer Städte einmischen. Ausgewachsene Menschen lassen sich den Fahrtwind ins Gesicht wehen wie damals, als sie als Kinder durch festes Treten den Roller antrieben. Verbissene Kulturkritiker sehen den Roller nicht als ernsthaften Beitrag zur Verkehrswende, sondern als albernes Spielzeug und Infantilitätssymptom einer Gesellschaft, die sich weigert, erwachsen zu werden. Peter Pan auf den Straßen.

Gegenwartskritik am Beispiel des Elektrorollers? Zwingend ist das nicht. Bei näherer Betrachtung ist er recht banal und alles andere als neu. Das zeigt ein Blick zurück ins Jahr 1916, und damit sind wir bei Lady Florence Priscilla Norman, der Dame auf unserem Bild. Sie erregte in London nicht nur wegen ihres eleganten Scooters, mit dem sie damals durch die Straßen der Themsestadt kurvte, Aufsehen, sie war zudem Suffragette und kämpfte für die Rechte der britischen Frauen.

Derzeit findet man Lady Norman häufig im Internet. Kein Wunder: Der kleine Flitzer, auf dem sie da very british, also in unübertrefflich vornehmer Haltung, steht, scheint ein Vorläufer des heutigen E-Scooters zu sein. Im Netz wird behauptet, dass bereits vor 103 Jahren ein elektrisch betriebener Roller auf der Straße unterwegs gewesen sei. Die Sache bedarf einer Überprüfung.