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Italien: Viele offene Fragen nach Tod eines Carabiniere

(c) APA/AFP/VINCENZO PINTO
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Ein  US–Tourist gesteht, Polizisten erstochen zu haben: Erst waren Nordafrikaner beschuldigt worden.

Rom. „Für ganz Italien ist dies kein Wochenende wie jedes andere“, sagt Gianfranco Di Sarno, Sprecher der Fünf-Sterne-Bewegung im italienischen Parlament: Ein Carabiniere hat im Dienst sein Leben verloren. Als wäre das nicht schon tragisch genug, lassen die Umstände, unter denen der 35-jährige Beamte in der Nacht auf Freitag getötet wurde, viele ungläubig und fassungslos zurück.

Ein 19-jähriger US-Bürger hat gestanden, Mario Rega Cerciello mit acht Messerstichen umgebracht zu haben. Er und ein Freund (18) haben in Rom Urlaub gemacht, wollten eigentlich Freitagabend wieder zurück in die USA fliegen. Nun sitzen sie in Rom im Gefängnis. Der Vorwurf: Vorsätzliche Tötung und versuchte Erpressung. Die beiden jungen Männer sind am späten Donnerstagabend im Stadtteil Trastevere unterwegs. Das Viertel ist vor allem bei jungen Touristen und Auslandsstudenten beliebt. Auf der Piazza Mastai sprechen sie Sergio B. an, sie wollen Drogen kaufen. Dieser führt sie zu Dealern, die den Amerikanern statt Kokain Aspirin verkauft haben sollen. Die jungen Männer nehmen in ihrer Wut über den Betrug den Rucksack von Sergio B. an sich. Als dieser später sein Handy, das sich im Rucksack befindet, anruft und so die beiden kontaktiert, schlagen diese vor, sich im noblen Viertel Prati zu treffen, in dem sich auch das Hotel der beiden befindet. Nur wenige Meter davon entfernt sollte der Rucksack für 100 Euro wieder an Sergio B. übergeben werden – wohl als Wiedergutmachung.

 

Täter wohnten im Luxushotel

Sergio B. kommt nicht allein zu dem Treffpunkt. Er hat die Carabinieri informiert. Dient er als V-Mann in der Drogenszene? Cerciello und seine Kollegen kommen in Zivil zur Rucksack-Übergabe. Sie geben sich als Carabinieri zu erkennen, doch der 19-Jährige sticht den Beamten nieder. Die beiden Amerikaner fliehen, werden aber wenig später in ihrem Hotelzimmer festgenommen.

Die beiden Touristen waren in einem Vier-Sterne-Hotel untergekommen, sie stammen aus einem reichen Vorort von San Francisco. Er habe nicht gewusst, dass Cerciello ein Beamter in Zivil war, soll der 19-Jährige  gesagt haben. Bei der gerichtlichen Anhörung, bei der auch die Untersuchungshaft verhängt wurde, berief er sich auf sein Aussageverweigerungsrecht. In seinem Gepäck sollen Psychopharmaka gefunden worden sein.

Der Polizist hatte erst vor einigen Wochen geheiratet. Doch auch politisch hat der Fall in Italien so einige Wunden hinterlassen. Zunächst wurde nach  „Nordafrikanern“ gefahndet, angeblich nach einem falschen Hinweis von Sergio B. Giorgia Meloni, Vorsitzende der rechtsradikalen Fratelli d'Italia, schrieb: „Italien darf kein Landeplatz für gewisse Bestien sein.“ Selbst Vizepremier Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung nimmt kein Blatt vor den Mund: „Sollten es Nicht-Italiener ohne Papiere sein, hoffe ich, dass sie bei sich zu Hause ins Gefängnis wandern.“ Am Sonntag erregte ein Foto die Gemüter: Darauf ist der 18-jährige Mitangeklagte umringt von Polizeibeamten zu sehen, mit gefesselten Händen und verbundenen Augen. „Das ist nicht zu akzeptieren“, so Kommandant Francesco Gargaro. Es werde interne Ermittlungen geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2019)