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Formel 1: Erst das Kind, dann das Podest

28 07 2019 xpsx Motorsport FIA Formel 1 Mercedes Benz Groszer Preis von Deutschland 2019 Rennen v
imago images / Jan Huebner

Das Regenchaos von Hockenheim war auch die Stunde der Außenseiter. Daniil Kwjat wurde zuerst Vater einer Tochter, dann fuhr der Russe im Toro Rosso auf das WM-Podest.

Das Regenchaos von Hockenheim war auch die Glücksstunde für so manche Außenseiter. Allen voran Daniil Kwjat, der am Tag nach der Geburt seines ersten Kindes als Dritter das erst zweite WM-Podest für Toro Rosso holte. Elf Jahre nach Sebastian Vettels Sensationssieg 2008 in Monza - ebenfalls im Regen - pilotierte sich der Russe in Deutschland von Startplatz 14 aus noch auf das Siegerpodest.

Kwjats Lebensgefährtin Kelly Piquet, Tochter des brasilianischen Dreifach-Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet, hatte am Vorabend eine Tochter zur Welt gebracht. Derart beflügelt lieferte Kwjat im ersten Regenrennen dieser Saison eine seiner besten Vorstellungen ab. Weil auch "Thai" Alexander Albon als Sechster glänzte, verdoppelte die Scuderia von Red-Bull-Chef Dietmar Mateschitz in einem Rennen ihr Punktekonto und überholte zur Meisterschafts-Halbzeit in der Konstrukteurs-WM mit einem Satz Renault, Racing Point und Alfa Romeo. Platz fünf kann am Ende Millionen wert sein.

Daniil Wjatscheslawowitsch Kwjat stammt aus Ufa. Er fuhr schon ab 2014 für Toro Rosso und wechselte 2015 an die Seite von Sebastian Vettel zum Einser-Team Red Bull Racing, wo er in Ungarn als Zweiter sein bestes WM-Ergebnis holte. Nach einigen "inakzeptablen" Vorstellungen ging es für den Russen aber rasch bergab. 2016 musste er bei Red Bull schon nach vier Rennen Platz machen für den damals erst 18-jährigen Max Verstappen und anstelle des jungen Niederländers zurück zu Toro Rosso. Dort wurde er 2017 für einige Rennen zunächst durch Pierre Gasly und am Ende dauerhaft von Brendon Hartley ersetzt. Nach einem Jahr als Simulator-Fahrer bei Ferrari kehrte Kwjat 2019 aber anstelle von Gasly, der zu Red Bull wechselte, zu Toro Rosso zurück.

"Ich weiß, ich habe schon einiges erlebt", gestand Kwjat wegen der vielen Rochaden in Hockenheim seufzend. Der 25-Jährige sieht sich geläutert. "Ich bin reifer geworden und viel lockerer im Kopf", behauptete er. "Jetzt habe ich allen gezeigt, was ich wirklich kann."

Dass neben dem famosen Hockenheim-Sieg von Verstappen beide STR-14 in Deutschland in den Punkten landeten, freute natürlich die ganze Red-Bull-Familie, allen voran Franz Tost. Der Teamchef des RB-Juniorteams hatte im Vorjahr den diesjährigen Einstieg von Neo-Motorenlieferant bei Red Bull Racing vorbereitet, indem seine Autos bereits 2018 mit den Antrieben aus Japan anstelle der Renault-Antriebe unterwegs waren. Der Plan kann nach den Verstappen-Siegen in Österreich und Deutschland als gelungen bezeichnet werden.

"Natürlich hatten wir auch Glück. Nicht mit allem waren wir treffsicher, haben aber meist die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt getroffen", gestand Tost in Deutschland. "Ich freue mich vor allem für Daniil", so der Tiroler. "Ich hoffe, dass dies sein Selbstvertrauen für die Zukunft und vor allem für die zweite Saisonhälfte aufbaut."

 

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