Maddalena Del Gobbo: Zaubertöne aus fürstlicher Vergangenheit

Maddalena Del Gobbo: „Maddalena and the Prince“
Maddalena Del Gobbo: „Maddalena and the Prince“(c) Deutsche Grammophon

KritikDie exzellente Gambistin wandte sich dem Baryton zu, einem Instrumentenkuriosum, für das einst Fürst Esterházy eine Vorliebe hegte, weshalb auch Joseph Haydn zahllose Werke dafür schrieb.

Wie so oft hängt es an einer einzigen Persönlichkeit, diesfalls an Fürst Esterházy, dem Dienstherrn Joseph Haydns. Er diktierte selbstverständlich, welche musikalischen Belustigungen an seinem Hof zu erklingen hatten. So war Haydn ab den 1770er-Jahren als unermüdlicher Opernkapellmeister tätig. Davor gab es eher Kammermusik in Eisenstadt und Esterháza. Und dabei dominierte der Klang eines Instruments, von dem wir heute ohne den musikalischen Fürsten nicht einmal mehr den Namen kennen würden: Denn Nikolaus, der Prachtliebende, begeisterte sich für das Baryton.

Optisch mit dem Cello, klanglich eher mit der Bratsche verwandt, verfügte dieses Baryton über mitschwingende sogenannte Bordunsaiten, die den gespielten Klang stets noch mit sanften Sphärenharmonien umgaben. Einige ausschließlich pizzicato zu spielende Saiten dazu, und ein Instrument mit reichen Klangmöglichkeiten stand zur Verfügung, dessen harmonischer Bereich freilich begrenzt war. Die mitklingenden Saiten konnten ja nicht umgestimmt werden. So stehen denn die meisten der Hunderten (!) Werke Haydns für das Baryton in immer denselben Tonarten – es wär' aber nicht Haydn gewesen, wenn er sich trotz der enormen Menge an Spielmaterial, die der Fürst für seine Hauskonzerte forderte, allzu oft wiederholt hätte.

Formale Originalität verband sich bei diesem Komponisten ja stets mit einem Sinn für originelle Instrumentaleffekte. Davon profitiert die neue CD der exzellenten Gambistin Maddalena Del Gobbo, die für ihren Ausflug ins Baryton-Land ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt hat und Haydns Musik ins Umfeld seiner Zeit stellt.

Da sind nicht nur Trios des Großmeisters selbst, sondern auch Kompositionen seiner Musikanten, allen voran ein Werk seines Konzertmeisters Luigi Tomasini, der sich gewandt in der Sprache auszudrücken weiß, die sein genialer Kapellmeister bei Hofe kultiviert hatte. Dann beschäftigte der Fürst auch noch zwei spezielle Barytonvirtuosen, die zu Weltreisenden wurden, sobald Nikolaus das Interesse an „seinem“ Instrument verlor: Andreas Lidl und Franz Xaver Hammer, dessen A-Dur-Sonate auf schlichten Volksmelodien aufbaut, aber das Baryton (wie auch Lidls Divertimento) als allein führendes Soloinstrument behandelt.

Da darf Maddalena Del Gobbo all ihre Virtuosität entfalten, während ihr herzhaft mitmusizierendes Ensemble, angeführt vom philharmonischen Bratschisten Robert Bauerstatter, nur bei den Haydn'schen Stücken zuweilen partnerschaftlich behandelt scheint: Da kommt es hie und da zu geradezu poetischen Momenten, wenn etwa die Pizzicati von Cello und Bratsche mit den Zupftönen des Barytons verschmelzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2019)