Die OMV schwimmt im Geld

Die OMV hat gestern einen großen Expansionsschritt abgeschlossen.
Die OMV hat gestern einen großen Expansionsschritt abgeschlossen.REUTERS

Der Öl- und Gaskonzern verdiente heuer trotz schwierigen Umfelds bereits prächtig. Nun werden einmal die Zukäufe verdaut. Zwei Projekte sind ohnehin noch nicht finalisiert.

Wien. Schöner kann man es fast nicht komponieren. Just an dem Tag, an dem der heimische Öl- und Gaskonzern OMV sprudelnde Gewinne für das erste Halbjahr vermeldete, garnierte er diese noch mit einem bedeutsamen Geschäftsabschluss. Am Mittwoch wurde der Einstieg der Österreicher ins Raffineriegeschäft in Abu Dhabi finalisiert. Für 2,43 Mrd. Euro erhält die OMV 15 Prozent an der Raffinerietochter der dortigen staatlichen Ölgesellschaft Adnoc sowie an einer gemeinsamen Handelsgesellschaft. Mit einem Schlag werden so die Raffineriekapazität der OMV um 40 Prozent und die Petrochemiekapazität um zehn Prozent erhöht. Für die OMV ist damit der Schritt ins Downstream-Ölgeschäft (also Verarbeitung und Vertrieb) außerhalb Europas getan.

Die Gewinne sprudeln freilich auch so schon kräftig, wie der Konzern gestern mitteilte. Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn (CCS Ebit) stieg im zweiten Quartal um 44 Prozent auf 1,0 Mrd. Euro, womit für das erste Halbjahr ein Zuwachs um 17 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro ausgewiesen werden kann. Gut eine Milliarde Euro davon steuerte der Bereich Exploration und Förderung (Upstream) bei, der Rest entfällt auf Downstream Öl und Gas. Die Aktie zog im Tagesverlauf um über vier Prozent an.

 

Herausforderndes Umfeld

Dabei sei das Umfeld heuer bisher „herausfordernd“ gewesen, wie Konzernchef Rainer Seele gestern betonte: zum einen andauernde Handelskonflikte und Sanktionsdrohungen, zum anderen eine Abschwächung der Konjunktur und der Ölpreise. Konkret war etwa der durchschnittliche Preis für die Ölsorte Brent im ersten Halbjahr um sieben Prozent niedriger als noch vor einem Jahr. Der Ölmarkt kämpft nämlich mit einer Überproduktion, die vor allem auf rasante Förderzuwächse in den USA zurückzuführen ist. Ein ähnliches Phänomen spielt sich auf dem Gasmarkt ab, der außerdem dadurch belastet ist, dass die Nachfrage in Asien zurückging, weshalb Flüssiggastanker die europäischen Speicher füllten. Dies im Verein mit einem warmen Winter habe dazu geführt, dass der Gaspreis auf dem österreichischen CEGH-Handelsplatz im ersten Halbjahr gar um 17 Prozent gefallen sei, so Seele.

 

Mehr und billiger

Dass die OMV vor diesem Hintergrund dennoch ein neues Rekordergebnis erzielte, lag an einer höheren Produktion und an der Senkung der Produktionskosten. Letztere gingen im ersten Halbjahr um neun Prozent auf 6,9 Dollar je Barrel Öleinheit zurück. Demgegenüber wurde die Gesamtproduktion um 13 Prozent auf 482.000 Fass Öleinheit pro Tag erhöht. Die Schwelle von 500.000 Fass, an die man sich heuer herantasten wollte, wird man laut aktueller Prognose „knapp“ verfehlen. Grund ist, dass die Sicherheitslage in Libyen, wo die OMV Öl fördert, heikel ist. Zwar geht man bei der OMV fix davon aus, dass Libyen bis Jahresende einen stabilen Produktionsbeitrag von täglich 35.000 Fass leisten wird, aber der dortige Produktionsausfall zu Jahresbeginn bleibt eben für das Gesamtjahr belastend. Demgegenüber trugen Neuakquisitionen in Neuseeland, Abu Dhabi, Malaysia und Norwegen zu einer höheren Fördermenge bei.

 

Abgeschlossene und offene Projekte

Der Konzern, der im ersten Halbjahr einen Cashflow aus der Betriebstätigkeit von zwei Mrd. Euro (minus 13 Prozent) erzielte, geht nun in eine Akquisitionspause „zur Konsolidierung“, sagte Seele. Ohnehin müssen fixierte Zukäufe noch abgeschlossen oder in die Bilanz eingerechnet werden. Bei der Beteiligung am russischen Großprojekt Achimov IV/V hat man sich im Juni immerhin auf den verbindlichen Preis von 905 Mio. Euro geeinigt, wobei laut Finanzvorstand Reinhard Florey nicht sicher sei, dass es noch heuer zu einem Closing komme. Der oben genannte Einstieg bei der Adnoc-Raffinerietochter werde den Verschuldungsgrad, der bei 21 Prozent (= 3,3 Mrd. Euro Nettoverschuldung) liegt, zwar deutlich heben, aber doch unter dem langfristigen Zielwert von 30 Prozent halten. Man habe derzeit 3,7 Mrd. Euro liquide Mittel, so Florey.

Eine Nervengeschichte bleibt die russische Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Die OMV hat als Finanzierungspartner bereits 687 Mio. Euro beigesteuert. Der Bau sei laut Seele zu 70 Prozent abgeschlossen. Aber die Genehmigung Dänemarks steht noch aus und müsste bald erfolgen, sollte die Pipeline noch mit Jahresende in Betrieb gehen. Man sei vom Zeitplan nicht abgerückt, so Seele.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2019)

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