ÖBB-Chef: "Wir suchen 10.000 neue Kollegen"

Matthä, Halbmayr
Andreas Matthä (rechts) mit ÖBB-Finanzvorstand Josef Halbmayr.APA/GEORG HOCHMUTH

Ein Viertel der ÖBB-Belegschaft geht in den kommenden Jahren in Pension. Nicht alle Abgänge werden nachbesetzt, erklärt ÖBB-Chef Andreas Matthä.

ÖBB-Chef Andreas Matthä appelliert an die Politik, statt Milliardenstrafen für die Nichterfüllung der Klimaziele in Kauf zu nehmen solle Österreich umfangreiche Investitionen in die Bahninfrastruktur vornehmen. Wünschenswert sei auch ein bundesweit einheitliches Tarifsystem für den gesamten öffentlichen Verkehr.

Zu einem Personalabbau bei der Staatsbahn meinte Matthä, dass in den kommenden Jahren ein Viertel der Belegschaft in Pension geht. "Nicht jeden Abgang werden wir nachbesetzen, wir suchen rund 10.000 neue Kollegen. Am Ende des Tages wird der Personalstand spürbar niedriger sein. Das größere Problem ist aber, überhaupt in ausreichendem Maß Leute zu bekommen", so der Bahnchef.

Er wünsche sich, dass die ÖBB-Vorteilscard für Junge so attraktiv werde wie ein Führerschein, sagt Matthä. Beim Güterverkehr sei man hier schon weiter. "Im EU-Schnitt beträgt der Marktanteil der Bahn im Güterverkehr nur 17 Prozent - in Österreich immerhin 30 Prozent", rechnete er im Gespräch mit dem aktuellen "trend" vor.

„Bahn gesamtwirtschaftlich günstiger als Lkw"

Und er bringt eine zweite Rechnung: "Zehn Tonnen Güter über 100 Kilometer zu transportieren, kostet einen Kunden mit Lkw 55 Euro, dazu kommen 32 Euro volkswirtschaftliche Kosten. Beim Zug zahlt der Kunde 66 Euro, aber nur neun Euro kommen an externen Kosten - Stichwort ökologischer Fußabdruck - dazu. Betriebswirtschaftlich ist also der Lkw günstiger, gesamtwirtschaftlich die Bahn."

Als Wettbewerbsverzerrung nennt er das Steuerprivileg für Diesel - während die Bahn für Bahnstrom, obwohl er überwiegend aus erneuerbarer Energie gewonnen werde, die höchsten Abgaben in Europa zahle - 29 Mio. Euro im Jahr. Als weiteres Beispiel führt er Flugtickets an. "Diese unterliegen nicht einmal der Mehrwertsteuer, Bahnfahrscheine schon", so der Bahnchef.

(APA)