Verheerendes Taliban-Attentat in Kabul

Einsatzkräfte versorgen einen Verletzten.
REUTERS

Die afghanischen Extremisten fahren eine Doppelstrategie: Bomben und Verhandeln.

Der Sprengsatz detonierte mitten im morgendlichen Berufsverkehr – vor einer Polizeiwache in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Mindestens 14 Menschen starben, 145 wurden verletzt. Mehrere Polizisten und Soldaten seien getötet worden. Der Großteil der Opfer seien aber Zivilisten, darunter auch Kinder, sagte am Mittwoch der stellvertretende afghanische Innenminister, Khoshal Sadat. In sozialen Netzwerken kursierten Berichte, dass die Zahl der Todesopfer noch viel höher sei.

Zum Attentat bekannte sich die Extremistenorganisation der Taliban. Ziel sei ein „Rekrutierungszentrum des Feindes“ gewesen, sagte ihr Sprecher Zabiullah Mujahid. Die Islamisten rühmen sich des blutigen Anschlags just zu dem Zeitpunkt, zu dem sie mit den USA über Frieden verhandeln. Derzeit läuft die bisher achte Gesprächsrunde im Golfemirat Katar. Begonnen hatten die Verhandlungen vor fast genau einem Jahr. Zuletzt schien es, als sei der derzeitige Durchgang der bisher entscheidendste. Sowohl die Taliban als auch die USA hatten behauptet, eine Einigung stehe kurz bevor.

Konkurrenz durch IS

Offenbar fahren die Taliban eine Doppelstrategie: Bomben und Verhandeln. In Katar wird unter anderem über einen US-Truppenabzug geredet und über Garantien der Taliban, ihr Herrschaftsgebiet nicht internationalen Terrororganisationen als Rückzugsort zur Verfügung zu stellen. Zuletzt haben die Islamisten in Afghanistan zunehmend Konkurrenz von Gruppen erhalten, die sich als Teil des sogenannten Islamischen Staates (IS) sehen.

Die afghanische Regierung nahm an direkten Gesprächen mit den Taliban bisher nicht teil. Sie wird von den Extremisten nicht anerkannt. Die von der Regierung für 28. September angesetzten Präsidentenwahlen wollen die Taliban sabotieren.