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„Die Czárdásfürstin“: Kálmán, melancholisch und freigeistig

(c) Kurt-Michael Westermann/Schlossfestspielen Langenlois

Kritik„Die Czárdásfürstin“ bei den Schlossfestspielen Langenlois – mit einem Moderator im Mittelpunkt.

Nostalgische Sehnsüchte beherrschen Emmerich Kálmáns Musik. Regisseur Rudolf Frey betont diese in der Aufführung der „Czárdásfürstin“ in Langenlois noch durch Texte aus Joseph Roths „Radetzkymarsch“ und „Kapuzinergruft“. Und konterkariert sie – durch torkelnde Figuren aus Karl Kraus' „Letzten Tagen der Menschheit“. Schemenhaft erscheinen sie auf der von Niki Neuspiel und Eduard Neversal aus Betonteilen gebauten Bühne, während am Pult des Wiener Kammerorchesters Andreas Stoehr in kluger Tempodramaturgie Kálmáns emotionale Berg-und-Tal-Fahrten beschwört.

Titelheldin Netta Or überspielte in der Premiere dank vokaler Präsenz und strahlender Soprantöne sogar das als schweres Handicap zu bezeichnende Kostüm. Die Regie rückt freilich Erwin Belakowitschs freigeistig-melancholischen Boni in den Mittelpunkt, indem sie ihn als Moderator durchs Geschehen führen lässt. Als veritabler „C-Tenor“ erwies sich (bei baritonalem Timbre mit metallischen Höhen) der Edwin, Franz Gürtelschmied. Steven Schescharegs gab eher stimmlich als darstellerisch überzeugend den Bonvivant Feri Bacsi, Ethel Merhauts Komtesse Anastasia tröstete sich als verlassene Braut rasch mit koketter Annäherung an den Freund des „Abtrünnigen“. Johannes Terne und Elke Hartmann zeichneten köstlich Edwins bigotte Eltern, Stefan Wunder rundete die Besetzung als Eugen perfekt ab.

Weitere Vorstellungen: 8. bis 10. August, 20.30 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2019)