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Umsatzplus für Faserkonzern Lenzing

Lenzing-Chef Stefan Doboczky.
Lenzing-Chef Stefan Doboczky.(c) APA/ROLAND SCHLAGER

Sinkende Preise für Standardviskose ließen den Gewinn fallen, die Aktie stieg trotzdem.

Wien/Lenzing. Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing konnte im ersten Halbjahr 2019 einen Umsatzanstieg von 1,2 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro verbuchen, und das, obwohl die Marktpreise für Standardviskose rückläufig waren. An der Börse kam das gut an, der ATX-Titel lag am Mittwochnachmittag im Plus.

Der Gewinn ist jedoch wie erwartet deutlich gefallen, und zwar im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 76,8 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) ging um sieben Prozent auf 181,2 Mio. Euro zurück, das Betriebsergebnis (Ebit) um 17,9 Prozent auf 105,6 Mio. Euro. Als Gründe für den Ergebnisrückgang führte Lenzing unter anderem Währungseffekte an, die zu einem Anstieg der Zellstoffkosten geführt hätten, einen höheren Personalaufwand sowie das schlechte Marktumfeld für Standardviskose. Für das Gesamtjahr 2019 geht Lenzing von einem Ergebnis in etwa auf dem Niveau des Vorjahres aus.

 

Umstieg auf Spezialfasern

Lenzing versucht seit geraumer Zeit, vom Standardviskose-Geschäft weniger abhängig zu werden, indem man mehr auf Spezialfasern setzt. Der Anteil der Spezialfasern am Gesamtumsatz soll bis 2020 die Hälfte erreichen, derzeit kratzt er an 49 Prozent. Nach dem Jahr 2020 solle der Wert weiter klettern, versprach Lenzing-Chef Stefan Doboczky – auf bis zu 75 Prozent. „Ich sehe Lenzing sich strukturell mehr und mehr zum Spezialfaserhersteller transformieren.“ Das 75-Prozent-Ziel könnte somit bis 2025 erreicht werden. „Das ist die richtige Größenordnung; sie erscheint attraktiv“, sagte der Manager.

Die Spezialfasern unterliegen Doboczky zufolge einer weitaus geringeren Volatilität als herkömmliche Produkte. Außerdem böten sie eine höhere Wertschöpfung vom Holz bis zur Faser. „Das gibt Stabilität.“ Zudem dürfte es Verbrauchern mittel- bis längerfristig immer wichtiger werden, wie ihre Kleidung hergestellt wurde, glaubt Doboczky, „ähnlich wie bei den Nahrungsmitteln“.

Die Aktie liegt trotz des jüngsten Anstiegs um gut 40 Prozent unter dem Allzeithoch aus dem Jahr 2017. Heuer hat sie allerdings um 14 Prozent zulegt und damit weit stärker als der ATX–Schnitt (fünf Prozent). Das verdankt sie aber vor allem dem steilen Anstieg im ersten Quartal. Danach geriet sie in den Sog der allgemeinen Konjunkturabschwächung. Analysten sind geteilter Meinung. Bloomberg-Daten zufolge raten drei zum Kauf und einer zum Verkauf. (b. l./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2019)