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Der Regenwald schrumpft rasant

Sojabohnen statt Regenwald: Im Amazonasbecken breiten sich die Agrarflächen aus.
Sojabohnen statt Regenwald: Im Amazonasbecken breiten sich die Agrarflächen aus.(c) REUTERS (PAULO WHITAKER)

Satellitenbilder zeigen die starke Abholzung in Brasilien. Aber auch in Afrika schwindet der Regenwald immer mehr.

Wien. Dort, wo noch vor Kurzem jahrhundertealte Baumriesen standen, ist heute nur noch Gestrüpp und blanke Erde. Wo vor nicht allzu langer Zeit ein dichtes Durcheinander an Blättern und Zweigen herrschte, wachsen heute in Reih und Glied Soja oder Ölpalmen.

Solche Bilder, die die Abholzung des Regenwaldes dokumentieren, kennt man aus den Zeitungen und dem Fernsehen. Und Bilder, aufgenommen von Satelliten aus dem All, die den Zustand des Amazonaswaldes im Laufe der Monate dokumentieren, hat das brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) am Dienstag vorgelegt. Das Ergebnis: In Brasilien hat sich die Abholzung des Regenwaldes, der im globalen Klimaschutz eine unverzichtbare Rolle spielt, stark beschleunigt – innerhalb nur eines Jahres. Im Juli war die Fläche des zerstörten Waldes um fast das Vierfache höher als im gleichen Monat des Vorjahres.

Laut INPE wurden im Juli in dem südamerikanischen Staat insgesamt 2254 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Im Juli 2018 waren es noch 596,6 Quadratkilometer – das entspricht einer Zunahme von 278 Prozent. Im vergangenen Juni lag das Ausmaß der Abholzung den Angaben zufolge noch um 88 Prozent über dem Volumen des entsprechenden Vorjahresmonats.

 

Schutzgebiete geöffnet

Diese Satellitenbilder der Zerstörung bringen Brasiliens Präsident, Jair Bolsonaro, zur Rage, nicht weil ihn das Ausmaß der Waldrodungen erschüttert, sondern weil er die wissenschaftlichen Aufnahmen als Lügen interpretiert. Eine Debatte über den Umgang mit den Amazonaswäldern wischte er vom Tisch: „Bei all der Zerstörung, die sie (die Wissenschaftler des INPE, Anm.) uns vorwerfen, wäre das Amazonasgebiet bereits völlig verschwunden.“ Den Direktor des widerspenstigen Instituts, der Bolsonaros Reaktion mit scharfen und eindeutigen Worten kritisiert hatte, feuerte der Präsident kürzlich.

Bolsonaro, seit einem halben Jahr Präsident des riesigen Landes in Südamerika, bezeichnet sich als Klimawandelskeptiker. Als Freund der Agrarindustrie und der Großgrundbesitzer lässt er sich in seine Umweltpolitik nicht dreinreden. Schutzgebiete im Amazonas hat er für die Landwirtschaft, den Bergbau und die Holzindustrie freigegeben. Kleinbauern und Indigene geraten unter Druck.

Doch nicht nur in Brasilien schwinden die Flächen an Regenwald in schwindelerregendem Tempo: Im Kongobecken, dem zweiten grünen Lungenflügel der Erde, setzt vor allem die Holzindustrie den Urwäldern zu. In der Demokratischen Republik Kongo wurden die rohstoffreichen Regenwälder seit dem Jahr 2001 um mehr als die Hälfte dezimiert. Lang waren dort die Wälder vor der radikalen Abholzung – wie in Brasilien – verschont geblieben, weil Kriege die Region gelähmt hatten.

Doch seit einiger Zeit vergibt die Regierung Lizenzen an internationale Unternehmen, denen bereits Millionen an Hektar Wald gehören. Ob diese Lizenzen auch tatsächlich legal vergeben wurden und ob die Unternehmen internationale Umweltauflagen erfüllen, wird von Umweltschutzorganisationen angezweifelt. Zwei Drittel der kostbaren Tropenhölzer aus dem Kongo landen in China, das massiv im Land investiert.

 

Indonesiens Holz nach China

Nach China führt auch die Spur illegaler Schlägerungen in Indonesiens Urwäldern. Der Inselstaat zählt – neben Brasilien und Kongo – zu jenen Ländern, in denen jährlich die größten Flächen an Regenwald verschwinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2019)