Tempo 140: Studienautor setzt sich gegen Kritiker zur Wehr

Ist die Greenpeace-Kritik an der Asfinag-Studie über die Auswirkungen von Tempo 140 auf die Luftqualität berechtigt? (Symbolbild).
Ist die Greenpeace-Kritik an der Asfinag-Studie über die Auswirkungen von Tempo 140 auf die Luftqualität berechtigt? (Symbolbild).(c) APA/zb/Sebastian Kahnert
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Luftverschmutzung. Nach Zweifeln an einem Gutachten der Asfinag will Oberösterreich ab September eigene Messungen durchführen. Der CO2-Ausstoß soll in Wahrheit höher gewesen sein − was Verkehrsminister und Autobahnbetreiber aber dementieren.

Wien. Ist die Greenpeace-Kritik an der Asfinag-Studie über die Auswirkungen von Tempo 140 auf die Luftqualität berechtigt? Nein, ist sie nicht, sagt Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele. Die Evaluierung der Teststrecken in Ober- und Niederösterreich zeige die Wirklichkeit, sagt Siegele am Mittwoch zur „Presse“.

Greenpeace rechnete nach. Ihr Ergebnis: Der zusätzliche CO2-Ausstoß soll etwa doppelt so hoch sein (2,5 bis 2,6 Prozent, ohne Lkw 3,5 bis 3,6 Prozent) wie von der Asfinag behauptet (1,2 bis 1,6 Prozent). Laut Siegele könne man nicht davon ausgehen, alle Pkw würden gleich schnell fahren. Deshalb sei die Kritik, die Einberechnung langsamer Lkw verfälsche das Ergebnis, unrichtig.

„Um die Realität abzubilden, ist eine Gesamtbewertung des Verkehrs mit allen Fahrzeugen notwendig“, sagt Siegele. Dazu stellte die Asfinag einen Vorher-nachher-Vergleich an. Im Juli 2018 war Tempo 130 die Regel. Seit 1. August 2018 darf man auf zwei Autobahnabschnitten 140 km/h fahren. Unter der Leitung von Ernst Pucher, Professor an der Technischen Universität Wien, wurde der Vergleich zwischen beiden Monaten wissenschaftlich ausgewertet. Wetterbedingungen spielen bei Messungen eine wichtige Rolle. Man habe sich bewusst für Juli, August entschieden. „Im Winter könnte das Messergebnis durch höhere Stickstoffdioxid-Konzentration (v.a. Heizen, Anm.) verfälscht werden. Im Sommer ist die Immissionssituation stabil“, sagt Studienautor Pucher. Auch West- oder Ostwetterlage wurde laut Pucher mitberücksichtigt. Die mangelhafteste Überprüfung, die er je gesehen habe, ist die Evaluierung für den oberösterreichischen Umweltlandesrat Rudolf Anschober. Am Mittwoch kritisierte der Grün-Politiker via Aussendung: Der Standort der Messstationen sei nicht korrekt gewesen.

Fehlinterpretation?

Statt, wie rechtlich vorgesehen, zehn Meter vom Fahrbahnrand sollen die Messstationen in Oberösterreich 25 Meter, in Niederösterreich 38 Meter davon entfernt sein.

Laut Siegele habe sich Anschober aber auf die Messstellen für das Immissionsschutzgesetz Luft bezogen. Emissionen misst man am Entstehungsort (möglichst nahe der Fahrbahn), Immissionen am Wirkungsort (in der Umgebung). Pucher: „Wir haben bewusst an verschiedenen Stellen gemessen, das haben wir Herrn Anschober vor einem Jahr schon mitgeteilt. Große Änderungen gibt es durch technologische Neuerungen wie die Abgasreinigung. Darum haben wir Abgaswerte mit einer repräsentativen Flotte zusätzlich direkt in zehn Fahrzeugen gemessen.“

Bei der Studie gehe es außerdem nicht nur um CO2, sondern nicht zuletzt um Stickstoffmonoxid und -dioxid. Ab September will das Land Oberösterreich ein Jahr lang selbst die Luftverschmutzung messen. Verkehrsminister Andreas Reichhardt sieht keinen Grund, die Ergebnisse der Asfinag zu bezweifeln. Einzelne Werte zur Bewertung heranzuziehen sei sinnlos. Reichhardt will keine neuen Teststrecken einführen, die aktuellen nach dem Motto „Verwalten statt gestalten“ aber beibehalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2019)

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