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Weltklimarat: Erderwärmung gefährdet globale Lebensmittelversorgung

(c) REUTERS (David Gray)
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Über den Landflächen der Welt ist die Temperatur bereits um mehr als 1,5 Grad gestiegen, warnen die Experten des UN-Weltklimarats. Sie fordern ein Umdenken bei Produktion und Konsum von Nahrungsmitteln.

Die Welt muss ihre Essgewohnheiten und die Landwirtschaft deutlich umstellen, um die Erderwärmung zu begrenzen. Andernfalls seien Lebensmittelsicherheit, Gesundheit und Artenvielfalt in Gefahr, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten UNO-Sonderbericht des Weltklimarats zu den Konsequenzen des Klimawandels an Land.

Das weltweite Bevölkerungswachstum und ein verändertes Konsumverhalten hätten zu einem nie dagewesenen Verbrauch von Land und Wasser geführt. Die Menschheit nutze 70 Prozent der weltweiten eisfreien Erdoberfläche, für 70 Prozent des Wasserverbrauchs sei die Landwirtschaft verantwortlich, seit den 60er Jahren habe sich der weltweite Fleischkonsum pro Kopf um mehr als die Hälfte verdoppelt. Landwirtschaft und Essverhalten müssten sich daher stark ändern, forderten die Vereinten Nationen. "Die Stabilität des Nahrungsmittel-Angebots wird voraussichtlich sinken, da das Ausmaß und die Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen, welche die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen, steigen wird.“

Eine ausgewogene Ernährung, die verstärkt auf Gemüse und Getreide setze, könne dazu beitragen, die Kohlendioxid-Emissionen wesentlich zu senken. Würde sich die Weltbevölkerung stärker von pflanzlichen und nachhaltig produzierten tierischen Lebensmitteln ernähren, könnten bis 2050 mehrere Millionen Quadratkilometer Land renaturiert werden, heißt es in dem Bericht. Der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß könnte damit um 0,7 bis acht Gigatonnen sinken. Der IPCC ging allerdings nicht so weit, eine fleischlose Ernährung zu empfehlen.

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Rinderzucht in Wales: Der Weltklimarat fordert ein Umdenken in der Nahrungsmittelproduktion.APA/AFP/GLENN NICHOLLS

Zahl, Dauer und Intensität von Hitzewellen nimmt zu

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Weltklimarat in seinem ersten Sonderbericht gewarnt, rasche Veränderungen seien nötig, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen statt der zwei Grad, die im Pariser Weltklimaabkommen vereinbart worden waren.

Teilweise hat die internationale Gemeinschaft dieses Ziel bereits verfehlt: Seit der industriellen Revolution sei die Temperatur über Land bereits um 1,53 Grad Celsius gestiegen, zwei Mal so stark wie die weltweite Durchschnittstemperatur, heißt es in dem Bericht. Unter Berücksichtigung der sich langsamer erwärmenden Meeresflächen liege das globale Temperaturplus gegenüber der vorindustriellen Zeit bei knapp 0,87 Grad.

In den kommenden Jahrzehnten werde die Zahl, Dauer und Intensität von Hitzewellen sowie Dürren nicht zuletzt rund ums Mittelmeer zunehmen, mahnen die 107 Forscher aus 52 Ländern. In vielen Regionen werden außerdem häufiger extreme Regenfälle vorkommen. Der Weltklimarat empfiehlt in seinem Bericht dringend, im Kampf gegen eine weitere Erwärmung der Erde die Wälder und nicht zuletzt die Moore besser zu schützen.

Von Versteppung bedroht

Die Land- und Forstwirtschaft steuert laut IPCC rund 23 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase bei. "Hier liegt sehr viel Potenzial", sagte die deutsche Co-Autorin des Berichts, Almut Arneth aus Karlsruhe. Generell mache der Bericht deutlich, dass die Ressource Land begrenzt sei. "Wir können nicht weitermachen wie bisher." Sehr skeptisch sei sie, dass die im Bericht auch thematisierten Aufforstungen bis hin zu Bioenergie-Plantagen ein guter Weg seien. Laut IPCC leben rund 500 Millionen Menschen in Gebieten, die von Versteppung bedroht sind. Diese Regionen seien umso anfälliger für Wetterextreme wie Dürren, Hitzewellen und Staubstürme.

Für 70 Prozent des Wasserverbrauchs sei die Landwirtschaft verantwortlich, sagt die UNO.APA/AFP/DPA/PATRICK PLEUL

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Der Bericht steht im Zeichen des Pariser Klimaabkommens. Darin wurde 2015 das Ziel festgelegt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dazu müssten die Staaten den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase stark reduzieren. Um das zu schaffen, wollen einige Experten große Flächen für Wälder nutzen, welche die Treibhausgase aus der Atmosphäre binden können. In Verbindung mit dem Ziel der Lebensmittelsicherheit für die gesamte Bevölkerung drohen so Landkonflikte - zusätzlich zu den Entwicklungen, die der Klimawandel bereits jetzt ausgelöst hat.

APA

Die Forscher hatten zunächst eine große wissenschaftliche Analyse erarbeitet, deren Zusammenfassung in Genf seit vergangenem Freitag intensiv beraten wurde. Die vor allem politischen Delegierten einigten sich dabei auf den nun veröffentlichten Bericht, der somit auch von den IPCC-Mitgliedsländern anerkannt ist. Die Dringlichkeit des Thema verdeutlichte zu Wochenbeginn nicht zuletzt die Mitteilung des Klimawandelsdienstes Copernicus, dass der Juli 2019 global gesehen der heißeste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 war.

(APA/dpa/AFP)