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Das Internet als Konzert-Zeitmaschine

Bernard Haitink verabschiedet sich am 31. August mit Bruckner.
Bernard Haitink verabschiedet sich am 31. August mit Bruckner.© Todd Rosenberg Photography

Klassikfreunde können sich ihre Festspielprogramme selbst zusammenstellen und manches sogar online abrufen, bevor es noch live erklungen ist. Wie das geht, steht hier ebenso wie Tipps für den Saisonstart.

Haitinks Adieu und Brahms-Fokus

Musik aus Salzburg und Bregenz
Zu sehen auf takt1.de

Das Finale der diesjährigen Festspiele bedeutet einen Abschied – nicht nur vom Salzburger Aufführungsreigen 2019, sondern von einem berühmten Dirigenten. Bernard Haitink, schon jenseits der Neunzig, hat beschlossen, nicht mehr aufzutreten. Als krönenden Abschluss seiner Laufbahn hat er eine Symphonie von Anton Bruckner gewählt. Die Siebente steht am 31. 8. (Livestream ab 11 Uhr) auf dem Programm, wenn Publikum und die Wiener Philharmoniker in strahlendem E-Dur dem großen alten Herrn des Taktstocks Adieu sagen.

Die neue Saison in Wien beginnt dann mit einem spannenden Doppelschlag im Musikverein: Die Symphoniker präsentieren an vier Abenden (25./26. bzw. 28./29. September) zweimal alle vier Symphonien von Johannes Brahms. Diese symphonische Tetralogie war bereits bei den Bregenzer Festspiele zu erleben und ließ das Orchester auf höchstem Niveau hören: Philippe Jordans interpretatorische Klarheit sorgte für rhythmische Brisanz und mitreißende Dramatik – bei aller gebotenen Genauigkeit: Sogar die sonst stets eliminierten Wiederholungen in den Kopfsätzen der Ersten und Zweiten Symphonie hat man diesmal beachtet. Die Aufzeichnung aus dem Festspielhaus steht schon online.

 

Festspiele zum Nachhören

Musik aus Salzburg und Grafenegg
Zu sehen auf digitalconcerthall.com bzw. myfidelio.at

Wer für die Gastkonzerte der Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko in Salzburg keine Karten bekommen hat, wird auf der Streamingplattform des Orchesters fündig: Beide Programme (25., 26. 8.) stehen dort rechtzeitig online!

Auch das Eröffnungskonzert des diesjährigen Festivals von Grafenegg ist online live mitzuerleben. Die Tonkünstler musizieren am 16. August (19.30) mit Sarah Chang unter Yutaka Sado Vivaldis „Jahreszeiten“; ob Schönwetter oder Regen, man serviert die passenden Klänge. Eingeleitet wird der Abend durch eine neue Fanfare, die Peter Ruzicka komponiert hat. Der ehemalige Salzburger Festspielintendant ist heuer „Composer in residence“ in Grafenegg. Geistlich ist der Rest des Programms mit dem Wiener Singverein: Auf Mendelssohn folgt Igor Strawinskys „Psalmen-Symphonie“.

 

Damit hat einst Nestroy brilliert

Offenbachs Unterwelts-„Orpheus“
Zu sehen auf myfidelio.at

Tags darauf können „Fidelio“-Abonnenten die Neuproduktion von Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ aus Salzburg mitverfolgen: Barrie Kosky wird die seinerzeitige politische Brisanz des Werks vermutlich in unsere Gegenwart zu transferieren versuchen. Anne Sophie von Otter darf als „Öffentliche Meinung“ ihren Kommentar dazu abgeben. Martin Winkler ist der Jupiter, einst Johann Nestroys Bravourrolle! Ganz ernst zu nehmen ist an diesem Werk ja nur die hinreißende Musik des Jahresregenten. Enrique Mazzola dirigiert.

 

Joyce DiDonato und ein Gipfelsieg

Sommer in der Elbphilharmonie
Zu sehen auf elbphilharmonie.de

Auch anderswo in Europa schläft der Musikbetrieb nicht ein. Die Elbphilharmonie bittet auch im Sommer zu Konzerten. Am 14. August gastiert eine der großen Gestalterinnen der Opernwelt mit dem National Youth Orchestra of the United States unter Sir Antonio Pappano in Hamburg: Joyce DiDonato singt Hector Berlioz' Liederzyklus „Les nuits d'été“. Danach darf man eine akustische Alpenwanderung mit Richard Strauss unternehmen. Schon zwei Tage später ist mit dem European Union Youth Orchestra ein weiters Jugendorchester an der Elbe zu Gast: Stéphane Denève dirigiert Mahlers Fünfte und das Klarinettenkonzert von Mozart – mit einem brillanten Solisten aus Wien, der mittlerweile aber in Berlin daheim ist: Andreas Ottensamer.

 

Verdis subtilstes Drama in Salzburg

„Simon Boccanegra“
Zu sehen auf takt1.de

Auch die letzte große Opernpremiere der diesjährigen Salzburger Festspiele ist als Livestream avisiert: Am 20. August können Musikfreunde die dritte Vorstellung von Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Verdis „Simon Boccanegra“ daheim erleben. Luca Salsi ist der Titelheld, Marina Rebeka die Amelia, Charles Castronovo der Gabriele Adorno und René Pape der Fiesco. Valery Gergiev dirigiert die Philharmoniker.

 

Verdi-Luxus auch zu Saison-Beginn

„Traviata“ und „Don Carlo“ in Wien
Zu sehen auf staatsoperlive.com

Die Staatsoper öffnet Anfang September ihre Pforten. Die ersten Serien der Spielzeit dokumentiert auch der hauseigene Streamingdienst: „La traviata“ mit Irina Lungu und Thomas Hampson wird am 7. September gestreamt. Tenor Charles Castronovo wechselt dafür aus Salzburg ebenso nach Wien wie René Pape für den „Don Carlo“, für den er am 12. September den König Philipp singen wird. Ihm zur Seite Anja Harteros, Elena Zhidkova, Fabio Sartori und Simon Keenlyside. Man muss für illustre Live-Erlebnisse nicht immer in die Ferne schweifen.

 

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