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Schwierige Zeiten für Raiffeisenbank

RBI-Vorstandsvorsitzender Johann Strobl kündigt strengere „Spardisziplin“ an.
RBI-Vorstandsvorsitzender Johann Strobl kündigt strengere „Spardisziplin“ an.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Die Raiffeisen Bank International hat im ersten Halbjahr deutlich weniger Gewinn erzielt. Der Polen-Ausstieg und die niedrigen Zinsen drücken das Ergebnis, auch die Kosten steigen weiter.

Wien.Personalabbau, Geldwäschevorwürfe, Rechtsstreit in Polen, schwache Aktienentwicklung, Negativzinsen – die Vorstände der Raiffeisenbank Bank International (RBI) müssen sich bei der Pressekonferenz zum Halbjahresergebnis unangenehmen Fragen stellen. Und eins wird schnell klar: Auch wenn die RBI an ihren Finanzzielen festhält, die Stimmung ist schlecht, die Aussichten haben sich eingetrübt.

Am stärksten setzte der RBI im Vorjahresvergleich der Wegfall des Geschäfts in Polen zu: Die Raiffeisen Bank Polska wurde im vergangenen Jahr an die französische Bank BNP Paribas verkauft. Während die RBI mit Veräußerungen einige Sorgen losgeworden ist, hat sie die finanziellen Unsicherheiten rund um den Rechtsstreit über einen „fairen“ Wechselkurs der Franken-Kredite behalten.

Der zweite Faktor, der das Ergebnis drückt – der Gewinn fiel im ersten Halbjahr um ein Viertel auf 571 Millionen Euro – sind die niedrigen Zinsen. Lange war erwartet worden, dass es heuer zur Zinswende kommt – dass die EZB die Leitzinsen schrittweise anhebt, oder zumindest den negativen Einlagezins von minus 0,4 Prozent zurücknimmt, und die Banken damit wieder höhere Margen aus der Kreditvergabe lukrieren können. Diese Hoffnungen sind nun auf absehbare Zeit dahin.

 

Spielraum nur auf Kostenseite

Damit bleiben der RBI auf Ertragsseite das Provisionsgeschäft und die Handelstätigkeiten. Das Provisionsgeschäft, im Grunde Gebühren, die sie ihren Kunden für Dienstleistungen verrechnet, sind im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 839 Millionen Euro gefallen. Das Handelsergebnis hat sich wegen „Bewertungseffekten“ um 95 Millionen Euro verringert und ist im Vorjahresvergleich im Minus.

Also sind es die Kosten, an denen gedreht werden muss, um auf Kurs zu bleiben. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag wird in der Branche mit der Cost-Income-Ratio gemessen: Die RBI liegt hier bei 60,7 Prozent und damit um vier Prozentpunkte höher als noch im ersten Halbjahr 2018.

Dennoch hält der Vorstand weiterhin am Ziel fest, diese Kennzahl bis 2021 auf 55 Prozent zu drücken. Gelingen soll das durch verstärkte Sparmaßnahmen: Zehn Millionen Euro wurden dafür bereits an Rückstellungen gebildet. 50 Mitarbeiter aus der IT-Abteilung hat die RBI jüngst abgebaut, etwa 150 weitere werden in nächster Zeit folgen.

Unangenehm sind auch die Vorwürfe der Finanzmarktaufsicht (FMA), die RBI hätte gegen die Sorgfaltspflichten zur Verhinderung der Geldwäsche verstoßen. Die Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht hat das Institut verloren und muss die Summe von rund 2,75 Millionen Euro bezahlen, wie „Die Presse“ berichtete. Es ist die bisher höchste Strafe, die jemals gegen eine Bank in Österreich verhängt wurde. Doch RBI-Vorstandschef Johann Strobl gibt sich selbstsicher: „Wir bezahlen das jetzt einmal, werden es aber später wieder zurückkriegen.“ Man werde beim Verwaltungsgerichtshof Revision einlegen.

 

Heikler Fall abgeschlossen

Den anderen kritischen Fall erklärt Strobl indes für abgeschlossen. Im März wurde bekannt, dass über die litauische Ukio Bank russisches Schwarzgeld in den Westen geflossen und unter anderen auf RBI-Konten gelandet sei. „Ich kann hier abschließend berichten, dass nach den Aktivitäten, die wir im März 2019 gesehen haben, dieser Teil für uns abgeschlossen ist“, so Strobl. Die Behörden haben keine Maßnahmen gegen die RBI ergriffen, und eine interne Prüfung hat keine Verfehlungen festgestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2019)