FPÖ-Parteigeschichte

Israelischer Historiker nennt FPÖ-Historikerbericht Alibiaktion

FPÖ-Chefideologe Andreas Mölzer, Generalsekretär Christian Hafenecker und Experte Wilhelm Brauneder bei der Präsentation des vorläufigen Historikerberichts
FPÖ-Chefideologe Andreas Mölzer, Generalsekretär Christian Hafenecker und Experte Wilhelm Brauneder bei der Präsentation des vorläufigen Historikerberichts(c) Hans Punz, APA
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"Wenn man es ernst meint, muss man gute Leute holen", sagt Moshe Zimmermann. Konkret: Eine internationale Kommission und "nicht die Leuchttürme der österreichischen Historikerzunft".

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann äußert sich kritisch zum derzeit nur als Kurzzusammenfassung vorliegenden FPÖ-Historikerbericht. Er vermisse prominente Historiker aus Deutschland und Österreich unter den Autoren, sagte er dem "Standard" am Montag. Die Hoffnung auf ein Absegnen durch einen israelischen Experten wertet er als Alibi-Idee.

"Wenn man es ernst meint, muss man gute Leute holen, denen man hinterher nicht vorwerfen kann, dass sie nicht professionell genug gearbeitet haben", sagte Zimmermann. Richtig wäre aus seiner Sicht eine internationale Kommission mit Experten für NS-Geschichte und die Nachkriegszeit zu befassen. Die genannten Namen aus Österreich bezeichnete er als "nicht die Leuchttürme der österreichischen Historikerzunft".

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Skeptisch zeigte er sich zum Wunsch der FPÖ, den Bericht von einem israelischen Wissenschafter absegnen zu lassen. Geeignete Leute gäbe es. "Ob aber ein seriöser israelischer Historiker überhaupt bereit sein wird, mit einer von der FPÖ eingesetzten Kommission zu arbeiten? Eher unwahrscheinlich.“ Zu Mordechai "Motti" Kedar, dessen Namen in diesem Zusammenhang genannt wurde, meinte Zimmermann: "Er ist so weit rechts, das er meines Erachtens in der Lage wäre, mit der FPÖ gemeinsame Sache zu machen. Das ist ja eine Tendenz in Israel, mit den Rechtspopulisten in Europa zusammenzuarbeiten, weil diese die israelische Regierung unterstützen."

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>>> Bericht im „Standard“ 

(APA)

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