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Friede bei Lauda: Keine Kündigungen

Lauda-Maschine am Flughafen Wien-Schwechat
Lauda-Maschine am Flughafen Wien-SchwechatAPA/ROLAND SCHLAGER
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Belegschaftsvertretung und Unternehmen haben zu den strittigen Arbeitszeit- und Urlaubsfragen eine Einigung erzielt. Das Drohpotenzial der irischen Mutter Ryanair bleibt aber, solange Lauda hohe Verluste schreibt.

Es wurde heftig gepokert - aber der Druck von Ryanair war auch enorm und es stand sehr viel am Spiel - nämlich Kündigungen die Schließung der Wien-Basis der österreichischen Ryanair-Tochter Lauda. Nun sind die drohenden Kündigungen von Piloten vom Tisch, auch allfällige Kampfmaßnahmen: Am Montagabend, knapp eineinhalb Tage vor der von Ryanair gesetzten Frist bis Mittwoch, haben sich Belegschaftsvertretung und Unternehmen geeinigt. 

Der Knackpunkt waren Punkte bei Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen. Beide Seiten haben letztlich nachgegeben - Ryanair bzw. Lauda hat nachgebessert, die 125 Piloten haben dem Paket am Montag in Betriebsversammlungen mehrheitlich zugestimmt. Allerdings ist ihnen auch nichts anderes übrig geblieben - zu groß war die Gefahr, dass die Ryanair ihre Drohung, eigene, billiger betriebene  Flugzeuge in Wien zu stationieren und somit mehr Effizienz zu erreichen, wahr gemacht hätte.

„Akzeptables Ergebnis" 

Lauda-Betriebsratsvorsitzender Sandro Mayer sprach am Montagabend von einem "akzeptablen Ergebnis", mit dem es gelinge, die Arbeitsplätze zu sichern. Das Unternehmen habe in zwei wesentlichen Punkten "nachgebessert" - der Frage einer einseitigen Vergabe des Urlaubs und zur sogenannten 850-Stunden-Regelung.

Einerseits hatte die Ryanair-Tochter eine Regelung angepeilt, dass nach Erreichen des gesetzlichen Höchstlimits von 900 Flugstunden im Jahr Betroffene automatisch in den Urlaub geschickt werden können. Dazu habe man sich nun "auf ein anderes wording" verständigt, sagte Mayer. Zweitens wollte das Unternehmen mindestens 850 Flugstunden im Jahr verlangen, sonst hätte eine Reduzierung der monatlichen freien Tage von zehn auf sieben gedroht. Hier sei im Sinne eines internen operations manual nachgebessert worden, mit dem Resultat einer tragbaren Lösung.

Bei Lauda, eine der wenigen in Wien operierenden Billig-Fluglinien, die seit dem Vorjahr einen Kollektivvertrag besitzt, ist der Gehalt stark an die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden gekoppelt. Die können sich die Mitarbeiter aber nicht selbst aussuchen, sie werden ihnen im Dienstplan zugeteilt.    

Betriebsrat setzt auf Pakt

Nun gehe man davon aus, dass das Unternehmen Wort halte und die im Raum stehenden 30 Kündigungen von Piloten vom Tisch seien, sagte Mayer. Der Betriebsrat habe nun die Zusicherung, den entsprechenden Zusatz zum Lauda-Kollektivvertrag zu unterfertigen; der KV-Zusatz habe den Charakter einer Betriebsvereinbarung.

Ganz dürfte das Drohpotenzial allerdings nicht vom Tisch sein. Denn die Ryanair steht angesichts des europaweit verschärften Preiskampfs und des drohenden harten Brexit selbst unter Druck. Sie erlitt im ersten Quartal ihres neuen Geschäftsjahres einen empfindlichen Gewinneinbruch. Lauda selbst hat im Vorjahr rund 140 Mio. Euro Verlust gemacht - die Lücke wurde von Ryanair mit einem Darlehen abgedeckt. Heuer erwartet man „nur“ rund 50 Mio. Euro Verlust, aber das Jahr ist noch nicht zu Ende. Allein das Match, das sich in Wien der Platzhirsch AUA mit der Billigkonkurrenz Lauda, EasyJet, Level und Wizz Air liefert, kostet Substanz. Solange Lauda so hohe Verluste schreibt, dürfte Ryanair sehr genau beobachten, wie es in Wien läuft.

Gewerkschaft fordert Branchen-KV

Die Gewerkschaft Vida, die bei Lauda für das fliegende Personal zuständig ist, nahm den Konflikt einmal mehr zum Anlass, ihre Forderung nach einem Branchen-KV zu erneuern. Dazu hat Vida-Chef Roman Hebenstreit WKO-Präsident Harald Mahrer einen Brief geschrieben. Die Gewerkschaft fordert, dazu den AUA-KV als Vorbild zu nehmen und aufzuwerten, also zu satzen, wie es im Fachjargon heißt. „Wir werden noch diese Woche einen Antrag auf Satzung einbringen“, heißt es in dem Brief. Das würde bedeuten, dass die Fluglinien, die keinen eigenen Tarifvertrag haben, dann den gesatzten KV anwenden müssten.

Die WKO befürchtet in einem solchen Fall, dass Billig-Fluglinien das nicht akzeptieren  und aus Wien wieder abwandern würden. Weshalb sich die WKO seit Jahren gegen einen Branchen-KV stemmt.         

(APA)