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Kein Geld mehr für Brasilien

Der Amazonas, die größte grüne Lunge der Erde, schrumpft so schnell wie selten zuvor..
Der Amazonas, die größte grüne Lunge der Erde, schrumpft so schnell wie selten zuvor.(c) Bruno Domingos
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Mit Deutschland und Norwegen ziehen sich die größten Financiers des Amazonas-Fonds zurück. Die Länder glauben nicht, dass Brasilien die Abholzung des Regenwaldes stoppen will.

Wien. Dem brasilianischen Regenwald gehen die Geldgeber aus. Nach Deutschland hat am gestrigen Freitag auch Norwegen beschlossen, vorerst keine Finanzhilfen mehr für den Kampf gegen die Zerstörung des Amazonas nach Brasilien zu überweisen. Die beiden Länder waren mit Abstand die größten Financiers des Amazonas-Fonds, der lokale Projekte zur Überwachung der Abholzung oder zur Aufforstung unterstützt. Norwegen allein hat in den vergangenen zehn Jahren rund eine Milliarde Euro eingezahlt. Die nächste Tranche von gut 30 Millionen Euro soll nun vorerst nicht fließen, bestätigte die Regierung in Oslo. Deutschland hatte vorher schon 35 Millionen Euro eingefroren.

Als Grund nannten die beiden Staaten das rücksichtslose Vorgehen des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Der bekennende Klimawandelskeptiker treibt seit seiner Amtsübernahme im Jänner 2019 die kommerzielle Nutzung des Regenwaldes konsequent voran. Die Folge: Der Amazonas, die größte grüne Lunge der Erde, schrumpft so schnell wie selten zuvor.

 

Reibach mit dem Regenwald

Erst kürzlich meldete das brasilianische National Institute for Space Research (INPE), dass im Juli 2019 vier Mal mehr Regenwald abgeholzt wurde als im Juli des Vorjahres. Bolsonaro leugnete die Ergebnisse in einer Pressekonferenz und feuerte den Chef des Instituts. Sein Land werde hier zum „Opfer eines feindlichen Narrativs“, rechtfertigte er den umstrittenen Schritt.

Seit den 1970er-Jahren wurden fast 800.000 Quadratkilometer des ursprünglich vier Millionen Quadratkilometer großen Amazonaswaldes gerodet, um Platz für Landwirtschaft, Bergbau und Kraftwerke zu machen. Wissenschaftler fürchten, dass bald der Punkt erreicht sein könnte, ab dem ein Wiederaufforsten des Regenwaldes unmöglich ist und sich das gesamte Amazonas-becken in eine Savanne verwandelt.

Zwischen 2004 und 2012 gelang es Brasilien, auch Dank der finanziellen Unterstützung durch den Amazonas-Fonds, die Abholzung des Regenwaldes deutlich zu verlangsamen. Doch schon in der brasilianischen Wirtschaftskrise 2014 bis 2016 wurden schärfere Umweltgesetze wieder gelockert. Spätestens seit Bolsonaro scheinen aber alle Dämme gebrochen. Auch beim Amazonas-Fonds selbst setzte der Politiker einige umstrittene Änderungen durch. So löste er etwa das Steuerungskomitee auf, das die Projekte ausgewählt hat, die mit den Mitteln des Fonds finanziert werden sollten.

Auf die Ankündigung der beiden europäischen Länder, ihre Zahlungen vorerst einstellen zu wollen, reagierte der Rechtspopulist hämisch: „Ist Norwegen nicht das Land, das Wale oben beim Nordpol tötet?“, fragte er Journalisten. Norwegen sei nicht in der Position, Brasilien Lektionen zu erteilen. „Nehmt das Geld und helft stattdessen Angela Merkel, Deutschland wieder aufzuforsten“, richtete er der Regierung in Oslo aus. Und an Deutschland gerichtet: „Brasilien braucht euer Geld nicht“. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel müsse „akzeptieren, dass dieses südamerikanische Land unter einem neuen Management steht.“ Brasilien werde „abheben, wenn wir endlich beginnen, die dort lagernden Schätze zu heben“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2019)