Rap der bösen Wiener Seele

David Öllerer alias Voodoo Jürgens.
David Öllerer alias Voodoo Jürgens.(c) beigestellt

David Öllerer, geboren 1983 in Tulln, gelernter Konditor, ist seit 2014 als Voodoo Jürgens aktiv. „Ansa Woar“ hieß sein erstes Album, das zweite wird „'s klane Glücksspiel“ heißen.

Voodoo Jürgens: „Angst haums“. Wer (wie der Autor dieser Zeilen) Voodoo Jürgens bisher verdächtigt hat, nur mit den Reizen des Vintage-Wienerischen zu kokettieren, muss spätestens bei diesem Song zugeben: Das stimmt nicht. Dieser Mann hat erstens ein feines Sprachgefühl, zweitens hört man, dass er unter der süßlichen Aggressivität, zu der das Wienerische fähig ist, echt gelitten hat. (Und wenn er das nur spielen sollte, dann spielt er es sehr gut.) Es beginnt mit einem Pfeiferl, das Beethovens „Ode an die Freude“ (oder Kurt Sowinetz' Version, „Alle Menschen san ma zwider“?) anspielt und sich arg verspielt, dann geht sie los, die Keppelkanonade. „Schlecht schaun s' aus, gnua ham s', kriagt ja kana gnua, is scho wieder guat, nix is guat, hört ja kana zua, zuag'hört g'hört eana, is ja nix mehr wahr, derf ja alles nimmer wahr sein.“ Nur zum Beispiel. Am Ende rastet das Pfeiferl völlig aus: Böser Freejazz der entern Gründ'. Groß.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.