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"Weltgeschichte": Merkel würdigt Ungarns Beitrag zum Mauerfall 1989

Die deutsche Kanzlerin bei ihrer Ansprache in der evangelischen Kirche von Sopron.
Die deutsche Kanzlerin bei ihrer Ansprache in der evangelischen Kirche von Sopron.(c) REUTERS (BPA)
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Bei einer Feier in Sopron gedenken Ungarn und Deutschland des "Paneuropäischen Picknicks" von 1989, bei dem mehr als 600 Ostdeutschen die Flucht in den Westen gelungen war. Der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ungarische Regierungschef Viktor Orbán haben sich am Montag anlässlich der ersten Massenflucht von DDR-Bürgern vor 30 Jahren in der westungarischen Grenzstadt Sopron zu einem Festakt getroffen. In der evangelischen Kirche der Stadt nahmen sie an einem ökumenischen Gottesdienst teil. Bei der Gedenkveranstaltung sagte Merkel, dass mit der Grenzöffnung damals "Weltgeschichte geschrieben" worden sei.

Am 19. August 1989 hatten mehr als 600 in Ungarn urlaubende Ostdeutsche das unter der Schirmherrschaft von Kaisersohn Otto Habsburg stehende "Paneuropäische Picknick" nahe der ungarisch-österreichischen Grenze zur Flucht in den Westen genutzt. Der erste Riss im Eisernen Vorhang, der Ost und West trennte, war der Vorbote des Falls der Berliner Mauer wenige Monate später.

Merkel hat den Ungarn für die Unterstützung bei der Öffnung der Grenzen 1989 und bei der folgenden Deutschen Einheit gedankt. Das "Paneuropäische Picknick" sei zum Symbol für die großen Freiheitsbewegungen damals geworden, sagte Merkel bei dem Festakt. "Aus dem Picknick wurde die größte Massenflucht aus der DDR seit dem Bau der Mauer 1961. Aus dem Picknick wurde ein Weltereignis", sagte Merkel.

"Sopron ist ein Beispiel dafür, wie viel wir Europäer erreichen können, wenn wir für unsere unteilbaren Werte mutig einstehen", sagte Merkel in der Evangelischen Kirche von Sopron. In Anwesenheit von Ungarns Regierungschef Viktor Orbán mahnte sie die Kompromissfähigkeit der EU-Staaten gerade in strittigen Fragen an. "Wir sollten uns stets bewusst sein, dass nationales Wohl immer auch vom europäischen Gemeinwohl abhängt." Ungarn gehört zu den EU-Ländern, die gerade in der Migrationsfrage ihre nationale Interessen unnachgiebig verteidigen.

Vorschau Paneurop�isches Picknick(c) APA

Einheit Europas für Orbán nie vollendet

Mit viel Lob für Merkel und einem Aufruf zur stetigen Arbeit am Zusammenhalt der EU würdigte Orbán seinerseits den 30. Jahrestag der ersten Massenflucht von DDR-Bürgern gen Westen. Europas Einheit sei nicht vollendet, sie müsse stets neu erschaffen werden, sagte Orbán.

Merkel genieße "die Wertschätzung der ungarischen Nation", zumal sie stets für den europäischen Zusammenhalt gearbeitet habe und immerhin bereits ihre vierte Amtsperiode als Bundeskanzlerin absolviere, sagte Orbán in einer Rede nach einem ökumenischen Gottesdienst. Die Ungarn hätten immer gewusst, dass die eigene Befreiung von den Sowjets nur durch die deutsche Wiedervereinigung gelingen könne. Daher sei der deutsche Wiedervereinigungsgedanke seinerzeit in Ungarn mehr unterstützt worden als in Deutschland.

Allerdings solle Europas Einheit nie als "vollendet" betrachtet werden. Vielmehr müsse sie "von Konflikt zu Konflikt" stets neu erschaffen werden, sagte der rechtsnationale Regierungschef mit Blick auf die deutsch-ungarischen Verstimmungen wegen der Migrationspolitik.

Nach dem Festakt trafen sich Merkel und Orbán beim Mittagessen im Rathaus der Stadt zu einem kurzen Gespräch. Später war eine gemeinsame Pressekonferenz geplant.

Aktuell schwieriges Verhältnis

Das Verhältnis der beiden Länder ist seit Jahren kühl. Deutschland kritisiert gemeinsam mit vielen anderen Staaten den staatlichen Druck auf Justiz, Medien und Wissenschaft in Ungarn. Auch die dezidierte Anti-Migrationspolitik Orbáns ruft immer wieder Kritik hervor.

Im Sommer 2015 waren Hunderttausende Migranten durch Ungarn nach Österreich und Deutschland gezogen. Die ungarische Regierung ließ daraufhin einen Zaun an der Südgrenze errichten und fährt seitdem einen kompromisslosen Kurs gegen illegale Migration.

Zu den Feierlichkeiten in Sopron waren keine Vertreter Österreichs geladen, wie das Bundeskanzleramt mitteilte. Zum Anlass des Gedenkens twitterten Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, Außenminister Alexander Schallenberg und Innenminister Wolfgang Peschorn am Montag gemeinsam: "Vor 30 Jahren markierte eine Demonstration für Frieden und Freiheit den Beginn einer demokratischen Veränderung, die Europa enger zusammen gebracht hat. (...) Aus Nachbarn sind enge Freunde geworden, und gemeinsam können wir heute die Zukunft eines geeinten Europas mitgestalten."

(APA/dpa)

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