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Nachruf: Helmuth Froschauer, Karajans Chor-Chef

Zum Tod des langjährigen künstlerischen Leiters des Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde.

Mit dem Namen Herbert von Karajans verknüpften Musikfreunde in aller Welt jenen von Helmuth Froschauer. Der langjährige Leiter des Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde war immer an der Seite des Maestro, wenn dieser ein großes Chorwerk aufführte oder für Schallplatten aufnahm. Der Singverein war Karajans bevorzugter Chor seit Beginn seiner Wiener Tätigkeit – und er war auch Fixstarter bei den geistlichen Konzerten der Salzburger Osterfestspiele seit ihrer Gründung 1967.

Die Auftritte unter Karajan in der „Missa solemnis“, der „Schöpfung“ oder – zuletzt 1989 – im Verdi-Requiem waren stets die Höhepunkte der Saison für die Sänger, die Froschauer ganz nach dem Willen des Maestro für die Auftritte, die stets auswendig gesungen wurden, präparierte. Sogar auf die Opernbühne schafften es die Laiensänger des Musikvereins bei Karajans österlichen Produktionen. In Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ oder in seinem „Parsifal“ agierte man Seite an Seite mit dem Staatsopernchor.

In jener Ära der akribischen Proben- und Einstudierungsarbeit errang der Name des Chordirektors Froschauer den höchsten Bekanntheitsgrad.

 

Es begann mit den Sängerknaben

Die Position als Singvereins-Chef hatte sich der gebürtige Wiener von der Pike auf erarbeitet. Mehr als ein Jahrzehnt lang führte Froschauer einen der Chöre der Wiener Sängerknaben – und nahm mit den Buben und den Wiener Symphonikern in seiner Eigenschaft als Filmproduzent auch etliche Musikfilme auf. Es konnte nicht ausbleiben, dass Helmuth Froschauer auch selbst ans Dirigentenpult gebeten wurde.

Das Handwerkszeug dazu hatte er sich erarbeitet, bei unzähligen Auftritten mit den Sängerknaben und der aus Philharmonikern gebildeten Hofmusikkapelle im Rahmen der Gottesdienste in der Hofburg.

Bald legte man dann auch Konzerte mit „seinem“ Chor – oft mit ungewöhnlichem Repertoire – in seine Hände. Zunächst in Wien, zuletzt bei jenem Ensemble, dem Froschauer sich nach seinem Abgang aus Wien zuwandte: Ab 1992 arbeitete er mit dem Chor des Westdeutschen Rundfunks, ab 1997 war er auch Chefdirigent des WDR-Orchesters, das ihn bei seinem Ausscheiden 2003 zum Ehrendirigenten ernannte.

Am 18. August ist Helmuth Froschauer unerwartet 85-jährig gestorben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2019)