Führungsfehler

Schöne neue Arbeitswelt, Teil 2, oder: Wie die Abteilung ihren Besprechungsraum verlor

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Kolumne. Noch eine Geschichte aus dem Open Space Büro. Dies ist der zweite von zwei Erlebnisberichten.

Wie der Abteilungsleiter der letztwöchigen Geschichte hatte auch dieser sein Büro dem Open Space Konzept opfern müssen. Und, wie vom Big Boss gefordert, auch seinen fixen Schreibtisch. Jeden Morgen musste er sich nun einen neuen suchen. Er war kein Frühaufsteher, die besten Tische waren immer schon besetzt. Er musste nehmen, was noch da war.

Bis er dahinter kam, dass der Zweier-Besprechungsraum äußerst komfortabel war. Alles war da: ein Tisch, zwei gepolsterte Sessel (die im Open Space waren hart), ein Telefon. Was will man mehr?

Jeden Morgen nistete er sich jetzt im Besprechungsraum ein. Telefonierte zuerst, um seine Berechtigung für den Raum zu belegen, und empfing dann Mitarbeiter zum vorgeblich vertraulichen Gespräch. Tippte ein wenig am Laptop, telefonierte, meetete. Hier gefiel es ihm. Hier blieb er. Wagte es jemand, den Raum für eine Besprechung zu beanspruchen, verjagte er ihn mit Verweis auf dringliche Telefonate.

Die Mitarbeiter gewöhnten sich daran, dass der Chef irgendwann seine Familienfotos dort aufstellte. Dies war sein Platz.      

So kam es, dass die Abteilung ihren Besprechungsraum verlor.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen und Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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