Die Loggia hebt die Schädeldecke

Elisabeth Schack
Elisabeth SchackDaniel Novotny
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Ein Platz zum Durchlüften des Kopfes soll die Loggia auf dem Dach des Congress Centrums sein, zur Interaktion oder einfach zum Entspannen nach den Panels.

Manch einer vermisst am heurigen Forum Alpbach das Bällebad am Dach des Congress Centrums. Das Grundgerüst, also das pavillonähnliche Häuschen, steht aber noch. Und hat diesmal eine ganz neue Funktion.

„Die Loggia ist ein magischer Ort direkt über dem Elisabeth-Herz-Kremenak-Saal“, sagt Elisabeth Schack. Sie leitet den Bereich Kunst und Kultur in Alpbach und wird ihren Dresscode heute, Mittwoch, an Ruth Beckermann anpassen. Die Dokumentarfilmerin habe nämlich angekündigt, dunkel gekleidet zum Gespräch zu kommen. „Da will ich mit meiner sonst bunten Kleidung, wie dem rosa gestreiften Rock, nicht herausstechen“, ergänzt Schack.

Ihren Namen hat die Loggia, weil sie „von jeder Seite einen Ausblick, einen Weitblick in die Ferne erlaubt. Fenster und Vorhänge würden hier stören.“ Es sei wie ein Forum mit Stufen, sagt Schack, „und vor allem ein Treffpunkt für Diskussionen, zum Verarbeiten von Impulsen und um sich gegenseitig zu inspirieren.“ Die Loggia ist Tag und Nacht zugänglich, im vergangenen Jahr wurden dort sogar Partys gefeiert. Denn in der Nacht ist das kleine Häuschen schön beleuchtet. Die Stufen sind heuer neu, der Designer ist aber derselbe wie im Vorjahr: Architekt David Calas. Umgebaut hat die Konstruktion ein Lehrling der Tiroler Fachberufsschule für Holztechnik.

Ein Ort für alle

Warum es das Bällebad nicht mehr gibt, obwohl es im Vorjahr so gut angekommen ist? „Das Bällebad war ein einmaliges Kunstprojekt, so wie es die Baustelle Conditio Humana heuer ist“, erklärt Schack. Besonders freut es sie, dass die Loggia von den Alpbacher Kindern zum Spielen genauso genutzt wird wie von hochrangigen Vortragenden wie Joseph Stiglitz für Kamingespräche.

Morgens durchleuchtet die aufgehende Sonne die Loggia, abends lässt sich der Sonnenuntergang von dort beobachten. Mit einem strahlenden Lächeln erzählt Elisabeth Schack davon, wie wichtig die Loggia bereits für die Identität des Forums geworden ist. „Sie gehört fast zum Inventar. Einige Besucher und Alpbacher haben mich schon gefragt, warum wir die Loggia denn nicht das ganze Jahr über stehen lassen können.“ Den Winter würde Holzkonstruktion nicht überstehen – sie ist zu fragil.

Während des straffen Programms beim Forum hält es Schack für wichtig, dass sich die Besucher zwischendurch auch Zeit für sich nehmen – auch deshalb gibt es die Loggia, die zum „Art Non Stop“-Programm zählt, das Schack kuratiert.

Die Kulturmanagerin nimmt heuer zum dritten Mal am Forum teil, den kreativen Programmteil organisiert sie zum zweiten Mal. Seit vielen Jahren ist sie außerdem als Dramaturgin tätig. Die vergangenen 13 Jahre gestaltete sie unter anderem gesellschaftspolitisches Programm für die Wiener Festwochen. Dort arbeitete sie sowohl mit den Intendanten Luc Bondy und Markus Hinterhäuser zusammen als auch mit den Schauspieldirektorinnen Frie Leysen, Marina Davydova und Stefanie Carp. Bis 2016 war Schack inhaltlich hauptsächlich für das Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus zuständig.

Fokus Begegnungen

Seit 2018 gestaltet Elisabeth Schack das Kulturprogramm für das Forum Alpbach. Es ist jedes Jahr fixer Bestandteil und aus einer intensiven, zeitgenössischen Beschäftigung mit dem jährlichen Generalthema entstanden. Schack legt besonderen Wert auf den Faktor Begegnungen, wie sich beim Loggia-Projekt zeigt. Das Bällebad diente ja ebenfalls dazu, sich auszutauschen. Und weil es möglichst keine Barrieren bei diesen Begegnungen geben soll, sind sämtliche Performances, Ausstellungen Konzerte, Lesungen und theatrale Interventionen beim Forum Alpbach kostenlos zugänglich.

Weiteres Loggia-Programm

Grundsätzlich ist die Loggia rund um die Uhr ein Ort zum Verweilen. Und sie wird bespielt. Morgen, Donnerstag, lädt „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak im Rahmen der Technologiegespräche zum Gespräch ein: Ab 11.30 Uhr unterhalten sich Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, und Sarah Spiekermann-Hoff, Wirtschaftsinformatikerin und Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2019)


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