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Die Krux mit den E-Scootern

A young woman rides an e-scooter through a pedestrian area in Frankfurt
REUTERS
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Sie sind zu schnell, zu instabil und viele kennen die Regeln nicht. Ein Experte fordert ein 15 km/h-Limit für E-Scooter, das Kuratorium für Verkehrssicherheit will aufklären - und rechnet heuer mit 1000 Verletzten.

Lime, Byke, Hive, Circ, Tier, Bird und seit kurzem auch Kiwi - mehr als 7000 E-Scooter von sieben Verleihfirmen rollen derzeit durch Wien. Und sie werden mehr: Im Herbst soll ein weiterer Anbieter starten. Dazu kommen zahlreiche E-Scooter im Privatbesitz.

Trotz der wachsenden Zahl sorgen die Roller weiter für Kontroversen. Ein Verkehrsexperte kritisiert die Fahrzeuge als viel zu schnell und gefährlich. Eine Analyse des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) ergab, dass es auch bei den Regeln großen Aufklärungsbedarf gibt. So ist etwa jeder vierte E-Scooter-Fahrer verbotenerweise am Gehsteig unterwegs.

Bremsweg von fünf Autolängen

Vor allem der lange Bremsweg der Scooter führe dem Unfallforscher Ernst Pfleger zufolge zu gefährlichen Situationen. Eine Vollbremsung mit den maixmal erlaubten 25 km/h ergebe einen Bremsweg von bis zu fünf Pkw-Längen. Diese Höchstgeschwindigkeit sei vergleichbar mit einem Auto, dass in der Stadt 80 km/h fahre, sagt Pfleger zum „Kurier“, der Versuchsreihen mit Modellen der heimischen Anbieter durchgeführt hat. Pfleger fordert deshalb eine Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h.

Die Analyse des KFV, das von Juni bis August in Wien mehr als 1500 E-Scooter-Fahrer beobachtete, zeigte jedoch, dass die Fahrer im Schnitt nur mit 15,1 km/h unterwegs sind. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug im Rahmen der Beobachtungen 31 km/h, berichtete das KFV am Mittwoch.

Für die elektrischen Tretroller gelten seit 1. Juni diesen Jahres dieselben Regeln wie für Fahrräder. Diese werden jedoch nicht oft eingehalten. So zegite etwa ein Prozent der Fahrer laut KFV das geplante Abbiegen ordnungsgemäß an. Dies sei Pfleger zufolge jedoch gar nicht so einfach, da man durch die kleinen Räder relativ instabil sei.

Oft auf Gehsteig unterwegs

Ebenfalls gesetzwidrig: 23 Prozent der beobachteten Fahrer nutzten verbotenerweise den Gehsteig - und das, obwohl bei den beobachteten Situationen auch ein Radweg und eine Fahrbahn für den Mischverkehr und einem Gehsteig vorhanden war. 73 Prozent wählten den Radweg.

„Jeder fünfte glaubt, dass die Nutzung des Gehsteigs mit dem E-Scooter erlaubt ist. Hier ist noch viel Bewusstseinsbildung zu leisten", sagte Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV. Was sich im Rahmen der Beobachtungen ebenfalls zeigte: Bei drei Prozent aller beobachteten Fahrten waren zwei Personen gemeinsam auf einem E-Scooter unterwegs - was strikt verboten ist.

Die Helmtragequote lag lediglich bei drei Prozent, wobei Nutzer von privaten E-Scootern wesentlich häufiger einen Helm trugen (zehn Prozent) als Nutzer von Leih-E-Scootern (zwei Prozent).

Die Gefährlichkeit, die der Unfallforscher Pfleger kritisierte, bestätigt auch das KFV: „Wir rechnen damit, dass sich allein in diesem Jahr mehr als 1000 E-Scooter Fahrer auf Österreichs Straßen verletzen", erläuterte Robatsch. Es sei deswegen noch viel Informationsbedarf gegeben und Bewusstseinsbildung erforderlich.

Konflikte mit Fußgängern häufig

Bei der Befragung unter mehr als 500 E-Scooter Nutzern (200 an Ort und Stelle in Wien, 300 online) gaben 14 Prozent der Teilnehmer an, dass sie bereits einen Konflikt mit einem anderen Verkehrsteilnehmer - besonders häufig mit Fußgängern oder Radfahrern - hatten. 17 Prozent der befragten E-Scooter Nutzer haben bereits eine Situation erlebt, in der ihr E-Scooter - etwa aufgrund von Nässe, Unerfahrenheit oder der Geschwindigkeit - nicht mehr kontrollierbar war. Und: Zwei Drittel der E-Scooter Nutzer würden zudem befürworten, dass E-Scooter nur auf gekennzeichneten Abstellflächen bzw. Fahrradabstellanlagen abgestellt werden dürfen.

Rund 25.000 E-Scooter wurden nach Angaben des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) im Jahr 2018 verkauft, für 2019 wird mit rund 30.000 verkauften E-Scootern gerechnet. Dass das Potenzial von E-Scootern groß ist, zeigen die Ergebnisse der des KFV: Knapp die Hälfte der befragten Personen, die bisher noch keinen E-Scooter nutzen, sind an der Nutzung von E-Scootern interessiert.

 

(twi/APA)