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Brasiliens Präsident beschuldigt Umweltschützer hinter beispiellosen Waldbränden zu stecken

Auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus
Auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer ausREUTERS
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In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Präsident Bolsonaro glaubt, die Ursache zu kennen: Umweltschützer. Die sehen das anders: Die brutalen Rodungen der Amazonas-Wälder seien der Grund.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Und nach Darstellung der brasilianischen Regierung könnten Umweltschützer hinter den Feuern in der Amazonasregion stecken. "Wir nehmen den Nichtregierungsorganisationen ihre Zuschüsse, wir haben die Überweisungen der Regierungsstellen eingestellt. Jetzt fehlt ihnen das Geld", sagte Präsident Jair Bolsonaro am Mittwoch. "Es kann also sein, dass diese Organisationen gegen mich persönlich und die brasilianische Regierung vorgehen. Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden", meinte er. Beweise für seine Behauptungen legte er nicht vor.

Umweltschutzverbände wiesen die Vorwürfe zurück. "Diese Behauptung des Präsidenten ist unverantwortlich", sagte der Präsident des Instituts für Umweltschutz (Proam), Carlos Bocuhy, dem Nachrichtenportal G1. "Es macht überhaupt keinen Sinn, zu behaupten, wir hätten das Feuer gelegt. Das ist absurd.“ Ein WWF-Experte sah hingegen die harte Linie des ultrachten Staatschefs Bolsonaro bei der Abholzung für die beispiellosen Brände verantwortlich: Die Zunahme sei eine Folge des "Anstiegs bei der Abholzung, die wir in jüngsten Statistiken sehen konnten", sagte Ricardo Mello. 

Seit Jänner nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, teilte das staatliche brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE mit. Insgesamt wurden heuer demnach 72.843 Brände registriert. Im gesamten Jahr 2018 waren es 39.759. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus. Die Zahl der bisher in diesem Jahr gezählten Waldbrände in Brasilien ist die höchste seit 2013.

Bolsonaro leugnet den Klimawandel

Aus dem jüngsten INPE-Bericht geht hervor, dass sich die Waldbrände in den Bundesstaaten am Amazonas konzentrieren. Erst vor wenigen Wochen hatte das INPE Zahlen vorgelegt, wonach sich die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien zuletzt rasant beschleunigt hat. Allein im Juli wurde in Brasilien demnach vier Mal so viel Wald abgeholzt wie im gleichen Monat des Vorjahres. Als Reaktion auf die verstärkte Rodung legten Deutschland und Norwegen die millionenschwere Förderung für Waldschutz- und Biodiversitätsprojekte in dem südamerikanischen Land auf Eis.

Bolsonaro hatte die Zahlen zur Abholzung als Lügen bezeichnet und den INPE-Direktor gefeuert. Der brasilianische Präsident zweifelt den menschengemachten Klimawandel an und ist ein Freund der Agrarindustrie. Umweltschützer werfen ihm vor, mit seinen Aussagen gegen den Umweltschutz Holzfäller, Bergleute und Bauern zum Raubbau am Amazonaswald zu ermutigen. In einer gemeinsamen Mitteilung in der Nacht zu Montag (Ortstzeit) kritisierten die Regionalregierungen von neun Bundesstaaten die "illegale wirtschaftliche Betätigung" in der Amazonasregion und kündigten an, künftig direkt mit den Geberländern des Amazonas-Fonds verhandeln zu wollen.

(APA/dpa)