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Intersexuelle Frauen aus Leichtathletik vertrieben?

Caster Semenya
(c) REUTERS (Dominic Ebenbichler)
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Ein Sportwissenschaftler erhebt schwere Vorwürfe gegen das IOC und den Leichtathletik-Weltverband. Sie sollen acht intersexuelle Athletinnen in einer Geheimaktion aus dem Leistungssport getrieben haben.

Wie ein führender Sportwissenschafter in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erklärt hat, seien in der Vergangenheit acht weibliche Athletinnen, bei denen Zweifel über ihr Geschlecht bestand, im Geheimen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Leichtathletik-Weltverband (IAAF) vom Sport ausgeschlossen worden, um dessen Image nicht zu schaden. Laut dem Südafrikaner Tim Noakes sei IAAF und IOC mehr daran gelegen gewesen, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren, als sich darum zu kümmern, was die körperlichen Vorteile im Wettbewerb wären.

Das Interview mit Noakes ist eine Reaktion auf die Causa Caster Semenya, die immer noch auf die Untersuchungsergebnisse der IAAF wartet. Die 800-Meter-Läuferin aus Südafrika darf seit ihrem Weltmeisterschafts-Sieg im August 2009 in Berlin nicht an Wettkämpfen teilnehmen, ehe ihr Geschlecht nicht eindeutig geklärt ist.

"Acht intersexuelle Frauen sind in der Vergangenheit möglicherweise aus der Leichtathletik vertrieben worden, und ich vermute, dass sie gewarnt worden sind, dass sie, wenn sie Wirbel deshalb machen, bloßgestellt werden", erläuterte Noakes. "Es scheint also, es geht nicht um den sportlichen Vorteil, es geht darum, die Olympischen Spiele frei von intersexuellen Athleten, frei von ungewollten Komplikationen zu halten." Die Botschaft, die er erkenne, sei, dass Frauen tun müssen, was Männer sagen, und wenn die acht früheren Athletinnen deshalb "geopfert" werden mussten, so finde er dies sehr beunruhigend.

Südafrikanischer Verband: "Geschwätz"

Noakes ist Mitbegründer der Olympischen Akademie der Wissenschaften des IOC und des Instituts für Sportwissenschaften in Kapstadt. Er war von den Behörden in Südafrika zum Fall Semenya um seine Einschätzung gebeten worden. Die Namen der acht Athletinnen wollte er nicht nennen, auch machte er keine Angaben darüber, wann die Sperren ausgesprochen wurden bzw. ob es sich um internationale Athletinnen gehandelt habe. Die IAAF wurde mit den Aussagen Noakes konfrontiert, wollte sie vorerst aber nicht kommentieren. Vonseiten des IOC gibt es ebenfalls noch keine Stellungnahme. Der südafrikanische Leichtathlet-Verband sprach von "Geschwätz".

Über Semenya meinte Noakes, dass man ihr erlauben sollte, an Bewerben teilzunehmen, man dürfe intersexuelle Athleten nicht ausschließen. "Dein Geschlecht ist das, mit dem du geboren bist. Caster läuft weder so schnell wie ein Mann, noch läuft sie so schnell wie manch andere Frau. Wenn sie 1:41 laufen würde, dann hätten wir ein Problem." Semenya gewann das WM-Finale in 1:55,45.

Noakes sagte, dass es keinen einzigen Test gäbe, der zeigt, ob man mehr männlich oder mehr weiblich sei. "Die äußeren Untersuchung scheinen zu zeigen, dass sie weiblich ist. Und obwohl ihr Testosteronspiegel wohl erhöht ist, so kann er immer noch im normalen Bereich für eine Frau sein. Und man kann leicht erkennen, ob das Testosteron aus einer unnatürlichen Quelle stammt. Solche Athleten zu zwingen, sich einer hormonellen Behandlung zu unterziehen, um wettbewerbsfähig zu sein, ist meiner Meinung nach falsch." Er glaube nicht, dass die fünf Fälle vor Semenya mit Respekt behandelt wurden.

"Im Sport sind einige genetische Variationen erlaubt, die eindeutig einen Leistungsvorteil unterstützen. Zum Beispiel würde ich behaupten, dass Usain Bolt genetisch anders ist. Wenn diese genetischen Varianten mit dem Geschlecht verknüpft sind, dann soll es so sein", sagte Noakes.

(Ag./Red.)