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Anleitung zum sporenfreien Wohnen

Immer luftdichtere Häuser und Wasserschäden begünstigen die Bildung von Schimmel.
Immer luftdichtere Häuser und Wasserschäden begünstigen die Bildung von Schimmel.(c) imago/McPHOTO (Photographer: Markus Gann)

Schimmelbekämpfung. Immer luftdichtere Häuser und Wasserschäden begünstigen die Bildung – mit einem korrekten Wohnverhalten und den richtigen Sanierungsmaßnahmen lässt sich die Problematik nachhaltig lösen.

Schimmel ist hässlich, muffig und ungesund – eine europaweite Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik zu Feuchtigkeit und Schimmel 2017 zeigte klare Zusammenhänge zwischen Hausschimmel und Atemwegserkrankungen: So liegt die Wahrscheinlichkeit, an Asthma zu erkranken, um 40 Prozent höher, wenn man in einer von Schimmelpilzen befallenen Wohnung lebt. Problematisch sind nicht nur die Sporen, sondern auch Bestandteile wie etwa Mykotoxine, die mobil sind und durch Fugen und Ritzen hindurchwandern. Gleichzeitig belegt die Fraunhofer-Untersuchung, dass Hausschimmel weit häufiger vorkommt, als bisher angenommen. Was tun?

Früher wurde bei der Trocknung von Schimmelschäden Luft in den Boden hineinpumpt, wodurch man Unmengen an Schimmelbestandteilen mobilisierte. „Heutzutage wird für gewöhnlich eine Feinreinigung durchgeführt, um die Schimmelbestandteile aus dem System herauszubekommen“, begrüßt Peter Tappler, Schimmelsachverständiger bei der IBO Innenraumanalytik OG und Präsident des Bundesverbandes für Schimmelsanierung und technische Bauteiltrocknung, die neue Methode. Der Bundesverband für Schimmelsanierung hat zu dieser Kursänderung beigetragen – mit Schimmelleitfaden und Schulungen, um Standards bei der Schimmelsanierung zu schaffen.

 

Dämmen statt isolieren

Denn am besten ist es immer noch, Schimmel gar nicht entstehen zu lassen. Die meisten Fälle passieren entweder durch Wasserschäden, „jährlich rund 105.000 in den österreichischen Haushalten“, weiß Martin Zagler, Geschäftsführer des Sanierungsunternehmens Soluto, und/oder aufgrund der immer luftdichteren Räume: Feuchtigkeit kann nicht entweichen und kondensiert an Wand und Decke. Die durchlässigen Ziegelmauern der Gründerzeithäuser weisen meist geringe Schimmelbildung auf. Problematisch sind Häuser in der Bauweise der 1950er- und 1960er-Jahre, die nachträglich isoliert und gedämmt werden, um Wohnkomfort zu bieten.

Und auch die moderne Leichtbauweise lässt die Zahl der Schimmelsanierungsfälle in die Höhe schnellen. „Zehn bis 20 Prozent aller Neubauten, die so eine Bauweise aufweisen, sind innen schimmlig, ohne dass es die Bewohner bemerken“, sagt Zagler. „Ereignet sich nachträglich ein Wasserschaden, kann sich das Wasser extrem weit ausbreiten, und man hat vor allem an Gipskartonplatten innerhalb von wenigen Tagen großflächig Schimmel.“ Hier ist schnelles Handeln angesagt – bei nachträglicher thermischer Sanierung ist dabei Überlegen sinnvoll. Denn „leider wird zwischen Isolierung und Wärmedämmung selten unterschieden“, erklärt Tappler die Problematik. „Eine Wärmedämmung verringert Schimmelbildung, weil sie die Wandtemperatur innen erhöht und damit die Kondensation hintanstellt.“ Isolierung bewirkt das Gegenteil – die Räume werden feuchter und das Risiko der Schimmelbildung steigt.

 

Lüften und Lüftungsanlagen

„Aus energetischen Gründen ist die Isolierung natürlich sinnvoll, weil wir sonst extreme Heizkosten hätten“, betont der Experte. „Aber der Raumbenutzer muss dementsprechend sein Wohnverhalten anpassen und regelmäßig lüften.“ Leichter gesagt als getan. „Im Winter kann man gar nicht so viel über Fenster lüften, um die von einer vierköpfigen Familie produzierte Luftfeuchtigkeit auszugleichen.“

Optimal wäre die Kombination aus Isolierung, Dämmung und Lüftungsanlage: „etwa ein feuchtigkeitsgeregelter Abluftventilator im Badezimmer, der sich automatisch aktiviert, wenn die Raumfeuchtigkeit einen gewissen Wert erreicht“. Die Schimmelbildung beginnt ab einer Luftfeuchte von 80 Prozent. Man muss also nicht gleich eine große, teure Entlüftungsanlage einbauen, um die Schimmelgefährdung zu reduzieren, sondern es genügt ein kleiner Abluftventilator mit Hygrostat (Feuchtigkeitssteuerung), für den man mit ein paar Hundert Euro rechnen muss. Komfortlüftungen sind die beste Lösung, jedoch mit rund 5000 bis 10.000 Euro deutlich kostspieliger. „In einem Vierpersonenhaushalt werden täglich bis zu zehn Liter Wasser als Wasserdampf an die Raumluft abgegeben“, sagt etwa „Der Entfeuchter“, ein vom Bundesverband für Schimmelbekämpfung zertifizierter Betrieb zur Wasserschadensanierung aus Feldkirchen bei Graz. Wer Hilfe sucht: Rund ein Dutzend Sanierungsbetriebe weisen österreichweit das Qualitätssiegel auf.

Was Sie beachten sollten bei der Schimmelbekämpfung.

Tipp 1

Wandverputz checken. Offenporige Innenputzmaterialien verhindern, dass die Wand auskühlt – Voraussetzung für Schimmel. Besonders geeignet sind sie, wenn es nicht möglich ist, Häuser außen zu dämmen, wie etwa bei manchen historischen Gebäuden. Auch Kalk und Silikat-Platten verhindern, dass Innenwände auskühlen. Alkalischer Wandputz hat Vorrang.

Tipp 2

Lernen und lüften. Stoßlüften ist hilfreich, aber nicht immer: Denn je wärmer die Luft, umso mehr Feuchtigkeit enthält sie – den kalten Keller im heißen Sommer zu lüften führt zu mehr Kondensationswasser an den Wänden und folglich zur Schimmelbildung. Räume im Sommer morgens und abends oder über Nacht bei möglichst kühler Luft lüften.

Tipp 3

Riechen und reinigen. Riecht es anhaltend modrig, sollte Schimmel hinter Schränken u. ä. in Betracht gezogen werden. Für sichtbare Flecken gilt: Ist der Befall oberflächlich und kleiner als ein DIN-A4-Blatt, braucht es keine Fachkraft. Achtung: Anti-Schimmel-Mittel können ebenfalls gesundheitsschädlich sein. Befallene Fugen in Nassräumen austauschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2019)