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Sind Sie schon dabei, beim Jö-Bonus-Club? Die Karte, die Ihr Kaufverhalten analysiert.
Sind Sie schon dabei, beim Jö-Bonus-Club? Die Karte, die Ihr Kaufverhalten analysiert.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Vieles bezahlen wir mittlerweile mit unseren Daten. Oder glauben Sie, dass Google-Mail wirklich kostenlos ist? Im echten Leben hält das nun auch in Österreich im großen Stil Einzug. Der Name: Die Jö-Karte.

Na, sammeln Sie auch schon fleißig Ös? Sie wissen noch nicht, was das ist. Kaum zu glauben. Das ist die Ablöse der Billa-, Bipa- oder Merkur-Card. Mit der Jö-Karte kann man bei jedem Einkauf Punkte namens Ö sammeln. Und das nicht nur bei Billa, Bipa oder Merkur, sondern auch bei OMV-Tankstellen, Pagro, Zgonc, Libro, Interio oder bei der Bawag (Was kauft man dort ein?). Die Ös kann man dann gegen Angebote oder Rabatte einlösen.

Aber wehe, Sie gehen zu DM oder zum Spar, da gibt's nichts. Gut, beim Spar bekommt man ein Pickerl für die Sammelkarte aus Papier. Wie altmodisch und anonym. Die Jö-Karte hilft da nichts. Logisch, denn dann wissen die Betreiber der Karte auch nicht, was Sie dort so einkaufen.

Ganz ehrlich, es reicht. Wir zahlen schon eine ganze Menge mit unseren Daten, vor allem im Internet. Facebook, Instagram, WhatsApp oder Google geben uns kostenlose Dienste im Gegenzug zu unseren Nutzungsdaten, die dann meist noch im großen Stil an Dritte verscherbelt werden, wie Facebook es getan hat. Muss das im echten Leben auch noch sein?

Eine gute Freundin hat mir erklärt, dass sie auf die Jö-Karte vor allem deshalb verzichte, weil sie dann entspannt bei der Konkurrenz einkaufen könne. Sie braucht nicht mehr vor dem Einkaufen in das mit Kundenkarten vollgestopfte Geldbörsel schauen, wo sie nun einkaufen gehen soll. Es ist ihr also egal, ob sie sich ihr Make-up beim Bipa oder beim DM besorgt. Recht hat sie.

Unlängst kam auch eine Meldung über die Agentur, in der sich Lieferanten der Jö-Club-Händler beschwerten, dass sie in dieses Bonusprogramm gedrängt würden. Die Kundendaten wären für sie wertlos. Auch klar. Was interessiert einen Wursthersteller, welchen Treibstoff ein Kunde tankt. Oder welchen Mehrwert hat es für einen Getränkelieferanten, welches Papier ein Kunde bei Pagro oder welchen Rasenmäher er bei Zgonc kauft. Ok. Vielleicht trinken Männer, die einen Honda anschaffen, eher Puntigamer und Husqvarna-Käufer lieber Gösser.

manuel.reinartz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2019)