Raphael Wurm, Sophie Rendl und ihr Team wollen mit ihrem „Festival of Radical and Awesome New Stuff“ dabei helfen, längerfristig Ideen umzusetzen.
Radikal und toll soll das Festival sein, das am 28. August im Rahmen des Forums Alpbach stattfinden wird. Radikal, weil es sich von den anderen Formaten unterscheidet – was genau passieren wird, ist offen und hängt von den Teilnehmern ab. „Frans“, das ist kurz für „Festival of Radical and Awesome New Stuff“.
Raphael Wurm und Sophie Rendl sind zwei der sieben Vorstandsmitglieder des Forums Alpbach Network (FAN) Board, das von den zugehörigen 36 Alpbach-Clubs für drei Jahre gewählt wird. Vor einem Jahr haben sie begonnen, das „Frans“ zu planen. Der 30-jährige Raphael Wurm ist eigentlich Assistenzarzt und fokussiert sich in der Forschung auf Demenz. Die 28-jährige Sophie Rendl arbeitet als Juristin für den Europäischen Fonds für Regionalentwicklung.
In den vergangenen Jahren haben sie es sich als FAN Board zur Aufgabe gemacht, mittels Fundraising Stipendien für das Forum Alpbach zu ermöglichen. Und sie geben inhaltliche Inputs bei selbst organisierten Veranstaltungen. Das Team, bestehend aus drei Frauen und vier Männern, ist bunt gemischt und arbeitet ehrenamtlich für das FAN Board: Kollegin Lisa Platter ist als Klima- und Energiesprecherin tätig, Lisa Sonnberger als Goldschmiedin und Kunsthistorikerin. Zu den männlichen Vorstandsmitgliedern zählen Florian Altendorfer, der als Sales Manager arbeitet, Benjamin Monsorno ist Innovations- und Marketingmanager, Jose Magnaye Jurist.
„Oft fehlt das Ventil“
„Die Stipendiaten und Teilnehmer hier teilen ein hohes Niveau an Motivation“, sagt Raphael Wurm. Und ebendiesem möchten sie mit dem „Frans“ eine längerfristige Perspektive mit ihren Ideen ermöglichen. Generell hat es sich das FAN Board zur Aufgabe gemacht, den internationalen Dialog zwischen jungen Menschen zu fördern.
Das passe besonders gut zum Spirit des Forums Alpbach, meinen sie. „Die Ideen sind oft schon da, aber es fehlt das richtige Ventil, um sie umzusetzen“, sagt Sophie Rendl. Es wäre eine „Verschwendung, das vorhandene Potenzial nicht zu nutzen“. Durch die Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien sollen Teilnehmer der Wirtschaftsgespräche angelockt werden, grundsätzlich ist aber jeder zum Ideenaustausch beim Festival willkommen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, der Platz in der Hauptschule ist offen.
Bei den sogenannten „open stages“ pitchen die Teilnehmer ab 10 Uhr ihre Ideen und bekommen unmittelbar Feedback. Sechs Projekte schaffen es auf die „huge stages“, wo sie abends ab 18.15 Uhr anderen Forumsteilnehmern im Congress Centrum vorgestellt werden. Für Speis' und Trank ist gesorgt. „Der Nachhaltigkeit zuliebe haben wir uns für vegetarisches Mittagessen beim Festival entschieden”, sagt Rendl, die sich selbst vegetarisch ernährt. „Und auch als Ausgleich zu der großen Speckmenge hier in Alpbach”, ergänzt Wurm und lacht.
„Unsere Business Angels nennen wir Frangels“, so Rendl, „darunter sind zum Beispiel Projektmanager und Berater.“ Die „Frangels“ hören bei den Pitches zu und nehmen sich ihrer Lieblingsidee an. Sie stellen dann ein Netzwerk zur Verfügung und begleiten die Ideen-Urheber ehrenamtlich als Mentor.
Workshops in Alpbach
Im Rahmen des „Frans“ finden drei Workshops statt, die Rendl und Wurm gemeinsam mit ihrem Team organisiert haben. „Unsere Workshops sind anders als die anderen Formate hier, passen aber gut in den Alpbach-Kontext“, sagen die zwei. Carla Apschner, die sonst Yoga unterrichtet, fokussiert sich auf „Body neutrality”, also Körperbewusstsein. Beim „Frans“ übt sie die positive Einstellung mit den Teilnehmern, sodass sie ihre Idee weiterverfolgen können, selbst, wenn sie dafür kritisiert werden – der Workshop heißt „Yoga in the morning and fuck perfection in the evening“.
Theofil Shikov, CEO von Out2Bound, erklärt den Teilnehmern, wie man am besten ein Start-up gründet und welches „Mindset“ dafür benötigt wird. Und Goran Maric, CEO von Three Coins, will mit dem Workshop namens „Unfucking Systems“ die Finanzkompetenzen der jungen Leute trainieren. Dazu gehört zum einen, ein Ziel zu definieren, und zum anderen, dieses mittels Kennzahlen für „Social Businesses“ zu messen.
Zur Veranstaltung
Start-up. Das „Festival of Radical and Awesome New Stuff“ am Mittwoch, 28. August soll jungen Menschen helfen, ihre Ideen in die Realität umzusetzen. Ab 10 Uhr können sie in der Alpbacher Hauptschule ihre Ideen pitchen, sechs ausgewählte Projekte werden ab 18.15 Uhr im Congress Centrum einem größeren Publikum vorgestellt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2019)