Nicht alle Marken der DDR schafften den Sprung in den Westen
Unternehmen, die als "Volkseigene Betriebe" im Staatseigentum der ehemaligen DDR standen, haben den Mauerfall und den Kulturwandel mit unterschiedlichem Erfolg überlebt.
Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im Staatseigentum wurden in der ehemaligen DDR Volkseigene Betriebe genannt (VEB). Nach 1972 stieg der Anteil der staatlichen Betriebe im industriellen Sektor auf über 99 Prozent. Die Abkürzung VEB wurde für die neu verstaatlichten Firmen spöttisch als „Vaters ehemaliger Betrieb“ interpretiert. Viele von ihnen wurden nach dem Mauerfall wieder erfolgreich privatisiert, wir zeigen eine Auswahl.
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1920 wurde das heutige Unternehmen Multicar als ADE-Werke vom Unternehmer Arthur Ade gegründet. Exportschlager der VEB Fahrzeugwerke Waltershausen war das Modell M 25. Etwa 70 Prozent der Fahrzeuge gingen in die Staaten des damaligen Comecon und ins westliche Ausland. 100.000 Stück wurden davon produziert. 2005 wurde das Unternehmen mit den Hako-Werken verschmolzen und die Firma aufgelöst. Multicar ist inzwischen die einzige noch existierende Kraftfahrzeugmarke aus der ehemaligen DDR.
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Im Jena gab es das VEB Jenaer Glaswerk, das später in das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena integriert wurde. Im westlichen Mainz wurde als zweiter Teil des Unternehmens das Jenaer Glaswerk Schott & Gen geführt. Die intensive Kooperation zwischen den beiden Werken wurde 1953 durch die DDR beendet. Der volkseigene Betrieb in Jena entwickelte sich zu einem der wichtigsten Spezialglaslieferanten Osteuropas. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm das Werk in Mainz die Geschäftsanteile des ostdeutschen Betriebs, der auf Brandschutzglas spezialisiert ist. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist heute die alleinige Eigentümerin.
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1875 wurde das Unternehmen Mecklenburger Metallguss (MMG) gegründet. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Schiffbau im Osten Deutschlands wieder aufgebaut wurde, fertigte die Warener Gießerei immer mehr Teile für die Werftindustrie, vor allem Schiffspropeller. Auch zu DDR-Zeiten lieferte die MMG als VEB Metallgußwerk Waren Produkte in alle Teile der Welt. Durch die stetige Ausweitung des Betriebsgeländes verlief schließlich sogar die Bundesstraße 108 durch das Werksgelände. Diese musste immer wieder kurzfristig gesperrt werden, wenn Propeller und anderes Gerät von einem Teil zum anderen transportiert werden musste. Im Vorjahr setzte das Unternehmen mit 170 Mitarbeitern etwa 50 Millionen Euro um.
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Die Gründung von Meißner Porzellan geht auf ein Dekret von August dem Starken 1710 zurück. Im Zuge der verfassungsmäßigen Erneuerung des staatlichen Eigentums nannte sich das Unternehmen ab 1918 „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen“, in der DDR VEB Staatliche Porzellan Manufaktur Meißen. Zum Symbol für die Manufaktur sind die gekreuzten Kurschwerter geworden. Zur Kennzeichnung qualitativ nur bedingt brauchbarer Ware, aber auch zur Kennzeichnung der Weißware werden nach der Glasur an den Schwertermarken Schleifstriche angebracht. Heute beschäftigt das Traditionsunternehmen mehr als 600 Mitarbeiter.
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Die Kirow Ardelt GmbH in Eberswalde ist Weltmarktführer für Doppellenkerkräne. Das Unternehmen in Brandenburg wurde 1902 gegründet. Die Ardeltwerke waren in der Zeit des Nationalsozialismus ein bedeutender Rüstungsbetrieb. Der Betrieb wurden nach 1945 enteignet. Die Anlagen wurde als Reparationsleistung demontiert und in die Sowjetunion transportiert. Nach der Umbenennung in VEB Kranbau Eberswalde beschäftigten sich die 3000 Mitarbeiter mit der Herstellung von Hafenausrüstungen. Die Hafenkräne galten als qualitativ hochwertig und waren zudem verhältnismäßig preisgünstig. Heute ist das Unternehmen Teil der Kranunion GmbH in Leipzig.
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Die berühmten Grabower-Küsschen werden seit 1835 im mecklenburgischen Grabow neben Gebäck und Waffeln hergestellt. 1902 übernahm Gustav Ritter den Betrieb und begann mit dem Export. Nach dem Mauerfall erlebte die frühere VEB Grabower Dauerbackwaren schwierige Zeiten. Der Absatz brach fast komplett weg. Trotz mehrfacher Übernahmen durch westdeutsche Firmen landete das Unternehmen in der Insolvenz. Erst der heutige Inhaber Otto Lithardt führte Grabower wieder in ruhigere Gewässer. An vier Standorten in Deutschland mit 700 Beschäftigten erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von 145 Mio. Euro.
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Fast jeder kennt sie, den Exportschlager schlechthin, die Spreewälder Gurke. Spätestens seit dem Jahr 2003 mit dem mehrfach preisgekrönten Spielfilm "Good Bye, Lenin!" von Wolfgang Becker ist sie wieder in aller Munde. Während der Zeit der DDR wurde die Spreewaldgurke von VEB Spreewaldkonserve Golßen angeboten. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 war die Spreewaldgurke eines der wenigen DDR-Produkte, das ohne Unterbrechung weiter erhältlich war. Heute ist die Spreewaldgurke eine geschützte Lebensmittelbezeichnung. Eine EU-Verordnung besagt, da wo Spreewaldgurke draufsteht, sind auch mindestens 70 Prozent Gurken aus dem Spreewald drin.
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Simson ist ein zweirädriges Kultfahrzeug. 1856 von den beiden jüdischen Brüdern Löb und Moses Simson in der thüringischen Stadt Suhl gegründet, erlangte Simson seine heutige Bekanntheit durch die in der DDR in großen Stückzahlen hergestellten Zweiräder. Als VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ war das Unternehmen mit insgesamt knapp sechs Millionen hergestellten Krafträdern der größte Zweiradhersteller Deutschlands.
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Sekt der Marke Rotkäppchen war einst ein Stück ostdeutscher Luxus. Nach der Wende erlebte sie zwar einen schweren Einbruch, steht heute aber besser dar als je zuvor. Das 1856 in Freyburg bei Naumburg gegründete Unternehmen ging nach dem Zweiten Weltkrieg in Volkseigentum über und hieß von nun an VEB Rotkäppchen-Sektkellerei. Als sich die Grenzen zum Westen 1989 öffneten, schlitterte Rotkäppchen in eine schwere Krise. Viele Kunden griffen nun auch zu anderen Sektmarken. 1992 konnte Rotkäppchen wieder schwarze Zahlen schreiben, 2002 wurde das Traditionsunternehmen Eigentümer der Sektmarken Mumm, Jules Mumm und MM Extra. Im gleichen Jahr war Rotkäppchen Marktführer auf dem deutschen Sektmarkt.
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Zu guter Letzt, die wohl bekannteste Marke mit DDR-Vergangenheit. Der Trabant ist eine ab 1958 in der DDR im VEB Automobilwerk Zwickau, später VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau, gebaute Pkw-Baureihe. Der "Trabi" ermöglichte neben dem Wartburg die Massenmotorisierung in der DDR. Kein PKW wurde länger als der Trabant mit Zweitaktmotor gebaut (bis 1990). Der Trabant P 601 wurde 1989/1990 zu einem Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands. Ähnlich wie der VW Käfer entwickelte sich der oft liebevoll „Trabi“ oder „Trabbi“ genannte Wagen zu einem Kultfahrzeug.
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