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Swarovski: Jobabbau in Wattens

Swarovski Jobabbau Wattens
(c) EPA (Franck Robichon)
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Der Kristallkonzern baut in Tirol noch einmal 800 Mitarbeiter ab und verlagert Produktion nach Fernost und Osteuropa. Derzeit sind in Wattens noch knapp 5000 Personen beschäftigt.

wien (Red./APA). Der Tiroler Kristallkonzern Swarovski, der in den vergangenen beiden Jahren schon 1700 Jobs in Österreich gestrichen hat, baut in den nächsten vier Jahren noch einmal 800 Mitarbeiter ab. Ab 2011 bis einschließlich 2014 sollen im Tiroler Standort Wattens Jahr für Jahr 200 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Die Mitarbeiter wurden darüber am Donnerstag informiert. Kündigungen sollen allerdings weitgehend vermieden werden: Der Jobabbau werde über die „natürliche Fluktuation“ geschehen, hieß es. Derzeit sind in Wattens noch knapp 5000 Personen beschäftigt.

Überraschend kommt der Jobabbau für die Beschäftigten in Tirol freilich nicht: Swarovski hat bereits vor Monaten angekündigt, einen Teil der Produktion nach Osteuropa und nach Fernost verlagern zu wollen. In Pune in Indien wird bereits produziert, der Standort Quingdao in China wird für die Produktion von Kristallkomponenten ausgebaut, eine neue Produktionsstätte in Osteuropa  soll in nächster Zeit noch hinzukommen.

Zentrale bleibt in Tirol

Wattens soll freilich der wichtigste Produktionsstandort des Unternehmens bleiben, hieß es in einer Aussendung. Die Steuerung der Werke und Lieferanten soll jedenfalls weiter von Tirol aus geschehen. Bis 2014 will der Konzern in seiner Tiroler Zentrale 100 Mio. Euro investieren.

Die „Neuausrichtung des Produktionskonzeptes für das Kristallkomponentengeschäft sei „aufgrund veränderter Marktbedingungen infolge des verschärften Wettbewerbs“ notwendig geworden, hieß es. Konkret: Auch die Konkurrenz in Billiglohnländern (namentlich die aus Ägypten und China) stellt Glaskristalle offenbar in ausreichender Qualität her. Allerdings mit wesentlich niedrigeren Kosten. Mit der massiven Verlagerung versucht Swarowski, die „Kostenführerschaft wiederzuerlangen und die Position als Marktführer zu verteidigen“, sagte ein Sprecher.

Das Ergebnis des „nicht leichten“ Jahres 2009 mache unmittelbares Handeln notwendig: Der Umsatz im Komponentenbereich sei in diesem Jahr um 30 Prozent geschrumpft, hieß es. Bei Konsumgütern (etwa Schmuck und Lampen) ist das Unternehmen dagegen sogar leicht gewachsen. Konzernsprecher Markus Langes-Swarowski hat Ende des vergangenen Jahres erklärt, unterm Strich werde „ein kleiner Gewinn“ übrig bleiben.

Swarovski, ein 1895 gegründetes Familienunternehmen, ist in 120 Ländern aktiv und erzielte 2009 mit 24.800 Beschäftigten einen Umsatz von 2,25 Mrd. Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Umsatz 2,52 Mrd. Euro betragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2010)