Wer ist schuld am Tod zweier Tigerbabys aus der Slowakei?

++ HANDOUT ++ NIEDEROeSTERREICH: ZWEI TIGERBABYS IN WOHNUNG ENTDECKT
Die zwei Tigerbabys aus der Slowakei starben im Tiergarten Schönbrunn.ÖSTERREICHISCHER TIERSCHUTZVEREIN

Zwei Tigerbabys aus der Slowakei verendeten im Tiergarten Schönbrunn. Die ursprüngliche Eigentümerin erhebt nun schwere Vorwürfe.

Auf den ersten Blick sah es nach einer typischen Rettungsaktionen beherzter Tierschützer zur Befreiung illegal geschmuggelte Tiere aus: Unter Assistenz der Polizei holten Mitarbeiter des Österreichischen Tierschutzvereins am 8. August zwei Tigerbabys aus einer Hainburger Privatwohnung, wo sie in einer Badewanne untergebracht waren.

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Drama aber als Zusammenprallen zweier unterschiedlicher Vorstellungen von Tierliebe. Denn die Eigentümerin des slowakischen Privatzoos, aus dem die Tiere stammten, wirft den Tierschützern erhebliche Mitschuld daran vor, dass die kleinen Raubkätzchen inzwischen im Schönbrunner Tiergarten verstorben sind.

Einstimmigkeit zwischen beiden Seiten besteht lediglich darin, dass den Schönbrunner Ärzten und Pflegern nichts vorzuwerfen sei. Trotz aller Bemühungen seien die beiden nicht zu retten gewesen, bedauerte der Tiergarten selbst in einer Aussendung am Dienstag. "Am Anfang hat uns ihre Entwicklung noch optimistisch gestimmt. Sie haben brav getrunken und an Gewicht zugenommen. Über den Berg waren sie damit aber noch lange nicht", erklärte Tierarzt Thomas Voracek.

Eigentümerin erhebt Vorwürfe

Yveta Irsova, die Eigentümerin der seit 1999 in der Südwestslowakei bestehenden "Oase des sibirischen Tigers", hatte schon nach der Tierschützeraktion gerichtliche Schritte angedroht, um die damals erst eine Woche alten Tigerbabys zurück zu bekommen. Schon damals hatte Irsova schwere Vorwürfe gegen die österreichischen Tierschützer erhoben: Sie hätten durch ihren "unverantwortlichen und inkompetenten Umgang" mit den kleinen Raubkatzen eine dramatische Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes verschuldet.

Nun sei Irsova nicht nur unglücklich über den Tod ihrer Lieblinge, sondern schon seit zwei Wochen mit Verleumdungen aus Österreich konfrontiert, sagte ihr Ehemann Milan Bratko am Mittwoch der "Presse". Statt um die Rückgabe der Tiere zu kämpfen, müssten er und seine Frau nun mit Rufmordklagen dagegen vorgehen, dass ihre jahrzehntelange Arbeit als Tiger-Enthusiasten in Österreich mit Tierschmuggel und dem Schwarzhandel von Wildtieren in einen Topf geworfen werde. Heftig kritisiert er die österreichischen Behörden, die nichts gegen die seiner Meinung nach "illegale Entwendung" der Tiger unternommen hätten und deren rechtmäßigen Eigentümern keinerlei Informationen zukommen ließen.

Nicht für illegale Geschäftemacherei seien die Tigerweibchen nach Österreich gebracht worden, sondern als Notmaßnahme, erklärt Bratko. Tigermutter Luna habe ihre drei am 1. August in der "Oase" geborenen Babys verstoßen, sodass sie von Irsova und ihren Mitarbeitern aufgezogen werden mussten, die darin bereits Erfahrung hätten. Während sich das größte der drei Babys gut entwickelte, habe ihr eines der beiden kleineren bald Sorgen gemacht. Weil sie nicht abwarten wollte, bis ihr gewohnter slowakischer Tierarzt aus dem Urlaub zurück war, ließ sie die beiden kleineren Tiger von einer Mitarbeiterin in eine österreichische Tierklinik bringen. Dort erhielten sie Infusionen und sollten am nächsten Tag zur Kontrolle gebracht werden.

Tierschutzverein widerspricht

Um ihnen den mühseligen Weg in die Slowakei und zurück zu ersparen, brachte die erfahrene Pflegerin sie über Nacht in ihrer Privatwohnung in Hainburg in einem provisorischen Inkubator bei 36 Grad Celsius unter, weil sie ihnen dort ständige Beobachtung und die (im Idealfall durch das Lecken der Tigermutter erfolgende) Bauchmassage gewähren konnte. Der schwerste Fehler, so Bratko, sei es gewesen, dass die mitten in der Nacht in Polizeibegleitung in die Wohnung gekommenen Tierschützer die Katzenbabys unter der Wärmelampe hervorholten, um bei für ihren Zustand viel zu niedrigen 20 Grad mit ihnen zu Selfies und Videos zu posieren und sie erst nach zwölf Stunden wieder in kompetente Hände zu geben.

Dieser Darstellung widerspricht Judith Unterdörfler vom Österreichischen Tierschutzverein: Die Fotos seien in der Tierklinik entstanden, in die man die Tiger "auf direktem Weg" gebracht habe. Es sei stets für eine hygienische und optimale Versorgung der Tiere gesorgt worden.