Im Kino: Kindergartenausflug mit Untoten

So ein von Zombies überrannter Streichelzoo bietet viele Entfaltungsmöglichkeiten für fantasievolle Kinder.
So ein von Zombies überrannter Streichelzoo bietet viele Entfaltungsmöglichkeiten für fantasievolle Kinder.(c) Simon Cardwell/ Einhorn Film

Achtung, Ansteckungsgefahr: Die australische Zombiekomödie „Little Monsters“ ist blutig, ungehobelt – und eine liebevolle Hommage an das pädagogische Personal dieser Welt.

Was macht eine gute Kindergartenpädagogin aus? Sie achtet feinfühlig auf die Bedürfnisse ihrer Schützlinge, begeistert sie zum Spielen und Entdecken, hat die Gruppe im Griff – und gibt den Kindern stets ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Selbst unter erschwerten Bedingungen: Wenn gerade eine Zombie-Epidemie um sich greift, zum Beispiel.

Miss Caroline, die Heldin der schwarzhumorigen australischen Horrorkomödie „Little Monsters“, nimmt ihren Job sehr ernst. Der Streichelzoo, den sie mit ihrer Klasse besucht, hat sich aus für sie unerfindlichen Gründen (der Zuschauer weiß: Die Geheimexperimente einer angrenzenden Militärbasis sind schuld) in ein Schlachtfeld verwandelt, auf dem sich blutrünstige Untote an jedem lebenden Wesen, das sie zu fassen kriegen, laben. Für Miss Caroline kein Problem: Wer sagt, dass ihre erprobten erzieherischen Prinzipien nicht auch hier greifen? „One, two, three, eyes on me!“, ruft sie, „one, two, eyes on you“, antworten die Kinder brav – und schon manövriert sie diese im Gänsemarsch, die Ukulele schlagend, „Old MacDonald had a farm“ singend und den Zombies geschickt ausweichend, in die schützende Souvenirhütte. Da soll einer sagen, sie hätte die Situation nicht unter Kontrolle!

Man kann „Little Monsters“ nicht nur als herrlich ungehobelten und blutigen Kinospaß sehen, sondern auch als liebevolle Hommage an das aufopferungsvolle Kinderbetreuungspersonal dieser Welt. Der australische Regisseur Abe Forsythe ließ sich von der tollen Kindergärtnerin seines Sohns inspirieren, der an Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidet und seinen Eltern daher immer Anlass zur Sorge gab. Miss Caroline wird im Film von der sprühenden, strahlenden Oscarpreisträgerin Lupita Nyong'o gespielt: Sie verzückt als furchtlose Musterpädagogin, geduldig und lieb zu den Kindern, geschickt im Umgang mit Spaten, Rechen und anderen landwirtschaftlichen Anti-Zombie-Waffen. Ihr Ziel ist es nicht nur, ihre Schützlinge vor der Zerfleischung zu bewahren, sondern auch vor jeglicher Traumatisierung. Also: Alles nur ein Spiel! Die taumelnden Gestalten: Figuren, die Fangen spielen. Die Schutzhütte, an deren Fenster sie pochen: Ort einer Übernachtungsparty. Als Miss Caroline blutgetränkt von einem Ausflug ins Freie zurückkommt, erzählt sie, sie sei in eine Marmeladenschlacht geraten. Nur bitte nicht kosten, liebe Kinder!

 

Entzückende Kinderdarsteller

Erschwert werden ihre Überlebenspläne vom grotesken Kinder-TV-Star Teddy McGiggle (Josh Gad), einem Alkoholiker im getupften knallgrünen Anzug, der sich um seine makellose Gesichtshaut mehr sorgt als um die Kinder. Alexander England spielt den Taugenichts Dave, der die Kindergartenklasse seines Neffen eigentlich nur begleitet, weil er sich an die hübsche Miss Caroline ranschmeißen will. Seine pädagogischen Fertigkeiten gehen anfangs über das Unterrichten absolut nicht altersgemäßen Vokabulars und das Vorbrüllen von Heavy-Metal-Songs nicht hinaus. Ein entzückendes Ensemble von Kinderdarstellern hält sich die Ohren zu. Sie erden den Film aufs Wunderbarste, zeigen Wutausbrüche, kindliche Angst und großen Spaß daran, zu den Ukulele-Klängen ihrer Kindergärtnerin Taylor-Swift-Lieder zu singen oder ihre Angreifer mit Minigolfschlägern zu hauen.

Zum Fürchten ist das nicht: Forsythe zollt Klassikern des Zombie-Genres Tribut, lässt Eingeweide hervorquellen und Grunzlaute ertönen, liefert ästhetisch schöne Kampfszenen zwischen Spielplatz und Strohballen, lässt aber auch keinen Zweifel an der Besiegbarkeit seiner Untoten-Armee: Immerhin handelt es sich hier um Zombies der langsamen Sorte, vor denen man auf einem Traktor gut flüchten kann. Über die symbolische Bedeutung einer Zombie-Epidemie im Streichelzoo kann man spekulieren. Ein Kommentar auf eine stumpfe Unterhaltungsgesellschaft, die Eintritt zahlt, um ein Schaf zu sehen? Oder gar auf Impfgegner und die Masernkrise, die immerhin auch seuchenhaft Kindergärten bedroht? Die Botschaft ist jedenfalls optimistisch: Die größten Probleme lassen sich spielerisch lösen. Was für ein Spaß!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2019)