Die Schönwetter-Autos aus Reith

Daniel Novotny
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Seit vier Jahren gibt es den Oldtimer-Club Reith im Alpbachtal. Wenn es regnet, bleiben die Wagen normalerweise in der Garage. Bei leichtem Tröpfeln werden die Besitzer nervös.

Kaum hat Sepp Kollegger seinen Mercedes 280S vor dem Alpbacher Gemeindeamt geparkt, bestaunen ihnen schon die ersten Passanten. Auf der anderen Straßenseite steht der Autobesitzer vor dem Gasthaus Jakober und beobachtet die sichtlich Beeindruckten mit einem kritischen Auge. Markus Lasinger fährt vor und stellt seinen roten Opel GT am Dorfplatz ab. Er steigt aus und hält einen Benzinfilter in der Hand. „Schon wieder!“ ruft er Kollegger zu, die beiden lachen.

Markus Lasinger hat den Oldtimer-Club Reith (OCR) im Jahr 2015 gegründet – im gleichen Jahr wie er seinen Liebling, einen roten Opel GT, straßentauglich gemacht hat. „Ich habe mir mit dem Auto einen Jugendtraum erfüllt“, sagt er, „2013 hat sich dann die Kaufoption ergeben.“ Mittlerweile zählt der Verein 34 Mitglieder, aber viel mehr Fahrzeuge.

Ein Auto zum Liebhaben

„Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit da auf mich zukommt, hätte ich das nicht gemacht“, sagt Lasinger und meint damit den Kauf seines alten, wie neu aussehenden Autos. „Es ist ein Zweisitzer, damals eigentlich ein unnötiges Auto. Aber eben ein Liebhaberfahrzeug.“ Wie fast jeder Oldtimer-Fahrer hat er immer einen Werkzeugkoffer dabei. Im Baujahr 1970 wurden rund 103.000 Stück produziert, damals laut Lasinger zum Preis von 11.000 Deutschen Mark, und wegen der Ähnlichkeit zum Chevrolet-Modell in Amerika „die kleine Corvette“ genannt.

Daniel Novotny

Kollegger dagegen war bewusst, wie viel zu tun sein würde. Einmal ist es der Auspuff, ein anderes Mal die Bodenplatte, die repariert werden muss. „Ich habe zwei Jahre lang geschaut, irgendwann hab ich mir 25.000 eingeschoben und ihn in irgendeinem Kuhdorf in Oberösterreich gekauft“, erzählt er. Er hatte sich schon in das Modell verliebt, als er es bei seinem Chef gesehen hat – der hatte einen in Metallic, seiner ist dunkelgrün matt. Auf der Hutablage steht die Ausführung, die er hat, in klein. „Mein Chef hatte ein Hirschgeweih am Dach, weil er Jäger ist. Verrückt! Er hat ihn leider zu Schrott gefahren“, erzählt Kollegger. Sein Wagen hat bis heute keinen Seitenspiegel auf der rechten Seite, hinten fehlen die Gurte. Er erklärt: „Für den Seitenspiegel hätte ich damals einen Aufpreis zahlen müssen. Der Vorgänger hat irgendwann die Gurte vorne nachgerüstet, hinten sind sie bei Oldtimern nicht verpflichtend.“

Winter ist Ruhezeit

Lasinger wechselt das Kennzeichen mit seinem gewöhnlichen Pkw. Kollegger meldet sein Fahrzeug im Oktober ab, weil es im Winter in Radfeld untersteht. Im April holt er seinen Mercedes aus der Garage, heuer ist er bereits 2000 Kilometer gefahren. „Die meisten fahren nicht so viel, ich bin in den letzten fünf Jahren vielleicht 7000Kilometer gefahren“, sagt Lasinger. So ein Auto geht ins Geld: Kolleggers Mercedes braucht für 100 Kilometer zwischen 15 und 17 Liter Sprit und einen Liter Öl auf 1000 Kilometer. Und Wartung bedarf es wegen der „uralten Technik“ eben auch.

Fahrt für den guten Zweck

„Nächstes Wochenende machen wir wieder einen Ausflug mit den Senioren vom Altersheim Brixlegg“, sagt Lasinger. Die Idee dafür hat er vom Oldtimer-Verein Kufstein. Die Senioren würden sich immer sehr über den jährlichen Ausflug freuen.

Der Spaß kommt im Verein nicht zu kurz: Jeden letzten Freitag im Monat kommen die Mitglieder zum Stammtisch zusammen. Und einmal im Jahr findet die „Gaudi Rally“ statt. „Da bekommt jeder ein Road Book mit Anweisungen, Dosenwerfen und Radwechseln zum Beispiel. Es machen ungefähr 20 Leute mit, das ist echt lustig,“ sagt Lasinger.

Es beginnt zu tröpfeln, Kollegger wird langsam nervös. In ein paar Stunden soll es in Brixlegg, wo er wohnt, regnen. „Die Wasserflecken bekommst du vom Chrom nicht weg“, sagt er. Bei seinem letzten Ausflug musste er den Wagen eineinhalb Stunden lang trocken rubbeln, weil es dort keine Garage gab und es in der Nacht schüttete. „Wir fahren bei Regen normalerweise nicht aus, da sind wir alle gleich gestrickt“, sagt Lasinger. „So, jetzt fahre ich, bevor der Regen kommt“, sagt Kollegger und steigt in seinen Oldtimer, der am Montag 48 Jahre alt wird.


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