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September 1939: Die Löwen von der Westerplatte

(c) Getty Images (Hulton Archive)

Sieben Tage kämpften polnische Soldaten auf der Westerplatte gegen eine Übermacht. Der Ursprung eines polnischen Mythos.

Opfer, aber zugleich auch heldenhafte Verteidiger der Nation – für die Selbstsicht der Polen ist die Interpretation des deutschen Überfalls vom 1. September 1939 von zentraler Bedeutung. Es fehlte bei diesem Thema auch nicht an harten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg bedeutet in Polen immer auch eine hochpolitische Auseinandersetzung. Die Zahl derer, die die Ereignisse erlebt haben, schwindet, die Emotionen bleiben bestehen.

In der kommunistischen Ära verurteilte man vor allem die „faschistische Aggression“, danach sah man auch die Rolle der Sowjetunion zunehmend kritischer und widmete sich auch den Verbrechen von dieser Seite. So geriet der Krieg des Jahres 1939  nie aus dem Fokus des Interesses. Der Widerstandsmythos, die Geschichte von den zwar hoffnungslos unterlegenen, doch tapfer kämpfenden polnischen Soldaten, flammt immer wieder auf, er wird vor allem von rechtskonservativen politischen Akteuren hoch gehalten. Dagegen gerät die Manipulation des historischen Gedächtnisses durch die kommunistische Partei aus dem Blickfeld. Man sieht sich als „gemarterte Nation“, als „Christus unter den Völkern.“ Es kommt zu einer Art „Opferkonkurrenz“, wenn es um die Frage der Ermordung der polnischen Juden geht.