Häuserkampf in Tripolis. Ein regierungstreuer Milizionär in seiner Stellung im Süden der Stadt.
Geschichten des Jahres 2019

Die Schlacht um Tripolis: Reportage aus einer belagerten Stadt

Es ist die jüngste, blutige Runde im Machtkampf in Libyen: General Haftars Truppen wollen die Hauptstadt erobern, die international anerkannte Regierung und ihre Milizen wehren sich verbissen. Auch externe Akteure mischen mit. Zigtausende Menschen sind auf der Flucht. Ein Lokalaugenschein.

Geschichten des Jahres. Dieser Artikel ist am 1. September 2019 erschienen.

Das zerstörte Auto liegt auf dem Dach, an seiner Unterseite klafft ein gewaltiges Loch. „Es ist heute um etwa acht Uhr früh von einer Rakete getroffen worden. Vier Menschen sind gestorben“, sagt Aiman verbittert. Einige Meter entfernt steht ein weiteres Wrack. Die Scheiben sind geborsten. An der Fußmatte unter dem Beifahrersitz klebt Blut. Das schreckliche Szenario sei – so erzählt es Aiman – Resultat eines Drohnenangriffs durch die Truppen des Generals Khalifa Haftar. Nach dem Raketeneinschlag habe es noch Auffahrunfälle gegeben. Die zerstörten Fahrzeuge wurden an den Straßenrand geräumt. „Haftars Leute schießen einfach auf zivile Autos“, klagt Aiman. Er ist Feldkommandant der 166. Brigade, die gegen den General kämpft.

Am 4. April startete Haftar einen Großangriff auf Libyens Hauptstadt Tripolis – nur gut zehn Tage, bevor unter der Ägide der UNO Verhandlungen über die Zukunft des Landes beginnen hätten sollen. Nach ersten Vorstößen geriet seine Offensive ins Stocken. Die international anerkannte Regierung der Nationalen Einheit und die mit ihr verbündeten Milizen warfen die Männer des Generals wieder zurück. Jetzt versuchen beide Seiten in zähen Gefechten, die Oberhand zu gewinnen.