Die Schauspielerin Diane Kruger spielt in ihrem jüngsten Film wieder eine Agentin. Über Drehs in der Schwangerschaft, den Bedarf an weiblichen James Bonds und Jason Bournes – und ihre kleine Tochter, deren Privatsphäre sie vehement verteidigt.
Man hat den Eindruck, dass Diane Kruger sich erst ein bisschen umstellen muss: Man scheint in den ersten Minuten einen amerikanischen Einschlag zu vernehmen, wenn die Schauspielerin auf Deutsch antwortet. Vielleicht auch, weil die 43-Jährige gerade in London dreht – einen Actionfilm, in dem sie eine Spionin spielt („355“). Schon wieder, könnte man fast sagen: In ihrem aktuellen Film „Die Agentin“, der seit dem 30. August in den heimischen Kinos läuft, ist sie in die Rolle einer Mossad-Agentin geschlüpft.
Sie haben lange Zeit davon geträumt, einen weiblichen James Bond zu spielen. Jetzt spielen Sie tatsächlich eine Spionin. Hat sich der 007-Traum damit erledigt?
Diane Kruger: Ich glaube. In dem Film, den ich aktuell drehe, spiele ich ja auch eine Agentin und das ist ein bisschen mehr James Bond. Die Agentin war dagegen der Anti-James-Bond. Viel authentischer, wie das alltägliche Leben einer Agentin aussieht. Es basiert auch auf einer wahren Geschichte.
Sie haben auch in „Inglourious Basterds“ eine Spionin gespielt. Was fasziniert Sie an der Rolle der Agentin?
Das sind Rollen, in denen man mehrere Rollen spielen kann. Und es ist natürlich sehr kinogen. Es sind Filme, die ich mir gern anschaue – und ich glaube, Agentenfilme faszinieren die Menschen allgemein.
Für den aktuellen Film haben Sie sich ziemlich intensiv vorbereitet. Sie haben zum Beispiel mit einem falschen Pass eine Grenze passiert. Haben Sie da gezittert?
Natürlich wusste ich, dass sie mich aus dem Gefängnis rausholen, wenn ich verhaftet werde, es ging nicht um Leben und Tod. Aber trotzdem hat man Herzklopfen, wenn man in der Schlange steht und man lügen muss. Und es hat mir eine kleine Vorstellung davon gegeben, was es heißen muss, als israelische Agentin in den Irak einzureisen, wo es um Leben und Tod geht.
Mögen Sie solche abenteuerlichen Situationen oder haben Sie es lieber ruhiger?
Ich mag Abenteuer. Ich glaube, deshalb bin ich auch Schauspielerin geworden, weil ich so auch ein bisschen extreme Dinge machen kann, die man im wirklichen Leben nicht erlebt.
Extrem ist ein gutes Stichwort. Im Film werden Sie einmal fast vergewaltigt. Bereiten Ihnen solche Szenen Unbehagen?
Ja, natürlich. Diese Szene war nicht schön zu drehen – noch mehr, weil ich während des Drehs schwanger war. Und schwierig, weil es war zwar mein Gesicht, aber nicht mein Körper: Ich hatte da schon einen dicken Bauch.
Wie geht das überhaupt, als Schwangere einen Agentenfilm zu drehen?
(lacht) Es ist ja nicht sehr viel Action in dem Film. Es war eigentlich sehr schön, die Kleine immer bei mir zu haben und während der Schwangerschaft aktiv zu sein. Ich war im fünften Monat, als wir angefangen haben und im siebten, als wir fertig waren.
Sie haben erst vor Kurzem vehement gefordert, die Privatsphäre Ihrer Tochter zu respektieren. Hadern Sie damit, dass sie weniger ruhig aufwachsen wird als Sie selbst?
Es wird sicherlich nicht immer leicht für sie sein. Aber ich werde tun was ich kann, um sie davor zu beschützen. Wir leben in New York und ich will nicht, dass meine Tochter mit Männern aufwächst, die ihr hinterherlaufen und ihren Namen rufen. Ich finde das fast unmenschlich. Und wirklich, das macht mich aggressiv.
Mit Fatih Akin planen Sie eine Serie über Marlene Dietrich. Was reizt Sie daran?
Ich war schon als kleines Kind von ihr fasziniert. Und ich glaube, dass sie abgesehen von den Filmen und den ikonischen Fotos als Person sehr unbekannt ist. Ich finde, sie verdient ein genaueres Porträt von ihrem Leben.
Sind Sie noch oft in Deutschland?
Seit meine Tochter geboren ist, weniger, weil Reisen schwieriger sind. Aber in den letzten drei Jahren war ich öfter in Deutschland als in den vergangenen 25 Jahren. Ich weiß nicht, ob ich noch dort leben könnte, aber meine ganze Familie ist in Deutschland. Von daher habe ich schon eine enge Beziehung.
Zurück zu James Bond. Ob Sie ihn jetzt spielen oder nicht: Ist es Zeit für eine Frau?
(lacht) Das kann man diskutieren. Ich glaube schon. Ich glaube, auch ein weiblicher Jason Bourne wäre gut. Und je mehr starke, ikonische Frauenrollen es gibt, umso besser.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2019)