OeNB-Chef hat Zweifel an EZB-Geldpolitik

Robert Holzmann sieht negative Zinsen skeptisch.

Wien. Der neue Nationalbankgouverneur, Robert Holzmann, will im EZB-Rat „eine etwas kritischere Haltung gegenüber den Vorschlägen einer weiteren monetären Vertiefung“ einnehmen. Darüber diskutieren wolle er mit seinen EZB-Kollegen jedenfalls, hat Holzmann am Wochenende im ORF-Radio mitgeteilt. Er hat sein neues Amt mit 1. September übernommen.

Die Sitzungen des Rats der EZB seien jetzt besonders wichtig, da es mit Christine Lagarde ab November eine neue Präsidentin der EZB geben werde und eine Revision der EZB-Strategie angedacht sei, sagte Holzmann. Er werde die anderen EZB-Direktoren nicht „in einer einzigen Sitzung überzeugen können“, wolle aber „einen Anstoß geben, dass in der Revision der Strategie stärker über Alternativen nachgedacht wird“.

Seine Ausbildung, seine Einstellung und auch seine beruflichen Erfahrung hätten ihn in Bezug auf die Geldpolitik „mehr zum Falken als zur Taube werden lassen“, also zum Kritiker einer Ausweitung der Geldzufuhr an die Wirtschaft. Aber „empirische Evidenz“ sei immer der Maßstab für seine Entscheidungen. Die expansive Geldpolitik von 2010/2012 sei als monetäre Entlastung und Unterstützung des staatlichen Anleihenmarkts „zum Überleben des Euro notwendig“ gewesen, so Holzmann. Aber jetzt, als die EZB schon zahlreiche Anleihen gekauft hat, seien „die Wahrscheinlichkeit weiterer Effekte gering, Risiken hingegen erhöht“.

Holzmann ist generell gegenüber negativen Zinsen skeptisch, vor allem auch für Sparer. Wenn Menschen eigentlich sparen wollen, würden negative Zinsen nicht zu mehr Konsum führen. Das niedrige Zinsniveau berge die Gefahr der „Fehlallokation von Ressourcen und Preisen“ – konkret sehe man das an den steigenden Immobilien- und Goldpreisen sowie an „erratischen Aktienpreisen“. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2019)

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