Naomi Campbell wird heute 40. Zum Geburtstag erhielt sie eine Vorladung zum Kriegsverbrechertribunal für Sierre Leone - als Zeugin im Prozess gegen den früheren liberianischen Diktator Charles Taylor. Ein Porträt.
Woran misst man den Grad der Prominenz einer Person? An der Häufigkeit der Schlagzeilen, die ihren Namen enthalten? An der Tatsache, dass bei der Nennung dieser Person jeder weiß, von wem die Rede ist? Oder an der Art, wie die Öffentlichkeit auf die Anwesenheit dieser Person reagiert? Wenn man Naomi Campbells Prominenz nach dem letzten Punkt beurteilen soll, müsste man sagen: Es lief schon besser für die dunkelhäutige Laufstegschöne.
Freilich, nach Cannes lädt man sie immer noch ein. Dort ist sie wertvoller Aufputz jeder Filmpremiere. Und auch, wenn Campbell vergangene Woche wieder fotografiert wurde: In den Berichten über die jährliche „Cinema against Aids“-Gala, die am Donnerstag in Antibes stattfand, fiel ihr Name nicht oder nur am Rande. Da drängten andere ins Rampenlicht: die Schauspielerinnen Diane Kruger, Mischa Barton, Sharon Stone, Kollege Alain Delon, Designer Karl Lagerfeld und die unvermeidliche Paris Hilton, die auch irgendjemand eingeladen hatte. Kurz gesagt: Naomi Campbell ist nicht mehr „on top of the list“. Prominent ist sie natürlich dennoch. Die eingangs erwähnten Punkte eins und zwei erfüllt sie mit Bravour.
Was das Folgende beweist: Die jüngste Schlagzeile, die Campbells Namen trägt, ist keine 24 Stunden alt und durchaus brisant. Am Donnerstag hat die Staatsanwaltschaft beim UNO-Kriegsverbrechertribunal für Sierra Leone erklärt, sie wolle Campbell als Zeugin im Prozess gegen den früheren liberianischen Diktator Charles Taylor vorladen. Man wolle sie zu Rohdiamanten befragen, die ihr Taylor 1997 in Südafrika gegeben haben soll. Dem Ex-Präsidenten wird in dem seit Jänner 2008 laufenden Verfahren vor dem Sondertribunal vorgeworfen, er habe den Bürgerkrieg im Nachbarland Sierra Leona durch Waffenlieferungen angeheizt, für die er im Gegenzug Diamanten bekommen haben soll.
Campbell ließ am Freitag über ihre Anwälte mitteilen, dass sie um ihre Sicherheit besorgt sei und sich nicht in den Fall einmischen wolle. Egal, wie die Causa ausgeht, fürs Erste war die Vorladung für das Supermodel wenig erfreulich. Sie flatterte nämlich just zwei Tage vor einem runden Geburtstag ins Haus. Die Britin wird heute, Samstag, 40. Ein Alter, das in ihrer Branche vielleicht sogar eine Zäsur bedeuten mag – allerdings nicht für eine wie sie. Seit 25 Jahren ist sie im Geschäft, als erstes dunkelhäutiges Model eroberte sie Laufstege und Fotostudios. Die „International Herold Tribune“ lobte 1994 ihren „panthergleichen Gang“. Sie zählte in den Neunzigern zu den bestbezahlten Models der Welt.
Richtig berühmt aber wurde sie mit ihren Tätigkeiten abseits des Laufstegs, mit denen sie sich ein unverwechselbares Profil zugelegt hat. Campbell ist bekanntermaßen rabiat und schlagkräftig, was verprügelte Angestellte vor Gericht beweisen und einwöchige Strafputzdienste, die das Supermodel zur Wiedergutmachung absolvieren musste. Campbell ist bekanntermaßen frisurenverrückt. Soll heißen: Sie wechselt ihre Perücken mit den Abendroben. Campbell ist zudem immer wieder mit ihren männlichen Begleitern im Gerede, zur Zeit ist das der russische Baulöwe Wladislaw Doronin. Staatsaffärencharakter hatten die Gerüchte rund um eine Liaison mit Venezuelas Präsident Hugo Chávez im Jahr 2008.
Neuerdings will Campbell weg. Weg von ihrem im doppelten Sinne „angeschlagenen“ Image. Deshalb engagiert sie sich für Charity-Projekte, zeigt sich neuerdings mit Vorliebe an der Seite von Politikerehefrauen. Mit Sarah Brown, der Frau von Englands Ex-Premier Gordon Brown, präsentierte sie ihre Modelinie „Fashion for Relief“, deren Verkaufserlös an die Erdbebenopfer von Haiti geht. Mit Irina Kudrin, der Frau des russischen Finanzministers Alexei Kudrin, besprach sie, wie man Geld für russische Straßenkinder sammeln könnte.
Auch auf Oprah Winfreys Talk-Couch gelobte sie vor Kurzem Besserung. Man wird sehen, ob ihr da die Vorladung zum Sierra-Leone-Tribunal nicht einen Strich durch die Rechnung macht.
Zur Person
■Naomi Campbell, geb. 22. 5. 1970 in London, ist Model mit jamaikanischen Wurzeln. Laufsteggeschäft ab 1985. Bleibt durch Prügelattacken, Prozesse und Affären (etwa mit Hugo Chávez) im Gespräch.
Sie ist ein Supermodel, zählt zu den Superreichen und ist meistens auch super anmaßend. Ihren Standpunkt macht sie klar, indem sie zuschlägt. Muss sie zum Strafdienst, lässt sie sich im Rolls Royce chauffieren. Naomi Campbell feierte am 22. Mai 2010 ihren 40. Geburtstag. (c) EPA (Giuseppe Farinacci)
Sie schmeißt die Schule mit 14 Jahren, Berufsausbildung macht sie auch keine. (c) EPA (Farinacci)
Präsentation und Posing liegen ihr aber von Beginn an im Blut. Ihr erster öffentlicher Auftritt: Mit acht Jahren tanzt sie in Bob Marleys Video zu "Is this love?". (c) EPA (Farinacci)
Ein paar Jahre später wird sie dann in „Freedom” von George Michael, „Erotica” von Madonna und „In the Closet” von Michael Jackson auftreten. AP
Mit 15 Jahren entdeckt sie ein Modelscout beim Shoppen in Londons Covent Garden. Ein paar Stunden Schauspielunterricht später, bekommt sie die ersten Auftritte als Model. Sie ist 16 Jahre alt und ziert die Seiten der britischen "Elle". (c) AP (Matt Sayles)
Ein kleiner Einschub in der Lebensgeschichte: Hier im Bild sieht man Model-Trainer Bruce Darnell (rechts) mit Pierre Blackwood, dem kleinen Bruder von Naomi Campbell. AP
Zeitgleich mit der Volljährigkeit kommt für Naomi der Durchbruch. 1988 sieht man ihr makelloses Gesicht auf am Cover der "Vogue". Sie ist das erste schwarze Model, dem diese Ehre zuteil wird. (c) Vogue
1996 gründet sie gemeinsam mit Cindy Crawford, Kate Moss (siehe Bild), Elle MacPherson, Christy Turlington und Claudia Schiffer das Fashion Café in New York City. AP
Bis heute zählt sie zu den Topverdienern der Branche. Ihr Vermögen wird auf 37 Millionen Euro geschätzt. (c) EPA (FELIX HEYDER)
Ruhm, Luxus und Oberflächlichkeiten ihres Jobs reichen ihr nicht. Campbell setzt sich bald gegen Armut und Ungerechtigkeit auf der Welt ein, trifft sich mehrmals mit Nelson Mandela (siehe Bild) und unterstützt seine Projekte. (c) AP (ADIL BRADLOW)
Auch an ihren Nebenprojekten zeigt sich, dass die Frau nicht einseitig ist. Eine Sangeskarriere begründet sie mit ihrer CD "Baby Woman", sie bringt den autobiografischen Roman "Swan" heraus - schreibt ihn aber nicht selbst - und verkauft unzählige Duftflakons unter ihrem Namen, der sich längst als Marke etabliert hat. (c) AP (MAX NASH)
Sie weiß es, gut zu wirtschaften, am Benehmen scheint es allerdings öfter zu scheitern. 1993 wird sie von der amerikanischen Topagentur Elite Models rausgeschmissen. Die Begründung: "Kein Geld und kein noch so großes Prestige könnten noch rechtfertigen, was sie unseren Angestellten und Kunden zumutet." (c) EPA (Justin Lane)
Die Ausbrüche haben Campbell mehrfach in Therapien und vor Gericht geführt. So waren im Juni 2008 gerichtlich 200 Stunden Sozialdienst fällig, nachdem sie in einem Flugzeug ausgerastet war. Als der Pilot sie persönlich informierte, dass sich der Abflug etwas verzögere, hatte sie ihm vorgeworfen, Rassist zu sein. "Sie würden das nicht tun, wenn ich weiß wäre." AP
Ein Jahr zuvor hatte sie schon als Strafe mit den New Yorker Stadtreinigern Toiletten putzen müssen. Gekommen war die Laufsteg-Diva dabei im Pelz, abfahren sah man sie im Rolls Royce. AP
In einem Interview sagte sie einst, dass mangelndes Selbstbewusstsein der Grund für ihre Wutausbrüche sei. (c) REUTERS (� Sergei Karpukhin / Reuters)
Für ihre Liebesgeschichten ist die Schöne auch bekannt. Längere Beziehungen hatte sie zu dem Formel-Eins-Bonzen Flavio Briatore (siehe Bild) und dem Schauspieler Robert de Niro, ihrer ersten großen Liebe. Liaisonen pflegte sie mit dem Flamencotänzer Joaquín Cortéz, Jay-Z, P. Diddy und Eddie Murphy. AP
Seit 2008 ist Naomi Campbell allerdings mit dem russischen Milliardär Vladimir Doronin (siehe Bild) liiert. Von Hochzeit und Kindern soll noch nicht die Rede sein, ein rauschendes Geburtstagsfest wird er der 40-Jährigen aber sicher spendieren. AP