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Auch der Arbeitsmarkt trübt sich ein

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Die Wirtschaft schwächt sich ab, und das macht sich langsam auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Unter Älteren und Behinderten steigt die Arbeitslosigkeit bereits wieder.

Wien. Die gute Nachricht ist: Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im August erneut gesunken. Und zwar um vier Prozent. Damit waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) 330.691 Menschen als arbeitslos vorgemerkt. Davon nahmen 51.520 Personen an Schulungen des AMS teil. Die weniger gute Nachricht aber ist: Die Wirtschaft trübt sich ein, und das wird sich früher oder später auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Oder, wie es AMS-Chef Johannes Kopf formuliert: Die Daten würden ein „Ende des bald drei Jahre dauernden Sommers“ auf dem österreichischen Arbeitsmarkt erwarten lassen. Nach fünf Jahren mit steigenden Arbeitslosenzahlen sinkt die Arbeitslosigkeit schon seit März 2017. Noch heuer könnte sie erstmals wieder steigen, so Kopf.

Darauf deuten der „nur mehr minimale“ Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Industrie und in einzelnen Bundesländern hin. Sowie die „nur mehr leicht steigenden offenen Stellen“, so Kopf. Die konkreten Zahlen sehen so aus: In der Warenherstellung sank die Arbeitslosigkeit im August um lediglich 1,5 Prozent. Das war im Branchenvergleich der schwächste Rückgang, in der Branche Verkehr und Lagerei gab es einen Anstieg. Bereits jetzt sinkt die Arbeitslosigkeit schwächer als noch vor einem Jahr. Im August 2018 verzeichnete das AMS noch einen Rekordrückgang von 30.000 Personen. Heuer waren es nur noch 14.000.

 

Heuer leichter Anstieg

Martin Kocher, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), sagte vor wenigen Tagen, dass die Arbeitslosigkeit laut Prognose des IHS heuer leicht steigen werde. Betreffen werde dies vor allem Ältere und Personen mit schlechter Ausbildung. In der Hochkonjunktur fanden auch Hilfsarbeiter wieder Jobs. Generell trifft ein Abschwung jene zuerst, die auf dem Arbeitsmarkt ohnehin schlechte Karten haben. Und dazu gehören auch Menschen mit Behinderungen und sonstigen gesundheitlichen Einschränkungen. In beiden Gruppen gab es im August einen recht deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Auch Ältere trifft es in der Regel früher als andere Gruppen: Die Zahl der Arbeitslosen, die 50 Jahre oder älter waren, stieg im August um 1,5 Prozent.

Dabei haben es ältere Arbeitslose oft doppelt schwer. Wie eine aktuelle Auswertung des AMS zeigt, haben 39 Prozent aller Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer im Alter ab 50 Jahren eine gesundheitliche Vermittlungseinschränkung. Quer durch alle Arbeitslosen in Österreich sind es nur 18 Prozent. Wer über 50 ist und gleichzeitig nicht gesund, gilt rasch als schwer vermittelbar.

 

45 Prozent ohne Ausbildung

Schwer vermittelbar sind auch Menschen ohne Ausbildung. In Wien etwa haben mehr als 45 Prozent der Arbeitslosen maximal die Pflichtschule abgeschlossen. Experten sehen vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit als großes Problem. Die Arbeiterkammer forderte am gestrigen Montag, dass staatlich finanzierte Arbeitsplätze in den Gemeinden für Menschen geschaffen werden, die keine regulären Jobs finden. (hie)

AUF EINEN BLICK

Die Arbeitslosigkeit in Österreich sinkt seit März 2017. Heuer könnte sie laut Prognose des AMS erstmals wieder steigen. Auch das Institut für Höhere Studien rechnet für heuer mit einem leichten Anstieg. Im August ist die Arbeitslosigkeit gesunken, wenn auch deutlich schwächer als vor einem Jahr. Anstiege gab es bei Älteren, Menschen mit Behinderung und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2019)