Hunderte protestieren gegen Ausländer-Wohnanlage in Kabul

Proteste vor dem "Green Village" in Kabul.
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Hintergrund der Anrainer-Proteste ist ein blutiger Autobombenanschlag in Kabul am Montagabend. US-Außenminister Pompeo informierte die NATO über den geplanten Teilabzug von US-Soldaten aus dem Land.

Nach dem zweiten Anschlag auf eine Wohn- und Büroanlage für Ausländer in der afghanischen Hauptstadt Kabul in diesem Jahr sind Proteste gegen die Siedlung ausgebrochen. Hunderte Anwohner forderten nach Medienberichten von Dienstag, entsprechende Anlagen weit entfernt der einheimischen Wohngegenden zu errichten. 

Hintergrund ist ein schwerer Autobombenanschlag von Montagabend, bei dem mindestens 16 Menschen getötet und fast 120 verletzt wurden. Die aufgebrachten Anrainer drangen anschließend in die stark geschützte Anlage ein und setzten Teile davon in Brand, berichtete der lokale TV-Sender ToloNews.

Bereits im Jänner waren bei einem Anschlag auf das so genannte „Green Village“, in dem auch mehrere internationale NGOs untergebracht sind, mindestens vier Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Die umliegenden Wohnhäuser wurden jeweils schwer beschädigt. In beiden Fällen reklamierten die radikal-islamischen Taliban die Anschläge für sich.

In diesem Jahr hat es bereits knapp 20 größere Anschläge in der afghanischen Hauptstadt gegeben, bei denen insgesamt rund 200 Menschen getötet und 900 verletzt wurden.

Die USA haben angekündigt, sich aus dem Land zurückziehen zu wollen. Vor allem in Afghanistan, aber auch in einigen NATO-Staaten gibt es die Befürchtung, dass es im Fall eines schnellen US-Truppenabzugs wieder zu einer Destabilisierung des Landes und zu Rückschritten bei Demokratie und Menschenrechten kommen könnte. 

 Nato-Chef Stoltenberg sagt Kabul Unterstützung zu

Die Nato will trotzdem an der Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte festhalten. Das Bündnis bleibe diesem Ziel verpflichtet, erklärte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag nach einem Treffen mit US-Außenminister Mike Pompeo in Brüssel. Pompeo informierte die Bündnismitglieder über den geplanten Abzug.

Die US-Regierung verhandelt derzeit mit den radikal-islamischen Taliban über ein Friedensabkommen. Die Gespräche sind nach Angaben beider Seiten weit fortgeschritten.

Die NATO unterstütze "in jeder Hinsicht Bemühungen, einen Frieden in Afghanistan zu erreichen", erklärte Stoltenberg im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er verurteilte zugleich jüngste "schreckliche Angriffe" am Hindukusch.

Die NATO ist derzeit mit einem Einsatz zur Ausbildung und Beratung afghanischer Sicherheitskräfte aktiv. An der Resolute Support Mission (RSM) waren zuletzt bis zu 17.150 Soldaten aus NATO-Staaten und Partnerländern beteiligt. Die US-Armee ist das Rückgrat der NATO-Militärpräsenz am Hindukusch.

Ein weiteres Thema bei den Gesprächen zwischen Stoltenberg und Pompeo waren nach Angaben aus Bündniskreisen die US-Forderungen nach einer besseren Lastenteilung im Bündnis. Sie werden aller Voraussicht nach auch auf der Tagesordnung des für Dezember geplanten Treffens der Staats- und Regierungschefs der NATO-Staaten in London stehen.