Banken-Poker um die „Kronen Zeitung“

VERLAGSHAUS DER KRONEN ZEITUNG
VERLAGSHAUS DER KRONEN ZEITUNG(c) APA (Harald Schneider)
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Raiffeisen könnte einen Anteil von der „Westdeutschen Allgemeinen“ kaufen. Über 200 Millionen Euro müsste das Angebot für den Rückkauf der „Krone“-Anteile nach Ansicht der Deutschen schon liegen.

Seit Jahren wird darüber spekuliert. Und verhandelt. An diesem Wochenende soll nun eine endgültige Entscheidung fallen: Entweder die Familie Dichand stellt der Essener WAZ-Gruppe ein aus deren Sicht akzeptables Übernahmeangebot für den 50-Prozent-Anteil an der „Kronen Zeitung“ (die andere Hälfte gehört jetzt schon „Krone“-Herausgeber Hans Dichand) – oder die WAZ wird auf absehbare Zeit nicht verkaufen. Über 200 Millionen Euro müsste das Angebot für den Rückkauf der „Krone“-Anteile nach Ansicht der Deutschen schon liegen. Dichands Vorstellung von der vollständigen Übernahme lag stets deutlich darunter (dem Vernehmen nach bei maximal 160 Millionen).

Verschleudern werden die Essener Verleger das Wiener Tafelsilber aber sicher nicht – auch wenn es bereits ein wenig angelaufen ist. Die „Krone“-„Kurier“-Tochter Mediaprint macht zwar keine so guten Geschäfte, wie sie könnte, doch gilt das Potenzial der „Krone“ mit ihrer enorm hohen Reichweite von 40 Prozent und der höchsten Zahl der Abonnements in der Geschichte der Zeitung (knapp 700.000) als vielversprechend.

Womit auch schon der Knackpunkt in der heiklen Beziehung zwischen den Dichands, der WAZ und dem ebenfalls am Übernahmepoker beteiligten Raiffeisen-Konzern sichtbar wird: die Mediaprint. An ihr hält die „Krone“ die eine, der „Kurier“ über die Zeitschriften Verlagsbeteiligungs AG (die ihm zu 100 Prozent gehört) die andere Hälfte. Raiffeisen wiederum hält 50,6 Prozent am „Kurier“, die WAZ 49,4 Prozent und spielt das Match damit von beiden Seiten.

„Kurier“-„Krone“-Block

Nun ist es kein Geheimnis, dass die Mediaprint-Geschäfte nicht gerade rosig laufen: Im Geschäftsjahr 2008/09 ist das Unternehmen, das für Druck und Vertrieb, Anzeigen und Vermarktung von „Krone“ und „Kurier“ zuständig ist, in die roten Zahlen gerutscht: 6,5Millionen Euro operativer Verlust (im Jahr davor war es noch ein Gewinn von 10,1 Millionen Euro gewesen) wurden mit der schlechten Wirtschafts- und Anzeigenlage begründet. Nienhaus dementiert dies im Gespräch mit der „Presse“: „Nach unseren Berechnungen hatten sie neun Mio. Euro operativen Gewinn.“ Zufrieden sei er damit aber nicht gewesen. Für heuer ist ihm zufolge mit einem Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe zu rechnen.

Hinter vorgehaltener Hand hört man Gründe für die eher schwache Performance der Mediaprint: Die Partner „Krone“ und „Kurier“ sollen sich gegenseitig eher blockieren als beflügeln. Der Gewinn wird nach dem Beteiligungsverhältnis 70:30 ausgeschüttet – wobei der „Kurier“ zwar den kleineren Anteil erhält, aber unter dem Strich profitiert: Weder „Krone“ noch „Kurier“ wirtschaftet nach diesem Modell in die eigene Tasche – sondern in jene der Mediaprint, wo dann geteilt wird. Das allerdings steigert weder den Sparwillen noch die Einsicht, z.B. durch steigende Abo-Preise die Einnahmen zu forcieren. Kein sehr fruchtbares Modell, wie es scheint.

Weshalb Vertreter von WAZ, Raiffeisen und „Krone“ einander kürzlich in Wien trafen, um zu klären, ob man nicht den siamesischen Zwilling Mediaprint operativ trennen könnte – indem die Verlage Anzeigen und Vermarktung wieder selbst machten. Die Mediaprint hingegen könnte sich als reine Servicegesellschaft auf Druck und Vertrieb konzentrieren.

Konrad: Kein Kommentar

Das ist aber aufgrund der Gewinnaufteilung äußerst schwierig – es müsste Geld fließen; wie, darauf hat man sich bis dato offenbar nicht einigen können. Weshalb Raiffeisen und die Dichands dem Vernehmen nach einen Schwenk vollzogen haben – und offenbar in Erwägung ziehen, der WAZ nicht nur ihre Anteile an der „Krone“ (durch die Dichands), sondern auch jene am „Kurier“ (durch Raiffeisen) abzukaufen.

Raiffeisen könnte darüber hinaus für die Dichands die nötige Finanzierung für den „Krone“-Rückkauf geben – und im Gegenzug auch dort eine Beteiligung erhalten. Die WAZ soll dem nicht gänzlich abgeneigt sein – stellte aber ein Ultimatum, wohl auch, um die Zukunft der Mediaprint zu sichern, die sonst zwischen den Fronten zu zerbröseln droht.

Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad wollte die ihm nachgesagten Kaufabsichten gegenüber der „Presse“ nicht kommentieren. Auch „Krone“-Chefredakteur Christoph und -Herausgeber Hans Dichand waren nicht erreichbar. WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus bestätigte immerhin, dass die WAZ den beiden Interessenten bis Pfingsten Zeit gegeben habe: „Bekommen wir bis dahin kein Angebot, werden wir die Debatte über einen Verkauf beenden und uns wieder darauf konzentrieren, unsere Geschäfte ordentlich weiterzuführen.“ Um gleich zu relativieren: „So schlecht läuft es gar nicht – es gibt ja ein Sparprogramm.“ Bis Freitagnachmittag war jedenfalls noch kein Angebot aus Wien eingelangt.

Und es gibt wichtige Entscheidungen zu treffen: Die Anzeigenvermarktung der Mediaprint ist derzeit vakant – der bisher zuständige Geschäftsführer Franz Prenner hat das Unternehmen in Richtung ORF verlassen. Philip Eissler, der nun in der dreiköpfigen Mediaprint-Geschäftsführung für die Vertretung der „Krone“-Interessen zuständig ist, hat das Anzeigengeschäft nicht übernommen. In Zeiten schrumpfender Anzeigenumsätze nicht gerade ideal.

Siehe dazu „Im Sucher“, S. 33

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2010)

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