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Neustart für den Sudan

Eine Frau im Außenministerium, ein Weltbank-Ökonom als Finanzminister: Premier Hamdok will mit Kabinett neue Akzente setzen.

Khartum. Knapp fünf Monate nach dem Sturz des sudanesischen Langzeitdiktators, Omar al-Bashir, bekommt das ostafrikanische Land eine neue Regierung. Mit einigen Tagen Verspätung hat Übergangsregierungschef Abdalla Hamdok Medienberichten zufolge nun die wichtigsten Posten in seinem Kabinett benannt. Dabei hielt sich der frühere UN-Wirtschaftsexperte an seine Ankündigung, auch Frauen in die Regierung zu berufen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Sudan werde das Außenministerium unter weiblicher Führung sein: Asma Mohammed Abdallah, eine der ersten Diplomatinnen des Landes, soll den Posten übernehmen.

Für den Sudan ist das neue Kabinett, das bis Freitag offiziell ernannt werden soll, ein weiterer Meilenstein in der Post-Bashir-Ära. Erst Mitte August hatten sich die Opposition und das Militär auf ein Abkommen geeinigt, das den Weg für einen dreijährigen Übergangsprozess freimachte. Überwacht wird er von dem elfköpfigen sogenannten Souveränen Rat, der sich aus fünf Militärs und sechs Zivilisten zusammensetzt und den bisherigen Militärrat ablöste. Die Übergangsregierung soll das Land nun in die neue Zukunft führen und Wahlen vorbereiten.

Hamdok hatte vor allem drei Prioritäten genannt: einen dauerhaften Frieden, eine „ausgeglichene“ Außenpolitik und die Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Tatsächlich zählt der Sudan zu einem der ärmsten Länder der Welt. Die ökonomische Macht lag bisher in den Händen der Militärs.

 

Ein Mini-Marshallplan für den Sudan?

Für das Finanzministerium hat Hamdok nun einen international erfahrenen Experten ausgesucht: Ibrahim Elbadawi ist früherer Weltbank-Ökonom und in den USA an der North Carolina State University ausgebildet worden. In einem Interview mit Reuters hatte er vor Kurzem erklärt, der Sudan brauche einen „Mini-Marshallplan“.

Premier Hamdok hat die USA aufgefordert, den Sudan von der Liste der Terrorunterstützer zu streichen und den Weg für Wirtschaftsentwicklung frei zu machen – ein Ziel, das der deutsche Außenminister, Heiko Maas, bei einem Besuch in Khartum am Dienstag als „angemessen“ bezeichnete. Doch die neue Ordnung ist fragil. Und während die meisten Minister vom Premier ausgesucht werden – auf Grundlage von Vorschlägen der Oppositionskoalition FFC –, bestimmt das Militär weiter über die Leitung der Sicherheitskräfte. Verteidigungsminister wird General Jamal Aldin Omar, der dem Übergangsmilitärrat angehörte. (raa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2019)