Der Umweg zum Studium wurde begradigt

Mit klareren Regeln, welche Prüfungen für welches Studium notwendig sind, wurde der Zugang via Studienberechtigungsprüfung vereinfacht.
Mit klareren Regeln, welche Prüfungen für welches Studium notwendig sind, wurde der Zugang via Studienberechtigungsprüfung vereinfacht.Pixabay

Seit 2017 liegt es in der Verantwortung von Hochschulen, entsprechende Studienberechtigungsprüfungen anzubieten. Am 1. Oktober 2019 endet die Übergangsfrist.

Aurelius Beier studiert an der FH Salzburg berufsbegleitend Informationstechnik und Systemmanagement. Dass er seinen Traum von einem Studium verwirklichen konnte, verdankt er der Möglichkeit einer Studienberechtigungsprüfung. Nach vier Jahren HTL, die er aus privaten Gründen unterbrechen musste, dem Beginn einer Lehre als Kfz-Techniker und dem Eintritt in die HTL-Abendschule hat er sein Ziel wieder ins Visier genommen: „Durch drei Teilprüfungen für die Matura in Deutsch, Mathematik und Englisch hatte ich nur noch zwei Module in Physik und Informatik für die Studienberechtigungsprüfung zu absolvieren. Jetzt arbeite ich als Softwareentwickler, denn ich muss bis zum fünften Semester 360 facheinschlägige Arbeitsstunden nachweisen.“ Parallel macht Beier die Abendschule fertig, da er die Matura haben möchte.

 

Einheitliche Themengruppen

Über die Studienberechtigungsprüfung (SBP) an eine Hochschule zu kommen kann also eine Herausforderung sein. Dabei ist es seit 2017 einfacher geworden, diesen Weg zu gehen. Etwa insofern, als es früher an Universitäten mehrere Themengruppen gab, für die man sich qualifizieren musste. Statt jetzt einer Sparte für beispielsweise geistes- und kulturwissenschaftliche Studien gab es drei Gruppen, für die man sich entscheiden musste: historisch-kulturwissenschaftliche, philologisch-kulturwissenschaftliche sowie philosophische, kunst- und bildungswissenschaftliche Studien. Ab Oktober gilt: An Universitäten, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen sind dieselben zehn Studienrichtungsgruppen verankert, je nach angebotenen Studiengängen.

An der FH Salzburg etwa gibt es fünf: ingenieurwissenschaftliche, künstlerische, naturwissenschaftliche, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche sowie medizinische und veterinärmedizinische Studien. „Seit dem Wintersemester 2018/19 bieten wir die Studienberechtigungsprüfung an, die für eine Studienrichtungsgruppe erworben wird und eine eingeschränkte Zulassung zu allen Bachelorstudien jener Gruppe ermöglicht“, erklärt PR-Managerin Nina Bacher. Die Nachfrage sei hoch, bislang habe es ein paar Dutzend Zulassungen gegeben, „insbesondere bei den Studien Soziale Arbeit, Betriebswirtschaft und Multi-Media-Art“.

 

Im Studium gleich erfolgreich

An der Uni Wien sind es pro Jahr durchschnittlich 150 Studierende, die durch eine Studienberechtigungsprüfung Zugang erhalten. Im Studium gebe es keinen Unterschied zwischen jenen mit einem traditionellen Bildungsweg und jenen mit Bildungsumweg: „Grundsätzlich gilt aber, dass Menschen mit mehr Lebens- und Berufserfahrung fokussierter studieren und mehr planen“, sagt Roland Steinacher, Leiter des Studien- und Lehrwesens der Universität Wien.

An der Sigmund-Freud-Privatuniversität (SFU) sind die Prozentzahlen für die einzelnen Studienrichtungen unterschiedlich. Für Psychotherapiewissenschaft starten fünf bis acht Studierende pro Jahr mit dieser Prüfung, „insgesamt haben schon etwa 80 Studierende die Psychotherapiewissenschaft mit dem Hintergrund einer SBP abgeschlossen“, sagt Manuel Jakab, zuständig für das strategische Marketing an der SFU. Beim Studium der Psychologie sind es zwischen fünf und zehn Prozent aller Studienanfänger, bei Medizin beziehungsweise Zahnmedizin zehn pro Jahrgang. Studienberechtigungsprüfungen für die SFU werden über die VHS Wien abgewickelt.

Auch bezüglich des Alters hat sich seit 2017 etwas geändert. Jetzt dürfen Menschen ab dem vollendeten 20. Lebensjahr die Studienberechtigung erwerben; früher war es das 22. Für alle Bewerber gilt: Sie müssen in fünf Fächern Prüfungen ablegen. Dazu gehören eine schriftliche Arbeit über ein allgemeines Thema, zwei oder drei Prüfungen, die im Hinblick auf Vorkenntnisse oder Fertigkeiten für die angestrebte Studienrichtungsgruppe verpflichtend sind, sowie eine oder zwei Prüfungen nach Wahl des Prüflings aus dem Bereich der angestrebten Studienrichtungsgruppe.

Doch nicht immer ist damit der Weg zum Vorlesungssaal frei. Entscheidet sich ein Studierender für ein Fach, das auch für „reguläre“ Studienanwärter ein Aufnahmeverfahren vorsieht – beispielsweise für Sportwissenschaften, Biologie oder Pharmazie –, muss er wie alle anderen auch dieses absolvieren.

Beier freut sich bereits auf sein drittes Semester an der FH Salzburg und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wenn ich mit dem Studium fertig bin, werde ich für elf reguläre Bildungsjahre nur fünf Jahre gebraucht haben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2019)