„Die Königsdisziplin der Kommunikation“

Die Digitalisierung bringt auch für Profis in der Politik Umwälzungen – so wird die Analyse von Daten und die Verifizierung von Informationen immer wichtiger.
Die Digitalisierung bringt auch für Profis in der Politik Umwälzungen – so wird die Analyse von Daten und die Verifizierung von Informationen immer wichtiger.Getty Images

Das allgemeine Interesse an Politik ist derzeit groß. Die Akteure – Politiker wie Medienprofis – müssen sich auch abseits des aktuellen Wahlkampfs mit Führung und Kommunikation im digitalen Zeitalter auseinandersetzen.

Auch wenn nicht alle eine positive Meinung über die Politik haben, so wollen sich dennoch viele Menschen auf die eine oder andere Art beruflich mit ihr beschäftigen. Unter anderem etwa als Politiker, Berater, Analyst oder Journalist. Sie alle müssen sich mit vielen Herausforderungen und Entwicklungen auseinandersetzen, was spezielles Fachwissen erfordert, das in einschlägigen Aus- und Weiterbildungen vermittelt wird. Ein großes Thema ist dabei die omnipräsente Digitalisierung.

 

Kampagnen und Kultur

„Ich habe den Eindruck, dass sich im politischen System mit Hinblick auf die Digitalisierung wenig getan hat – auch wenn die Parteien mittlerweile etwa mit digitalen Kampagnen arbeiten“, sagt Peter Grabner, Leiter des Masterlehrgangs Führung, Politik und Management der Fachhochschule Campus Wien. Das sei – neben einen Beitrag zur politischen Kultur in Österreich zu leisten – auch das Hauptmotiv gewesen, den neuen Masterlehrgang Digitalisierung, Politik und Kommunikation zu entwickeln, der diesen Herbst an den Start geht. Dass man damit den Nerv der Zeit getroffen hat, zeigt nicht zuletzt der große Andrang an Interessenten – alle Ausbildungsplätze sind bereits vergeben.

Mit dem neuen Masterlehrgang sollen Menschen angesprochen werden, die an der Schnittstelle zwischen Digitalisierung, Politik und Kommunikation tätig sind und ein fundiertes Handwerkszeug bekommen wollen. Grabner spricht von einer „relativ intensiven Technikausbildung“, die eine Brücke zwischen dem politischen System und Technologie schlagen soll.

 

Komplexität und Zeitdruck

„Die politische Kommunikation kann auch als Königsdisziplin in der Kommunikation gesehen werden“, meint Gerda Füricht-Fiegl, Leiterin des Masterlehrgangs Politische Kommunikation an der Donau-Universität Krems. Zwar bestünden viele Ähnlichkeiten mit der PR, anders sei aber, dass sie eine Vielzahl von Wechselwirkungen auslöse und viel mehr Einflussgrößen berücksichtigt werden müssen. „Es gilt also, sehr bedacht und analytisch vorzugehen – und das unter großem Zeitdruck.“ Das wird auch den Teilnehmern des Masterlehrgangs vermittelt. Dabei handelt es sich zum Großteil um Personen aus der politischen Kommunikation, wie etwa Kabinettsmitarbeiter oder Büroleiter von Ministern, Landesräte oder Bürgermeister. Ein kleiner Teil, rund zehn Prozent, kommt aus Agenturen. In jedem Jahrgang finden sich auch Journalisten, ebenso Politiker.

Zu den Teilnehmern des Masterlehrgangs Führung, Politik und Management der FH Campus Wien gehören wiederum Mandatare und Personen, die in politischen Büros tätig sind. Grabner ist der Meinung, dass heute ein neuer Kommunikations- und Führungsstil gefragt ist, mit einer netzwerkartigen Orientierung. „Rein hierarchisches und distanziertes Führungsverhalten funktioniert heute nicht mehr“, sagt er. Auch dahinter stehe die Digitalisierung. Daher wird im Masterstudiengang ein Fokus auf den Persönlichkeitsentwicklungsprozess gesetzt – vier Coaches arbeiten mit den Teilnehmern in Kleingruppen.

„In der politischen Kommunikation spielt die Digitalisierung mittlerweile eine große Rolle – bei vielen aktuellen Trends in dem Bereich besteht mehr oder weniger ein Zusammenhang“, sagt auch Füricht-Fiegl.

 

Zivilgesellschaft wird wichtiger

Im aktuellen Wahlkampf falle etwa auf, dass das politische Themenmanagement mehr Gewicht habe – vor allem vor dem Hintergrund der großen Bedeutung der digitalen Medien. „Früher waren Politiker in einem engen Austausch mit den Medien und haben ihnen gegenüber ihre Themen gesetzt“, sagt die Expertin. Heute müsse auch die Zivilgesellschaft berücksichtigt werden. Nachsatz: „Akteure wie Influencer, Blogger oder Unternehmen haben eine wichtige Rolle übernommen, was eine riesige Herausforderung darstellt.“

 

Daten lesen können

Wer als Analyst, Journalist oder Pressesprecher tätig ist, steht vor einer weiteren Herausforderung: Es gibt mehr Möglichkeiten für die Interpretation von Daten – Stichwort: Data Science. „Daten können beispielsweise auch mittels künstlicher Intelligenz ausgewertet werden“, weiß Füricht-Fiegl. Die Ergebnisse müssen die genannten Akteure interpretieren können. Zu den weiteren Trends zählt sie, dass die non-verbale Kommunikation an Bedeutung gewonnen hat, ebenso wie die interne Kommunikation. Nicht zuletzt aufgrund dieser Entwicklungen seien fundierte Ausbildungen wichtig. Daher müssen Personen, die in der politischen Kommunikation tätig werden möchten, breit gefächerte Skills und Qualifikationen mitbringen.

Unter angehenden Journalisten und politischen Analysten ist das Studium der Politikwissenschaften, das von den Universitäten Wien, Salzburg, Innsbruck und Linz angeboten wird, äußerst beliebt. In den dortigen Bachelorstudien bekommen die Studierenden unter anderem eine fundierte Einführung in Bereiche wie das politische System Österreichs und der EU, in Ideengeschichte und Theoriedebatten sowie in die vergleichende Analyse von Politik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2019)