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Widerstand

Kampf um Wohn- und Arbeitsraum: „Das hier ist mein Leben“

Luis Castro in seiner Wohnung, die er laut seinem Vermieter verlassen soll.
Luis Castro in seiner Wohnung, die er laut seinem Vermieter verlassen soll.(c) Emanuele Siracusa
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Nicht jeder Lissabonner, der seine Wohnung verlassen soll, kann es sich leisten, kampflos aufzugeben. NGOs versuchen Betroffenen zu helfen und eine Bürgerbewegung zu starten. Einfach ist das nicht.

Schlussendlich sind sie zahlreich gekommen. Schulter an Schulter stehen sie im kleinen Erdgeschoßladen in der Rua Tomás da Anunciação 3B im Stadtteil Campo de Ourique im Herzen von Lissabon. Ein Haus mit vier Stockwerken in einem Wohnviertel, in dem Autos dicht hintereinander parken. Eine Gruppe an Journalisten aus Fernsehen, Radio und Zeitung drängt in die kleine Papelaria Eduardo dos Livros und umringt die linke Politikerin Catarina Soares Martins, Vorstandsvorsitzende der in Portugal mitregierenden Minderheitenpartei Bloco de Esquerda (Linksblock). „Wir versuchen nun einen Antrag für ein historisches Geschäft zu stellen, das könnte den Fall retten“, sagt sie mit ernster Miene. Die eigentliche Hauptdarstellerin steht etwas abseits hinter ihrem Verkaufstresen: Dona Helena Pereira, Besitzerin des kleinen Zeitschriftenladens, der seit 55 Jahren existiert. Sie ist an diesem Samstag jüngstes Opfer der Wohnungs- und Mietkrise in Lissabon. Dona Helena Pereiras Mietvertrag wurde nicht verlängert, sie soll ihren Laden schließen. Der offizielle Termin ihres Rauswurfes ist mit dem nächsten Tag markiert. Doch Helena Pereira weigert sich. „Das hier ist mein Leben. Ich bleibe“, sagt sie resolut zur „Presse“. Und sie meint es auch so.