Testessen in Mike Köberls Spoon

(c) Christine Pichler

Ein ehemaliger Hollywood-Koch und sein besonders persönlich geführtes Spoon im Ersten.

Nicht nur ein Gast in spe kommt persönlich hereinmarschiert, um sich ins Reservierungsbuch eintragen zu lassen. Das kleine Eckrestaurant Spoon ist im Internet nicht zu finden, von der Straße aber umso besser zu sehen: Große Fensterflächen, auffallender Steinboden in Schwarz-Weiß, eine orange Wand samt blitzblauer Tür. Und eine einsehbare Küche, in der Mike Köberl steht. Wer ihn nicht kennt: Der Kärntner, der als Koch die halbe Welt bereist hat, war lang an Wolfgang Pucks Seite für das Essen bei der Oscar-Verleihung zuständig. Als Neolokalbesitzer machte er Bekanntschaft mit der bei Gastronomen als Antischlafmittel beliebten magistratischen Endlosschleife; dass Köberl nun doch sein Spoon eröffnen konnte, scheint ihn noch immer zu verwundern. Wichtig war ihm, von der Küche aus alle Gäste im Blick zu haben. Zur Vorbereitung nützt er eine benachbarte Küche, im Lokal wird nur mehr finalisiert. Drei Menüumfänge (was es gibt, bleibt offen) stehen zur Auswahl: drei, vier oder fünf Gänge um 29, 49 oder 59 Euro. Man sollte nicht allzu streng mitzählen. Die ersten drei Teller sind schnell gebracht – ist das Menü also bald wieder zu Ende? Nach einem Thunfischtatar mit Sesamcracker und

(c) Christine Pichler

eingelegtem Ingwer (man merkt den Hollywood-Profi), nach ein paar hübsch ausgestochenen Rübenscheiben mit einer Ahnung von Feige und Feta, nach einigen vollreifen Paradeiserscheiben mit einer stilistisch schon angegrauten Molekularmarinade aus Balsamico- und Ölkügelchen und Gurkenhobeln? (Noch nie wurden Gurkenhobel so verlockend angekündigt – wie Köberl seine Stimme bei den Worten „und Gurke" moduliert, macht ihm so schnell keiner nach.) Auch die schmale halbe Schnitte vom kenntnisreich gegarten köstlichen Schweinsbauch, mit Brioche, Spitzkraut und Saftl serviert, beruhigt noch nicht wirklich – alles sehr gut, aber das war dann wohl schon der Fleischgang . . . Nichts da. Mike Köberl überrascht jetzt zuerst mit Goldmakrele, dazu aromastarken, cremig abgemachten Wildreis und eine tiefgründige dunkle Currysauce. Danach gibt’s ein Vergleichsspiel mit zwei verschiedenen Filetscheiben auf Zuckerschoten. Österreichisches Angusrind vs. Übersee-Beef. Der Leider-Sieger: Klima-Greta wäre vom Ergebnis nicht begeistert. An der Weinauswahl könnte man ebenso feilen wie an der Dessertvariation. Roederer-Champagner um 10,50 Euro pro Glas ist jedenfalls eine wunderbar gastfreundliche Geste dieses besonders persönlich geführten Minirestaurants.

Info

Spoon, Seilerstätte 19, 1010 Wien, Restaurant: Dienstag–Samstag: 12–14.30, 18–23 Uhr.

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("Die Presse-Schaufenster", 19.07.2019)