Start-ups

Christoph Prieler: Der Digitalisierer unter den Buchhaltern

(c) Abacus

Start-ups. Christoph Prieler hat jahrzehntelange Erfahrung in der Buchhaltungsindustrie. Sein Start-up Abacus nimmt die dringende Digitalisierung der Branche in Angriff.

Wahrscheinlich würden die wenigsten Menschen Ein- und Ausgangsrechnungen, Bilanzierung und Rechnungslegung mit Beschreibungen wie „sexy“ oder „spannend“ assoziieren. Dass aber auch die Buchhaltungsbranche durch die Digitalisierung neue Berufsfelder gewinnt und dadurch attraktiver wird, zeigt Christoph Prieler, CEO und Gründer des Technologie-Start-ups Abacus. Seit 2016 automatisiert seine auf Künstliche Intelligenz und Algorithmen basierende Software sämtliche Bereiche der Firmenbuchhaltung.

Als Prieler vor 20 Jahren an der WU studierte, gab es „einen Riesenboom“, Buchhaltungsabteilungen in Osteuropa zu zentralisieren. Während sich Studienkollegen für Auslandssemester in London oder Paris bewarben, zog es Prieler nach Budapest, wo rasch leitende Funktionen in der Buchhaltung von US-Konzernen wie IBM und Flextronics winkten. „Da wollte keiner hin, außer mir“, sagt Prieler. „Damals war das noch der wilde Osten.“ Aus dreieinhalb Monaten wurden zweieinhalb Jahre in Ungarn. Anschließend wechselte er für drei Jahre nach Indien, um dort für Flextronics riesige Buchhaltungscenter aufzubauen.

Zurück in Wien „klopfte McKinsey an“. Die Arbeit als Consultant sei zwar „brutal interessant“ gewesen, 2010 entschied er sich dennoch zum Schritt in die Selbstständigkeit. In einer Branche, „die sich verhältnismäßig spät mit Digitalisierung beschäftigt hat“, wollte der gebürtige Oberösterreicher kleinen Unternehmen ohne Ansprechpartner bei der Buchhaltung helfen, weshalb er 2010 den Finanzdienstleister Enteos gründete. 2015 schließlich, als es „immer schwieriger wurde, Mitarbeiter zu finden“, stellte sich Prieler die Frage: „Sperren wir zu oder machen wir Technologie?“ Die Kunden selbst würden sich nicht weiterentwickeln, war er sich sicher.

Die Idee, eine Software für Buchhalter zu entwickeln, folgte und sollte „genau die Automatisierung machen, die ich mir vorgestellt habe“. 2016 gründete er deshalb das Start-up Abacus. Die Software sollte zunächst den Enteos-Kunden angeboten werden. Durch automatisierte Transaktionen, Ein und Ausgangsrechnungen können damit Mitarbeiter „viel mehr zur selben Zeit erledigen.“ Die Interaktion zwischen Software und Mensch reduziere die Chancen, Fehler zu machen.

Unsexy Thema vor den Vorhang geholt

Mit der „tatkräftigen Unterstützung“ des Bundes wurde Abacus mittlerweile zur erfolgreichen Technologiefirma, die sich auch anderen Kunden zuwandte. In Österreich zählen KPMG, Deloitte und TPA zu den größten Kunden, das Start-up bedient aber auch öffentliche Behörden und Zehntausende kleine Unternehmen.

Die Nominierung als Österreicher des Jahres habe Prieler „total überrascht“, vor allem, „dass dieses unsexy Thema“ dazu führen konnte. Kollegen seien ebenfalls froh, denn: „Endlich kriegt diese Industrie mal Aufmerksamkeit.“ Schließlich gebe es in jeder Firma jemanden, der sich darum kümmere, aber „meistens im Hintergrund“, sagt Prieler. „Dass die Branche dadurch in die Gänge kommt, freut mich echt total.“