Unternehmen mit Verantwortung

Reinhard Kepplinger und Kuno Haas: Wo die Grüne Erde blüht

(c) Grüne Erde

Unternehmen mit Verantwortung. Ökologisch, sozial, sinnstiftend: Reinhard Kepplinger und Kuno Haas stellen Möbel her und wollen in drei Jahren plastikfrei produzieren.

Angefangen hat alles vor knapp 35 Jahren mit einem Traumforscher und ein paar Achtundsechzigern im oberösterreichischen Scharnstein. „Weiße Wolke“ nannte Firmengründer Karl Kammerhofer das erste Produkt eines Unternehmens, das er Grüne Erde getauft hatte. Sein Freund, ein Traumforscher, hatte ihm die Rezeptur für eine Matratze dazu geliefert.

Mittlerweile ist der Gründer ausgestiegen, Reinhard Kepplinger und Kuno Haas leiten das Unternehmen, das Möbel, Naturmode, Heimtextilien und Kosmetik herstellt. Aus einem halben Dutzend Mitarbeitern wurden knapp 500. Eines ist geblieben: Grüne Erde steht für nachhaltig, sozial und ökologisch. Heute ist das Konzept nicht nur akzeptiert, es wird mit Preisen überhäuft. 1983 war das noch anders. „Der Pfarrer predigte, wir seien eine Sekte“, erinnerte sich Kepplinger.

Wer „ökologisch nachhaltig“ wirtschaften will, muss innovativ sein. „Unser nächstes Ziel lautet bis 2022 absolute Plastikfreiheit“, sagt Kuno Haas. Eine CO2-neutrale Produktion soll bis 2028 Realität sein. Das sei eine große Herausforderung. Denn eines ist den Firmenchefs klar. Am Ende handelt es sich bei Grüne Erde um ein Unternehmen, das auch Gewinne erzielen und wachsen soll. „Wir streben ein organisches Wachstum von fünf bis sechs Prozent pro Jahr an“, sagt Haas und meint: „Das Gute darf wachsen.“ Sehr ambitionierte Ziele also, die nur mit höchst motivierten Mitarbeitern möglich sind.

Flexible Arbeitseinteilung

„Bei uns lautet der Grundsatz: Jeder arbeitet so viel, wie es ihm Spaß macht“, sagt Haas. Und deshalb gibt es in seinem Unternehmen auch „mehr Teilzeitmodelle als Teilzeitbeschäftigte“. Die Mitarbeiter können sich also nicht nur aussuchen, wie lang und an welchen Tagen sie arbeiten möchten, das Zeitmodell sei auch so flexibel, dass es innerhalb eines Quartals geändert werden kann. Gearbeitet werden kann täglich von sechs bis 20 Uhr, auch am Samstag wird gearbeitet, wenn Bedarf ist. 74 Prozent der Mitarbeiter arbeiten in Teilzeit, 80 Prozent der Beschäftigten sind Frauen.

Ob das nicht ein riesiger Aufwand sei, all die verschiedenen Arbeitszeitmodelle unter einen Hut zu bringen? „Kein Problem“, sagt Haas. Im Gegenteil. Das Unternehmen bekomme alles wieder zurück. Wenn es etwa heißt, dass an einem Samstag mehr Leute gebraucht werden, dann sei die Bereitschaft groß. Ganz ohne Zwang, versteht sich. „Urlaubssperren gibt es bei uns nicht.“ Nur die Tischlerei habe im Sommer zwei Wochen Betriebsurlaub.

Am Firmensitz befindet sich auch die Grüne-Erde-Welt, ein Besucherzentrum der besonderen Art. 75.000 Gäste kamen bereits, um im oberösterreichischen Almtal die Philosophie des Unternehmens hautnah zu erleben. Rund um das Gebäude wurden 450 Bäume und 700 Sträucher gepflanzt, Gemüse-, Obstgärten und Wiesen angelegt. 90 Mitarbeiter haben hier einen Arbeitsplatz gefunden.
Und wer kauft die durchaus hochpreisigen Möbel und Accessoires? „Wir haben handverlesene, angenehme Kunden“, sagt Kuno Haas.