Natürlicher Wirkstoffkosmetik

G-Beauty: Deutsche Kosmetik als internationaler Trend

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G-Beauty ist der neueste internationale Kosmetiktrend: Produkte aus Deutschland und Österreich sind beliebt wie nie.

Menschen, die sich oft und gern mit Kosmetik beschäftigen, wird ja manchmal eine gewisse Oberflächlichkeit attestiert. Was man ihnen aber beim besten Willen nicht vorwerfen kann, ist Engstirnigkeit. Der Beauty-Fan ist ein echter Weltbürger! Man braucht sich nur die Trends der vergangenen Jahre zu vergegenwärtigen: K-Beauty machte ihm leichte Gel-Texturen schmackhaft und brachte ihn dazu, sich koreanische Tuchmasken mit exzentrischen Inhaltsstoffen (Schneckensekret, Plazenta) aufs Gesicht zu legen. J-Beauty wiederum begeisterte ihn für zehnstufige Pflegerituale und japanische Cremes, die auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Das Land, auf das die Beauties jetzt ihr trendbewusstes Auge geworfen haben, wird anderswo eher für seine Expertise in Sachen Autobau, Fußballweltmeisterschaft und Bierbrauerei beklatscht. Aber tatsächlich: „G-Beauty", also Kosmetik made in Germany, ist momentan das große Ding in Nordamerika und Asien! Und wo Deutschland ist, ist Österreich nicht weit. Beide Länder stehen für saubere, hochwertige und wirksame Hautpflege, und das kommt an.

Romantik im Tiegel

„Der deutschsprachige Raum steht für eine lange Tradition an pflanzlichem Kosmetikwissen. Die besondere Verehrung von allem Natürlichen geht bis in die Romantik zurück, als Gegenbewegung zur voranschreitenden Industrialisierung", erklärt Susanne Kaufmann, Vorarlberger Pionierin im Bereich natürlicher Wirkstoffkosmetik. Ein wichtiger Punkt für den Konsumenten, denn auch im Pflegebereich gehen die Vorlieben in Richtung „slow cosmetics". So profitieren die meisten Marken der G-Beauty davon, sich bereits seit vielen Jahrzehnten mit biodynamischem Pflanzenanbau und nachhaltigen Herstellungsverfahren zu beschäftigen. „Naturkosmetik ist bei uns kein flippiger Trend, sondern seit 1967 Tradition", erklärt auch Sabine Stöcklmayer, Produktmanagerin bei Dr. Hauschka: „Wir wählen unsere Rohstoffe akribisch aus. Sie wachsen, wenn möglich, in biologisch-dynamischer Qualität in unserem eigenen Heilpflanzengarten oder auf unserem Demeter-Hof."

Exportschlager. Das ganzheitliche ­Gesundheitsresort Lanserhof eröffnete unlängst seine erste Niederlassung in ­London.
Exportschlager. Das ganzheitliche ­Gesundheitsresort Lanserhof eröffnete unlängst seine erste Niederlassung in ­London.(c) Beigestellt

Inzwischen scheint eine deutschsprachige Herkunft von Kosmetikartikeln beinah wie ein hochwertiges Gütesiegel zu funktionieren. Eigentlich kein Wunder, denn während K-Beauty populär wurde, weil die koreanische Regierung eine Offensive zur Vermarktung ihrer heimischen Labels im Ausland gestartet hat, ist G-Beauty kein staatlicher Marketing-Coup. Allerdings fördern und unterstützen die deutsche wie auch die österreichische Regierung die biologisch-dynamische Landwirtschaft und nachhaltige Ideen. Allein dass Unternehmen den EU-Standards für Sauberkeit folgen, bedeutet für den internationalen Kunden, dass die Produkte keine schädlichen Stoffe enthalten. Das deutsch-schweizerische Unternehmen Weleda verpflichtet sich zusätzlich noch dazu, seine Kosmetikprodukte nach einem internationalen Standard, dem Siegel „Natrue", zu zertifizieren.

Weleda, an dessen Gründung im Jahre 1921 auch der Österreicher Rudolf Steiner beteiligt war, ist mittlerweile in über 50 Ländern erhältlich. Allein in Nordamerika sei der Umsatz 2018 um knapp 40 Prozent gewachsen. Konzernsprecher Tobias Jakob dazu: „Ob das auch an dem Trend G-Beauty liegt, können wir nicht sagen. Allerdings stellen wir in den USA ein aufkommendes Bewusstsein für natürliche Pflegeprodukte fest, was das Wachstum von Weleda als einem Hersteller von zertifizierter Naturkosmetik fördern dürfte." Auch mit der nachhaltig ausgerichteten Lieferkette und einem fairen, partnerschaftlichen Handel würde man bei den Amerikanern punkten. Wie das Magazin „InStyle" zu berichten weiß, gilt Weledas klassische Feuchtigkeitscreme „Skin Food" etwa als Grundnahrungsmittel für viele Top-Maskenbildner und hat Kultstatus unter Stars wie Rihanna, Julia Roberts und Victoria Beckham.

Auszeit. Im Hotel Post in Bezau mit umfassendem Wellness-Angebot entstand die Kosmetiklinie von ­Susanne Kaufmann.
Auszeit. Im Hotel Post in Bezau mit umfassendem Wellness-Angebot entstand die Kosmetiklinie von ­Susanne Kaufmann.(c) Beigestellt

In China testen sie Hunde. Auch Nadia Rivelles von der veganen Austro-Naturkosmetikmarke Rivelles spürt einen Anstieg internationaler Verkäufe: „Es melden sich viele Händler und Konsumenten aus Asien, dort scheinen österreichische Kosmetikprodukte sehr gut anzukommen. Konsumenten beliefern wir, Händler nicht. Wir möchten genau prüfen, wie mit den Produkten umgegangen wird. Das ist nicht einfach, denn in manchen Regionen sind noch immer Tierversuche vorgeschrieben." Dieses Thema beschäftigt auch Susanne Kaufmann. Während ihre Produkte im Onlineshop etwa in den USA, in Kanada und neuerdings Australien zu beziehen sind, schließt sie einen Verkauf nach China aus, wo Kosmetik verbindlich an Tieren getestet werden muss.

Für anspruchsvolle Kunden sind die aufregendsten Produkte jedoch diejenigen, die neben sauberen Formulierungen auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse bieten. Etwa die Cremes und Seren der Düsseldorferin Dr. Barbara Sturm. Die Beauty-­Spezialistin ist eigentlich auf ästhetische Unterspritzungen spezialisiert und hat vor einigen Jahren eine Anwendung entwickelt, bei der die körpereigenen Heilstoffe und Wachstumsfaktoren Entzündungen in der Haut stoppen und ihre Regeneration ­fördern.

Seeblick. In Maria Wörth nahm das Konzept der Vivamayr-Gesundheitszentren seinen Ausgang. Zuletzt wurde eine Vergrößerung des Standorts beschlossen.
Seeblick. In Maria Wörth nahm das Konzept der Vivamayr-Gesundheitszentren seinen Ausgang. Zuletzt wurde eine Vergrößerung des Standorts beschlossen.(c) Gert Steinthaler

Ein weiterer Beauty-Liebling mit akademischem Titel ist der Münchner Hautarzt Dr. Timm Golüke. Seine Anti-Aging-Brand Royal Fern, die auf die Heilkraft des Königsfarns setzt, ist das erste deutsche Produkt, das in der High-End-Kosmetikabteilung bei Bergdorf Goodman in New York verkauft wurde. „Ich denke, dass G-Beauty für Transparenz und vertrauenswürdige Hautpflege mit hochwertigen Inhaltsstoffen steht", erklärt Golüke. Wenn man sich Royal Fern ansehe, so sei alles made in Germany: Entwickelt von einem deutschen Dermatologen mit einem deutschen Biochemiker, klinisch getestet an echten Patienten in der eigenen Klinik, handabgefüllt in Bayern. „Deutsche Technik und die deutsche Wissenschaft sind im Ausland sehr angesehen. Eine asiatische Kundin meinte einmal zu mir, dass Royal Fern für sie wie ,German Engineering for your skin‘ sei." Womit sie sozusagen den G-Punkt getroffen hat.